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Das jüdische Echo · 1920-04-09 · 15 (9.4.1920) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
15 (9.4.1920)
Date
1920-04-09
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 15 9. April 1920 7. Jahrgang Der Schwabe Albert Einstein nnd der Jude Matthias Erzberger Über Genealogie und Genealogen. Die kühnen Methoden der Geschichtsdeutung alldeutscher Politiker sind bekannt. Jeder Tag bringt uns neue Enthüllungen. Wir befassen uns im allgemeinen nicht damit, weil wir Wichtigeres zu tun haben. Die neueste wissenschaftliche Behandlung vielgenannter zeitgeschichtlicher Figuren, wie Erzberger und Einstein, jedoch veranlaßt uns, eine Ausnahme zu machen. Matthias Erzberger, der Erfinder zahlreicher, besonders den bisher privilegierten Geldbeuteln alldeutscher Kreise lästiger Steuern, der „Reichsverderber“ und „Geschäftemacher“ ist der teutschen Wissenschaft der „typische“ Jude. Aber alldeutsche Urkundenforschung macht sogar die überraschende Entdeckung, daß er Blutsjude sei. Als sich nämlich aus dem Taufregister seiner schwäbischen Heimat ergab, daß seine Abkunft auf eine lange Reihe schwäbischer Bauernahnen zurückgehe, da argumentierte man in unwiderleglicher Urkundenauslegung: Aus den Taufregistern ergebe sich mit Sicherheit ja immer nur die Mutter, niemals aber der Vater! Also.! Daß man mit dieser Andeutung illegitimer Zeugung das Andenken braver deutscher Frauen, der Mutter und der Großmütter Erzbergers, besudelte, ja daß dieselbe Möglichkeit deutsch - jüdischer Blutsmischung bei sämtlichen, auch den blutreinsten Germanenabkömmlingen bestehe, das kann einen wahrheitseifrigen Geschichtsforscher nicht beirren. Im Gegenteil: Bietet sich genealogische Möglichkeit, das deutsche Volk von unliebsamen Gestalten durch derartige „Nachweise“ undieutscher Blutmischung zu reinigen, müssen deutsche Frauen wohl das Opfer bringen, sich beschmutzen zu lassen. Eine andere unangenehme Gestalt der Zeitgeschichte ist der Physiker Albert Einstein, der Schöpfer der Relativitätstheorie. Man bedenke: Ein Jude, der etwas Großes leistet, das ihm kein Geld einbringt und dessen Privatleben keine bemerkbaren Anstöße bietet! Die Hakenkreuzhistoriker sind nicht verlegen: Flugs leugnen sie die Größe seines Werkes und machen aus seinem Ruhm eine Sünde. Einstein ist nichts als der geschickte Ausbeuter und Plagiator der Ideen eines rein arischen, leider nur in gleichblütigen Kreisen berühmten, weiteren Kreisen infolge jüdischer Machenschaften unbekannten Mannes (der Name ist mir wieder entfallen), der vor x Jahren bereits in dem und jenem Artikel die ganze Relativitätstheorie aufgestellt habe. Gegenstücke: In den „M. N. N.“ widmete kürzlich Prof. Carl Oppenheimer dem berühmten Physiologen Nathan Zunz einen Nachruf. Vermutlich hielt er es für selbstverständlich, daß die Leser aus dem Namen auf die jüdische Herkunft des Mannes schlössen, darum unterließ er jeden Hinweis darauf. In der gleichen Zeitung schreibt über Albert Einstein ein Herr „W. Schw.“ (wir begehen keine Indiskretion, wenn wir verraten, daß sich hinter diesen Initialen Herr Dr. W. Schweisheimer, der naturwissenschaftliche Mitarbeiter der ,M. N. N.“, verbirgt, ein Mann aus bajuwarischem Geschlecht, also aus jenem Stamm des deutschen Volks, der schon immer die biedersten, aufrichtigsten, sich für ihr Volkstum am tapfersten schlagenden Männer hervorgebracht hat): „Das Bestreben, von dem Lebenslauf eines Mannes zu hören, dessen Gedankengänge vielen Menschen Grundlage intensiver eigener Geistesarbeit wurden, ist verständlich, aber seltsamer Weise bei Lebenden im allgemeinen schwerer zu befriedigen als bei jahrzehnte- und jahrhundertelang Verblichenen. Den liebenswürdigen Mitteilungen eines Jugendfreundes von Prof. Einstein folgend, sei hier ein kurzes Bild des Werdeganges des Gelehrten gezeichnet. Dr. E. stammt aus schwäbischem Geschlecht, also aus jenem Stamm des deutschen Volkes, der schon immer die tiefsten Denker und hartnäckigsten Grübler hervorgebracht hat. Beide Eltern sind Württemberger ...“ Es folgt dann die Erzählung, daß E. schweizer Bürger wurde, als Professor lange in Prag und Zürich wirkte, wohin er als Berliner Privatdozent berufen worden war; von Zürich aus berief man ihn, als der Ruhm seiner Leistungen schon die Welt durcheilte, als Professor nach Berlin usw. Es ist schade, daß der liebenswürdige Jugendfreund nicht Herrn Schw. auch erzählt hat, daß Albert Einstein in München nicht die christliche, sondern die jüdische Religionsstunde besucht hat, daß er jahrelang im Ausland an Hochschulen zweiten Ranges leben mußte, weil für ihn als jüdischen Professor kein Lehrstuhl in Deutschland sich fand und daß hierin der Grund des Wechsels seiner Staatsangehörigkeit liegt, ferner, daß auch das jüdische Volk schon immer die tiefsten Denker und hartnäckigsten Grübler hervorgebracht hat. Aber vielleicht hat der liebenswürdige Jugendfreund Herrn Schw. dies alles erzählt, Herr Schw. es aber nicht für wichtig gehalten. Ja wir wagen sogar zu vermuten, daß Herrn Schw. die jüdische Herkunft und Schicksale des Mannes nicht unbekannt gewesen seien, und wir sind selbst so liebenswürdig, ihn darauf hinzuweisen, daß ihm, wenn er Trank für seinen Wissensdurst nach dem Lebenslauf Einsteins auch aus jüdischen Zeitungen schöpfen würde, ihm folgende Lebensdaten Einsteins nicht entgangen wären (bei deren Darreichung wir hoffen, daß sich Herr Schw. an so frischem orientalischen Trunk nicht den bajuwarischen Magen verderbe): Einstein ist Zionist, bekennt sich zum jüdischen Volk, interessiert sich brennend für die jüdische Universität in Jerusalem, hofft selbst als jüdischer Forscher und Lehrer dereinst im Judenlande wirken zu können, ist jüngst öffentlich gegen amtliche und nichtamtliche Pogromhetzer für die Ostjuden eingetreten und äußerte kürzlich die klassischen Worte: „Heute bin ich in Deutschland der berühmte deutsche Gelehrte, unter anderen Umständen wäre ich der lästige schweizer Jude.“

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