Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 51 (19.12.1919)
- Date
- 1919-12-19
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nummer 51 19. Dezember 1919 6. Jahrgang Aiic Hpm Inhalt* Chanukah von J. F. — Der Tod des Maximilian Spaeth von Dr. S. F. — Tatgemeinschalt von G. — Jüdische Lehrkurse in München von Alfred Berliner. Noch einmal der Israelit von G.— Zum Kampf um die Demokratisierung des jüd. Lebens in Deutschland. Aus der jüdischen Welt. — Literatur-Echo. — Chanukah-Gedichte. — Gemeinden-Echo usw- Lebensbedürfnis in unseren Tagen, da sich alles gegen das Judentum verschworen zu haben scheint, da die grimmigste Hetze blüht, ist für jedes jüdische Haus ein Blatt wie Das Jüdische Echo Ein jüdisches Blatt ist unsere beste Waffe in allen inneren und äußeren Kämpfen. Das Jüdische Echo kommt dieser Aufgabe in vorbildlicher Weise nach. Es unterrichtet über alle wichtigen Angelegenheiten, es klärt auf über die Bestrebungen in unseren Reihen sowohl wie über die der Gegner. Wir bitten daher alle unsere gelegentlichen Leser, das „Jüd. Echo“ nunmehr regelmäßig zu abonnieren. Für Württemberg wolle man ausdrücklich die Ausgabe B bestellen. Zu beziehen um M. 2.— vierteljährlich beim Verlag München, Herzog Maxstr. 4, oder direkt bei der Post. Chanukah Von J. F. Es mag viele Jahre her sein, als ich in fernen Landen in einer chassidischen Umgebung das „Moaus.zur jeschuosi“ von Dutzenden von Stimmen anzuhören das seltene Vergnügen hatte. Wohl nie vorher und nachher habe ich mit mehr Gefühl und Wärme dem Vortrag dieses wohl Jahrtausende alten Sanges gelauscht; so stolz und gewaltig wie die Melodie dieser Chanukah-Hymne i st, so wurde sie hier wiedergegeben. Ich fühlte mich hineinversetzt in die große Zeit der Hasmonäer, die die alte Fahne unseres Volkes entfaltet und die übergroße Zahl der Feinde niedergerungeoi haben. Wenn wir das Nationalfest feiern und das alte Lied anstimmen, so denken wir doch nicht nur an das Ölwunder im Tempel, sondern wir sehen die Lichter auch als Symbol, als einen Ersatz für die Freudenfeuer, welche meist auf den Bergen Judas brannten und das Zeichen der Niederlage unserer Feinde waren. Wir Westeuropäer, die wir den Antisemitismus wohl merken, aber nicht in der tragischen Weise wie unsere Brüder irn Osten fühlen, wie können uns so vom Herzen die Worte: „Bejogon kochi killo, Chajai meiraru bekuschi“ entströmen, wie unseren Volksgenossen, die täglich den Sinn dieser Worte an sich verspüren! In der Melodie, die so harmonisch mit dem Inhalt verschmilzt, fühlen wir so recht einerseits die Dankbarkeit gegen Gott für die Befreiung, andrerseits das stolze Bewußtsein, den Sieg über die tausendfache Überlegenheit des Feindes errungen zu haben. Wenn auch nicht so ganz, so ähnelt doch die heutige Lage der größten Teile des jüdischen Volkes in gewisser Weise der damaligen Zeit. Wir haben zwar keinen Tempel vom Unheiligen zu reinigen, wir haben unser Land nicht durch einen mörderischen Krieg zurückzuerobern; allein wir haben die Reinigung in unseren Reihen zu vollziehen, wir wollen unser Land, das Land, das unserem Stammvater schon als das Land seiner Kinder versprochen wurde, in friedlichem Geiste durch eigene Tatkraft uns zu erringen suchen. Noch ist der Friede in Judas Mitte nicht hergestellt, noch befehden sich Orthodoxe, Liberale und Zionisten, noch besteht eine Kluft zwischen Teilen von Ost- und Westjuden — allein die bittere Notwendigkeit wird über kurz oder lang die wünschenswerte Einigkeit bringen müssen. Die Not der Zeit, die einst das kleine jüdische Volk um Mathisjahu und Juda sich scharen ließ, muß auch heute die Brücke schlagen, die das Volk zusammenführt. Nur ein geeintes Volk vermag das imposante Werk zu schaffen, kann der Welt zeigen, was Gemeinsinn, was Schaffenskraft hervorzubringen vermag. „Die Epoche der Makkabäer war ein Aufwärts“, sagte ein bekannter zionistischer Führer, „eine Jugend, ein Aufschwung der Kraft über die irdischen Niederungen, mit dem Auge gegen die Sonne gerichtet. Das war das denkbar Kühnste und Beflügeltste in der jüdischen Geschichte und das bleibt für ewige Zeiten ein Vorbild für alle Wahrhaft - Selbstlosen, Glaubensvoll-Schwärmerischen, oder auch Irdisch-Tapfern, die unsere Scharen zum Siege führen können auf der Arena des Kampfes oder auf dem Arbeitsfelde des Friedens — die Makkabäer.“ Der Tod des Maximilian Spaeth Ein Münchener Kulturbild von 1919. Eine Schar junger Leute — deutsch, würdig und zeitgemäß nennen sie sich: „Frohe Garde“ — vergnügt sich abends mit Spiel, Musik und Tanz. Zwischen Konzert und heiteren Vorträgen lösen sie die Judenfrage — alleweil froh und fidel. Es wird abgestimmt über die Ausschließung der jüdischen Mitglieder. Die Abstimmenden sprechen sich mit Mehrheit dafür aus. Max Spaeth, ein jüdisches Mitglied, nicht irgend einer von den Frohgardisten, sondern Gründer, lange Zeit Ausschußmitglied, schließlich vermöge seiner Ver-