Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 20 (14.5.1920)
- Date
- 1920-05-14
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 20 ische Echo 14. Mai 1920 7. Jahrgang Hm unsere Leser! Die gegenwärtigen schwierigen Verhältnisse zwingen uns zu äußerster Sparsamkeit, um nicht noch weitere Erhöhungen des Abonnementspreises eintreten lassen zu müssen. Wir legen daher alllien jenen unserer Leser, die das „Echo“ bisher nicht fest abonniert oder noch nicht bezahlt haben, dringend nahe, das Versäumte mittelst beiliegender Za'hlkarte umgehend nachzuholen. da der regelmäßige Fortbezug sonst in Frage gestellt ist. Der Bezugspreis ist nur M. 12.— fürs Jahr (Bestellgeld gesondert). Verlag des „Jüdischen Echo“. München. Herzog Maxstraße 4. Palästina in der Weltpolitik Wir sandten ein Mitglied unserer Redaktion zu Major Franz Carl E n d r e s , der als Orientkenner und Kenner der zionistischen Bewegung weit über die deutschen Grenzen hinaus anerkannt ist, um ihn um seine Auffassung der gegenwärtigen weltpolitischen Lage hinsichtlich der Frage Palästina als öffentlich - rechtlich gesicherte Heimstätte des jüdischen Volkes zu bitten. Major Endres sagte unserem Vertreter folgendes: Sie haben Recht, wenn Sie vom Ende der zweitausendjährigen Verbannung reden. Die Erklärung der Konferenz in San Remo, wonach die Einverleibung der Balfour-Erklärung vom 2. 11. 1917, die später, am 2. November 1919, von Lord Curzon bestätigt wurde, in den Friedensvertrag mit der Türkei beschlossene Sache ist und die neuerliche Bestätigung durch Bonar Law im englischen Unterhaus am 28. April 1920 bedeutet die politische Erfüllung Ihres Baseler Programms. Ich verstehe, daß die Zionisten der ganzen Welt wie von einem Banne erlöst sind. Vergessen Sie aber nicht, daß diese politische Tatsache nur ein Anfang ist, daß ihre Verwirklichung noch Schwierigkeiten genug mit sich bringen wird. Auf die entscheidende Haltung Englands in Ihrer Frage war der strikte Wunsch der Labour Party und der Trade Unions maßgebend. Lloyd George hat alle Veranlassung, den Wünschen der Labour Party, die sich anschickt, die Regierung Englands in die Hand zu nehmen, nachzukommen. Großbritannien als Mandatarmacht des Völkerbundes über Palästina wird aber, ebenso wie Sie selbst, eine Auseinandersetzung mit der arabisch-nationalistischen Bewegung noch vor sich haben. Es wird voraussichtlich — und Sie können sich das ganz ruhig gefallen lassen, denn es bedeutet für Sie nur einen Fortschritt auf Ihrem Wege — Ihre politische Zukunft als ein Motiv aufnehmen, um die Gelüste des Emir Faisul ganz energisch zu dämpfen. Es hat bisher, als die Mandatfrage noch nicht gelöst war, entsprechende Energie, wie die Greueltage in Jerusalem beweisen, vermissen lassen. Weniger aus Angst vor den Arabern, als vor der Auseinandersetzung mit seinen Bundesgenossen. Das große vorderasiatische Programm Englands, das lange vor dem Weltkrieg vorbereitet, in diesem zum militärischen Abschluß kam, enthüllt die Forderung einer gesicherten Landverbindung Ägyptens mit Indien. Diese Landverbindung erfordert die Herrschaft Englands in Südpersien, Mesopotamien und in Südsyrien. Ohne diese Herrschaft ist auch die schönste Bahnlinie Cairo— Jerusalem—Damascus — Isfahan—Kirman—Haiderabad nur ein blasser Gedanke. Ein Königreich Syrien (mit Palästina) unter einem arabischen Nationalisten wie es Emir Faisul ist, kann England auf die Dauer nicht ertragen und wird es nicht ertragen. Ein jüdisches Palästina, über das England ein gewiß leicht zu tragendes Protektorat ausübt, bedeutet dagegen eine strategisch gesicherte und wirtschaftlich höchst wertvolle linke Flanke der großen West-Ostverbindung, deren erste strategisch-kulturelle Trace wir schon bei Alexander dem Großen vorfinden. Sie werden mit den Arabern noch schwere Zeiten haben. Vermeiden sie diesen gegenüber jegliches nationalistische Gebahren. Überlassen Sie die Abgrenzung arabischer Wünsche getrost dem viel mächtigeren England, dem es lieber ist, geordnete zionistische Kolonien als sterile arabische Mißwirtschaft in Palästina zu haben. Überdies ist die arabisch - nationalistische und antizionistische Bewegung nicht eine Bewegung des gesamten arabischen Volkes, namentlich nicht der Fellachen (der seßhaften Landbevölkerung), wie verschiedene Proteste aus den Dörfern Ihnen ja bewiesen haben. Was nun die Frage der jüdischen Einwanderung in Palästina betrifft, so kommen hier Zeitpunkt, Masse und Richtung in Frage. Vor endgültiger militärischer Sicherung des Landes gegen die nationalistischen Beduinen hat eine Masseneinwanderung ihre Gefahren. Ich weiß nicht, wie Sie über ein kleines Werk denken, das vor Kurzem in der Nationalfonds-Bibliothek unter dem Titel „Kleinsiedelung und Bewässerung“, die neue Siedelungsform für Palästina, erschienen und von Dr. S. E. Soskin verfaßt ist. Ich halte seine Vorschläge für sehr beachtenswert. Es muß sich für Sie darum handeln, viele kleine Siedelungen zu schaffen. Großgrundbesitz dürfen Sie gar nicht aufkommen lassen. Die genossenschaftliche Regelung der Besitzverhältnisse ist auch hinsichtlich der anfangs notwendigen großen Kreditgewährungen und dem recht ungleichartigen landwirtschaftlichen Geschick besonders der neuen Ein« wanderer unbedingt vorzuziehen. Ich weiß, wie gründlich Sie die Einwanderungsfrage überlegt und wie sie schon einen Rahmen für die Einwanderer geschaffen haben, der in der Lage ist, relativ hohe Zahlen aufzunehmen. Als deutscher Politiker spreche ich Ihnen gegenüber den Wunsch aus, den zu erwartenden Strom der Ostjuden, von denen sehr viele Zionisten sind,