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Das jüdische Echo · 1920-05-07 · 19 (7.5.1920) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
19 (7.5.1920)
Date
1920-05-07
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 19 7. Mai 1920 7. Jahrgang Die Wandlung Wir haben lange Jahre sehnsüchtigen Wartens hinter uns. Wir warteten auf den Tag, der unseren heißen Wünschen Erfüllung gab, der Versprechungen zur Tat machte. Der Tag kam; Palästina wird, den Beschlüssen der Großmächte gemäß, die nationale Heimstätte für das jüdische Volk werden. Wir wußten, daß die große Stunde kommen würde. Wir vertrauten und ließen uns durch irreführend« Berichte nicht verwirren. Jetzt, da wir Sicherheit haben, gehen wir in stiller Zuversicht, ohne überflüssigen Jubel an die Arbeit. Denn wir wissen, daß alles Erreichte nur ein Vorspiel, nur eine Grundlage ist. Erst jetzt beginnen die Probleme des Aufbaues drohend und schwer zu werden. Sobald sich die Grenzen öffnen, sobald die Massen nach Erez Israel in Bewegung kommen, wird uns jeder Tag neue Schwierigkeiten, Kämpfe, Hindernisse bringen. Noch kennen wir kaum die Umrisse des großen Aufbauwerkes. Auswanderungs- und Einwanderungsämter, Landkauf und Häuserbau, Notstandsarbeiten, Aufforstung, Sanierung, Arbeiter- und Araberfrage und tausend Dinge mehr: Palästina wird uns nicht geschenkt, es will erworben werden. Es wird nur erworben werden, wenn es nicht Angelegenheit einzelner Juden, interessierter Kreise und Parteien, sondern vielmehr Sache des ganzen Volkes wird. Die vereinten Kräfte der Gesamtjudenheit reichen gerade aus, das Riesenwerk zu vollbringen. Es gibt keine Partei, die Palästina für sich zu monopolisieren wünschen kann, und wenn die Zionisten sich ein besonders enges Verhältnis zu Erez Israel zuschreiben, so ist das nur darauf zurückzuführen, daß sie sich infolge der Anteillosigkeit und des Widerstandes großer Teile der jüdischen Gesamtheit gezwungen sahen, in vielen Fällen als „Geschäftsführer ohne Auftrag“, als „negotiorum gestores“ für diejenigen aufzutreten, die ihre jüdische Pflicht versäumten. Wenn sich überall die Meinung durchsetzen würde, daß Palästina allgemeine Judensache sein müsse, daß niemand fehlen dürfe, damit das Werk gelinge — es würde, weiß Gott, niemanden geben, der nicht für Hilfe und Zusammenarbeit dankbar wäre. Wir wollen kein zionistisches, orthodoxes, liberales Palästina, sondern Erez Israel, die Heimstätte, das Land des jüdischen Volkes. Es scheint, daß man sich allmählig auch in solchen Kreisen seiner jüdischen Verantwortung bewußt wird, wo bisher nicht ohne weiteres damit gerechnet werden konnte. Das „Hamburger Israelitische Familienblatt“ bespricht in einem bemerkenswerten Aufsatz „die Ereignisse in Palästina“. Es wurde die Bedeutung des Artikels herabsetzen, wollte man auf die etwas heftigen Angriffe gegen die angeblich „gescheiterte Diplomatie der Herren Weitzmann und Sokolow“ eingehen, die doch schheßlich dem jüdischen Volke das Resultat von San Remo gebracht hat. Wir glauben, daß eine Polemik in dieser Richtung überflüssig ist. Das „Familienblatt“ sieht Gespenster. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen, wenn man verlangt, daß es „die Zionisten aufgeben sollten, Palästina als alleinige Parteisache zu behandeln“. Wir sind vielmehr der Ansicht, daß derartige Anschuldigungen nur die Schwenkung maskieren sollen, die das Hamburger Blatt mit weiten Kreisen der deutschen Judenheit vollzieht. Wir haben in seinen Spalten nicht immer Ausführungen gelesen wie die folgenden: „Palästina war immer eine Sache der ganzen Judenheit und ist es auch jetzt! In dem Moment, da die Aussichten einer stärkeren jüdischen Besiedelung des heiligen Landes zerstört zu werden drohen, ist es dringend geboten, unter Beiseitelassung aller Parteistandpunkte eine jüdische Einheitsfront herzustellen. Alle Welt soll es wissen, daß die gesamte Judenheit ohne jeden Parteiunterschied das Recht auf freie Einwanderung nach Palästina und auf Errichtung eines jüdischen Kulturzentrums dortselbst reklamiert und davon nicht lassen wird.“ Jeder bewußte Jude wird sich einer solchen Einheitsfront gern einfügen wollen. Jeder wird bereit sein, ein „gemeinsames Aktionskomitee, in dem alle für die Sache eintretenden Kreise paritätisch vertreten sein sollten“, zu unterstützen, wenn dies Aktionskomitee nur tatkräftig, nur ehrlich an die Arbeit geht, wenn es nur ein Aktionskomitee für Zion, nicht gegen Zion ist. Es wäre möglich, daß in gemeinsamem Streben der Parteien viele Gegensätze ausgeglichen, besonders aber die Kampfformen milder werden könnten. Es wäre sogar möglich, daß die paritätisch gewählten Vertreter einsehen könnten, daß es ein Großes um Menschen ist, die nicht nur „für die Sache eintreten“, sondern dafür leben, die nicht nur Geld geben, sondern selbst hinübergehen wollen, auch wenn die Not ihnen nicht an den Sohlen brennt. Und daß ohne solche Menschen das Werk unmöglich gelingen kann, daß man also notgedrungen die Zionisten mit all ihren Fehlern in Kauf nehmen, ihnen auch Einfluß auf Palästina* einräumen muß. solange man nicht tut wie sie. — Vielleicht bereiten sich solche und ähnliche Erkenntnisse vor. Die Tatsachen haben ja ein besonderes Pathos. Vielleicht stehen wir vor der großen Wandlung . . . G—. JabMfnski zu fünfzehn fahren Zwangsarbeit verurteilt London, 23. April. (Tel. der „J. R.“) Nach Mitteilungen der Zionist Commission ist Jabotinski zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden. Die andern wegen Teilnahme an der Selbstwehr angeklagten 19 Juden wurden zu je 3 Jahren verurteilt. * * * Im „Manchester Guardian“ erschien ein begeisterter Artikel über Jabotinski, in dem es heißt: „Es muß eine Erklärung für die merkwürdige Tatsache gefordert werden, daß die Juden, denen es nicht erlaubt war, sich zu verteidigen, bestraft werden sollten, bevor die Untersuchung der Unruhen begonnen hatten und bevor die arabischen Anführer vernommen worden waren.“ Die Ver-

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