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Das jüdische Echo · 1920-04-02 · 14 (2.4.1920) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
14 (2.4.1920)
Date
1920-04-02
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 14 2. April 1920 7. Jahrgang An unsere Leser! Die neuerdings gesteigerten Herstellungskosten zwingen uns, gleich) allen anderen Zeitungen und Zeitschriften, ab 1. April d. J. den AKonnementpreis für unser Blatt zu erhöhen. Er wird nunmehr Mk. 3.— im Quartal betragen exklusive Bestellgeld. Wer noch nicht abonniert oder sein Post- Abonnement noch nicht erneuert hat, hole dies sofort nach. Zur Begleichung rückständiger Abonnementsbeträge wolle man sich beiliegender Zahlkarte bedienen. Verlag u. Redaktion d. „Jüd. Echo“ München, Herzog Maxstraße 4 Kreisgang Wir, die wir unsere Geschichte nach einigen Jahrtausenden mehr berechnen als die umwohnenden Völker, deren törichter jungenhafter Hochmut uns in besseren Zeiten zu einer belustigten Rührung oder rührenden Belustigung verhilft, kennen in ihr das Phänomen des Kreisgangs: wir dürfen vermeinen gelegentlich identische Lagen. Stimmungen, Atmosphären su passieren: die Befreiung durch die französische Revolution ähnelt sehr der durch Kyros, die spanische Judenblüte hat ihre Vorform unter den Ptolemäern, die heutigen Hinschlachtungen in Ungarn, Polen und durch die Banden des Denekin — verfluchten Angedenkens — haben die ihre m den Kreuzzügen gefunden. Mordeten die blonden Edelvölker dereinst für den Juden Jesus, so morden sie heute für die kapitalistische Ausbeutung — und das ist schließlich ehrlicher gefühlt. Sie also haben sich nicht sehr verändert — und wir? Was ward aus uns? Vier Jahrtausende sind eine kurze Zeit. Während der Schöpferriese Moscheh mit Gott, mit sich, mit Pharao, mit dem Volke der Juden rang, aus zyklopischer Seele aufschreiend, mit den wilden Bildnerhänden in den Stoff der Nation greifend, um die harte Freiheit der Wüste und eines mit Mühsal zu erwerbenden Bodens zu erzwingen: dachten sich andere des Volkes eine List aus, um die goldenen Schüsseln der Ägypter in ihre Säcke zu zaubern: der Erew Raw, der ewige, schäbige, elende Mensch. Moscheh preßt sein Lebenlang die Schulter an den Felsen „Mensch“ und zwingt ihn unablässig stöhnend vor Angst und Verzweiflung den Berg des Seins empor — und der Erew Raw, der ewige schäbige elende Mensch geht gemächlich hinterdrein und profitiert. Moschehs Qual und Schöpferweh stellt die Westhälfte der Erde auf ein höheres Sein, aut eine durchsittlichte Lebensführung, auf ein edleres Bewußtsein von der Aufgabe des Menschen und von seinem Werte: und der Erew Raw profitiert. Tritt aber der Geist Moschehs gegen den Erew Raw auf, dringt wieder einmal eine Stimme auf den Menschen ein um der Versittlichung des Lebens willen — des wirtschaftlichen Lebens diesmal: so springt eine Welt von Lüge und Mord gegen den Geist an — die zu befreienden Menschen, die geknechteten, vom „Besitz“ entmenschten Menschen wehren sich wie Tolle gegen ihre Versittlichung und schlagen auf den Geist ein um seiner „Unsittlichkeit“ willen. Sie verteidigen — mit Flammenspeiern — die „Kultur“. Wahrhaftig, die Erde ist ein Tollhaus zu Zeiten. So gewiß wir Juden seit viertausend Jahren den Geist der Versittlichung des Lebens erzeugt haben, von Moscheh an, so gewiß von unserem Genius allein auf der Westhälfte der Erde dieses Martyrium getragen wird — so gewiß sehen die Völker in uns nur den Erew Raw, messen uns nur nach ihm, gehen mit Totschlag gegen ihn vor. Und erst einige Jahrhunderte hinterdrein erkennen sie, daß sie immer wieder den Geist Moschehs erschlagen haben, weil er, er, er immer wieder für den Erew Raw in die Bresche tritt. Denn das Edle wirft sich der Gefahr entgegen. Wir sind Moscheh — und der Erew Raw. Der jüdische Geist ist das Judenvolk. Wir sind eine Wesenheit — eine zweifaltige Einheit. Wir selber bekämpfen den Erew Raw in unserer Mitte mit den Waffen der Läuterung: der einzigen Waffe, die im Menschen wirklich wirkt; mit dem ganzen kochenden Zorne Moschehs. Die Völker aber mögen wissen, daß ihre Maschinenwaffe immer und immer nur uns treffen kann: dem Wesen nach. Denn der Erew Raw vermag sich unsichtbar zu machen: wir aber treten, der Jude tritt in die Bresche. Als sich vor viertausend Jahren das kleine Volk der Juden anschickte, Ägyptens hohe klassische Kultur zu verlassen und eine harte Heimat zu suchen um seiner nationalen Neugeburt willen, um seinen Genius auf eignem Boden frei keimen zu lassen: da brach in Wahrheit eine Neugeburt der Menschheit an auf der Westhälfte dieses kleihen Planeten. Heute bricht eine Neugeburt der Menschheit an auf der Westhälfte dieses kleinen Planeten: und das kleine Volk der Juden schickt sich wiederum an, eine hohe klassische Kultur zu verlassen Europas Kultur, um seinen Genius auf eignem Boden frei keimen zu lassen und eine harte Heimat zu suchen. Vielleicht sieht die Erde zu Zeiten nur aus wie ein Tollhaus? Und von ganz hoch oben sieht man sinnvolle Linien des Kreisgangs sie umziehen? Wir wollen Pessach feiern in dieser zweifaltigen Betrachtungart: das Frühlingsfest, das Fest des Erschlagenwerdens und der Neuge^ burt, der Bedrohung und Befreiung — das Judenfest der Elendsbrote und der immerleuchtenden Hoffnung. nabal.

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