Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 6 (6.2.1920)
- Date
- 1920-02-06
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo ———^—^—— Nummer 6 6. Februar 1920 7. Jahrgang Nationales Judentum Was ist das: Jude sein? Die Zahl der Antworten auf diese Frage ist Legion. Man wird das Judentum als Religionsgemeinschaft, als Kultur¬ oder Schicksalsverbundenheit bezeichnen, wird als seine Grundlage Bekenntnis zur Gesetzestreue fordern oder es lediglich als Ausdruck pietätvollen Beharrens werten wollen. Der eine wird sich als deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der andere als Deutscher jüdischer Rasse, ein dritter als Jude deutschnationaler Kultur, und schließlich einer als Weltbürger, nur als Weltbürger fühlen. Dem Judentum anscheinend schon Verlorene trumpfen auf, wenn der Antisemitismus die jüdische Gemeinschaft begeifert, und selbst Getaufte haben ihre Stunden, in denen sie mit melancholischem oder spöttischem Lächeln zugeben: „eigentlich bin ich ja selbst Jude ....“ Das nationale Judentum widerspricht keiner dieser Behauptungen. Es faßt sie alle zusammen, wertet sie und weist jeder ihren Platz an bei der Erklärung des Phänomens „Judentum“. Jawohl, wir deutschen Juden sind eine Religionsgemeinschaft, uns verbinden Kultur, Schicksal, Rasse, Gesetz und Pietät und es läßt sich weder bestreiten, daß wir deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens, noch daß wir Träger und Genießer deutscher Kultur sind. Und wer wollte bezweifeln, daß wir Juden nicht nur Angehörige der heutigen Staaten mit all ihren Unvollkommenheiten sein wollen, sondern seit unsere Propheten den Begriff der Menschheit erfaßten und aussprachen, auch Bürger einer — vielleicht — werdenden schöneren Welt der Brüderlichkeit? Wer auch dürfte das stete, alle Juden verknüpfende Verbundenheitsgefühl leugnen, das uns erst im jüdischen Kreise ganz heimisch werden läßt, das allen Juden auf Erden eignet, und das trotz Indifferenz und Kosmopolitismus kein Taufwasser fortwaschen, keine noch so feindliche Einstellung gänzlich vernichten kann? Das nationale Judentum weiß das alles, wertet das scheinbar Widersprechende als Tatsachen und bestreitet, wie gesagt, nichts davon. Aber es sucht und findet sowohl das Verbindende für diese Behauptungen, das Ursprüngliche, als auch das Lebendige, alles Bewegende, das uns zu Juden macht, uns als-Juden erhält und die jüdische Zukunft verbürgt. — Man hat oft ein wenig spöttisch von der Verwandtschaft aller Juden gesprochen, und wenn Cohn aus Kalisch und Levi aus Saargemünd einander treffen, so bemühen sie sich, meist nicht vergeblich um die Feststellung verwandtschaftlicher Beziehungen. Jawohl, wir sind ‘ einander verwandt, sind, im Laufe der ■ Jahrtausende hundertmal versippt und verschwägert, allesamt Brüder und Schwestern und als solche erkennbar. Es" erübrigt sich, festzustellen, daß es Unterschiede zwischen Juden und Christen gibt. „Dem jüdischen Äußeren, da*s auf rassenmäßiger Verschiedenheit beruht, entspricht auch ein jüdisches Innere.’ Diese inneren, seelischen Unterschiede beruhen zum Teil ebenfalls auf den Einflüssen der Vererbung und des Blutes, zum Teil auf den Wirkungen, die die jüdische Geschichte und Religion, das historische Bewußtsein, die besondere politisch-soziale Stellung auf das Geistesleben der Juden ausgeübt haben. Diese inneren Unterschiede zwischen Juden und Nichtjuden sind ebenso deutlich wahrzunehmen, wie die äußeren körperlichen Verschiedenheiten. Wie der jüdische Witz nur dem Juden ganz verständlich ist, weil er gewisse psychische Eigentümlichkeiten voraussetzt, so wirkt auf alle sozialen und politischen Anschauungen der Juden ihr jüdisches Wesen bestimmend ein. Alle geistig hervorragenden Juden beweisen dies. Heine und Börne, Lassalle und Marx sind trotz ihrer deutschen Erziehung in ihrem Denken und Empfinden nur aus jüdischer Art zu verstehen und werden von jedem so empfunden, der sich nicht einem Vorurteil zuliebe selbst betrügen will.“ Es ist eben nicht gleichgültig, daß alle Juden auf Erden dieselben Ahnen haben, daß die Helden der Bibel, die Erzväter und Propheten, die Richter und Könige ebenso Blut von unserem Blute sind, wie die Rabbiner und Händler des Mittelalters, die Gelehrten, Politiker, Anwälte, Kaufleute, Hausierer unserer Tage, mag ihre Wiege nun in Ost oder West gestanden haben. Freilich ist mit dieser Feststellung wenig gesagt. Man mag die gemeinsame Abstammung bejahen und die nationale Verbundenheit bestreiten. Blutsverwandt, freilich viel weniger eng als wir Juden sind z. B. auch Deutsche und Holländer. Jahrhundertelang gehörten die Niederlande zum deutschen Reich. Und heute — welche Kluft! — Auch wir unterscheiden zwischen Ost- und West- Der Deutsche Schutzbund für die Grenzü. Auslanddeutsehen München, Prinz-Regentcnstraße 18/III, erteilt bereitwilligst Auskunft an die Angehörigen derjenigen Gebiete, in welchen mm mm m mm über die Zugehörigkeit zum Deutschen Reiche stattfinden. Stimmberechtigte erhalten freie Eisenbahnfahrt. Auf jede Stimme kommt es an. Es ist Pflicht eines jeden, der aus den Abstimmungsgebieten stammt, sich sofort an die genannte Adresse zu wenden. 444414501