Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 2 (9.1.1920)
- Date
- 1920-01-09
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Nummer 2 9. Januar 1920 7. Jahrgang Positive Arbeit Die Jahreskonferenz der zionistischen Weltorganisation, die Mitte Januar in Basel stattfinden sollte, ist verschoben. Das werden weite jüdische Kreise mit Bedauern zur Kenntnis nehmen. Zionisten und Nichtzionisten erhofften von der dort geplanten Aussprache eine Klärung der großen Fragen politischer und wirtschaftlicher Art, die der Aufbau Palästinas einschließt. Die Gründe für die Verschiebung sind aber so einleuchtend und geben so großer Hoffnung Raum, daß sich schließlich ein Jeder mit ihnen zufrieden geben wird. Die zionistische Leitung, so lautet die diesbezügliche Erklärung des Aktionskomitees, ist augenblicklich in Paris und London unentbehrlich, da „die Verhandlung über den Friedensvertrag mit der Türkei unmittelbar bevorsteht und die zweite Hälfte des Januar aller Wahrscheinlichkeit nach für die definitive Festsetzung des Mandates über Palästina entscheidend sein dürfte“. Endlich also wird die verhängnisvolle Stagnation aufhören, die seit einem Jahre die jüdische Arbeit in Erez Israel beherrscht. Die neue Friedenskonferenz wird zweifellos das englische Mandat mit der von Großbritannien selbst erstrebten Auflage bringen, innerhalb der nach neueren Mitteilungen recht günstigen Grenzen Palästinas die nationale Heimstätte des jüdischen Volkes zu errichten. Damit würde wohl endlich die militärische Okkupation aufhören, die zum Schaden des Landes immer noch besteht und mit der Unterbindung des Bodenkaufes, der Freizügigkeit, der Einwanderung jede wirklich aufbauende Tätigkeit praktisch verhindert und die Erhaltung des Bestehenden erschwert. Damit würden übrigens auch endgültige und gesetzliche Zustände geschaffen werden, die an Stelle der jetzigen politischen Unsicherheit und der daraus entspringenden Betätigungsunlust des Kapitals und der Arbeit, Arbeitsfreudigkeit und planmäßige Verwendung der verfügbaren wirtschaftlichen Kräfte setzen würde. Dann erst werden die wilden nationalen Aspirationen offizieller und privater arabischer Kreise an der Macht der Tatsachen ein Ende finden, dann erst kann die dringend nötige Annäherung aller Bevölkerungsschichten des Landes aneinander erfolgen. Denn es ist zu hoffen, daß mit der Möglichkeit positiver Arbeit die arbeitsfähigen und schaffensfreudigen Elemente aller Nationalitäten und Religionen einsehen werden, daß jeder Arm und jeder Kopf nötig ist, soll Palästina der Blüte entgegen gehen, deren es zum Glück seiner Bewohner fähig ist. Daß man sich bereit hält, nach Beseitigung der übermächtigen Hemmnisse von außen sofort in eine aufbauende Tätigkeit größten Stils einzutreten, beweist ein Zirkular des Londoner Palästina-Amtes, das einen Bericht über den gegenwärtigen Stand der Palästina-Arbeit und die weiteren Pläne der zionistischen Leitung der jüdischen Öffentlichkeit unterbreitet. Man darf sich im allgemeinen mit der Tendenz des Rundschreibens einverstanden erklären, vor allem, wenn mit der Zeit diejenigen Teile desselben stärkere Beachtung und Bearbeitung finden würden, aus denen die Möglichkeit der Organisierung einer Massenimmigration hervorgeht. Vorläufig wird man gern zur Kenntnis nehmen, daß die Neuorganisierung der zionistischen Palästinakommission und ihre engere Verbindung mit dem Jischub beabsichtigt ist. Wir sind überzeugt, daß eine Ergänzung der Kommission durch eine frei gewählte Repräsentanz der jüdischen Bevölkerung auf die Dauer Früchte tragen wird und daß sich auch die Schwierigkeiten beseitigen lassen, die sich augenblicklich infolge der sozialen Gegensätze und der Uneinigkeit der Arbeiterschaft selbst einer gedeihlichen Tätigkeit entgegenstellen, Das wird umso eher möglich sein, als man die Förderung der zweifellos nötigen Privatinitiative ausdrücklich „von ihrer Einordnung in unsere national-kolonisatorischen Interessen, insbesondere hinsichtlich des Verhältnisses zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern abhängig macht und eine zielbewußte Boden- und Wohnungspolitik unter möglichster Bevorzugung des Jüdischen Nationalfonds zu treiben gedenkt. Es ist zu hoffen, daß es gelingen wird, ohne Schädigung der eingeborenen arbeitenden Bevölkerung neben' den von der Mandatarmacht den Juden zugewiesenen Ländereien, weiteren Grund und Boden unter möglichster Ausschaltung der Spekulation zu erwerben. Die gesetzliche Beschränkung des Großgrundbesitzes und jedes Grundeigentums, das den Boden brach liegen läßt oder nicht intensiv ausnutzt, die Bereitstellung ausreichender öffentlicher Kapitalien für den Landerwerb, die Begründung eines gesunden städtischen und ländlichen Kreditwesens sind geeignete Mittel dazu. — Mit Recht legt man übrigens besonderes Gewicht auf die Unterstützung und Überwachung der öffentlichen und privaten Bautätigkeit. Man darf es begrüßen, daß „die Hergabe städtischen Hypothekarkredits an die Einhaltung bestimmter Grundsätze hinsichtlich hygienischer und ästhetischer Bauweise zu knüpfen sein wird“. Dasselbe dürfte für den ländlichen Baubetrieb zutreffen und es ist nur zu hoffen, daß sich die Bautätigkeit von vornherein mit Umsicht, sozialem Verständnis und Geschmack diesen Forderungen anpassen wird. — Den verantwortlichen Stellen aber sei die Beachtung der „Deutschen Bodenreformbewegung“ und ihrer Literatur, ebenso wie die des „Werkbundes“ dringend empfohlen. Es kommt eben bei allem, was unternommen wird, immer wieder darauf an, solche Zustände zu schaffen, daß der jüdische Arbeiter Lust und Möglichkeit hat, seine besonderen und in vieler Hinsicht hohen Qualitäten voll auszunutzen. Neben soliden Land- und Wohnungsverhältnissen werden die Durchführung öffentlicher Arbeiten größten Stils, die Förderung des wirtschaftlichen Aufstiegs der Arbeiter durch Errichtung genossenschaftlich organisierter Arbeitergruppen und die Teilnahme der Arbeiter an der Leitung der zu schaffenden Institutionen und Betriebe zu