Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 50 (12.12.1919)
- Date
- 1919-12-12
- Page
- Seite 603 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 50 Das Jüdische Echo 603 ein und reckte die fleischigen Glieder. Er war eben massiert worden. Dann legte er mir derb die Hand mit den glitzernden Ringen auf die Schulter und quetschte mich so, als ob ich an dem eingefressenen Rheumatismus litte. Ich bin aber sonst kerngesund. Damals war ich nur verschnupft. Kunststück, wo man so lange mit dem Sammelbogen in ungeheiztenZimmernwarten mußte. — „Ich gebe gerne“, meinte er jovial, „ich gebe viel, auch für die Juden. Sie wissen ja, ich bin Jude. Ach natürlich wissen Sie es, sonst wären Sie nicht da. Aber dieses Judentum ist nur noch eine Organisation konstanter Schnorrerei. Man hört nichts, man sieht nichts außerdem. Nur diese aufdringliche Bettelei. Die Juden müßten sich das abgewöhnen. Außerdem machen die anderen das auch viel vornehmer. Z. B. kam da vor 3 Tagen der Polizeipräsident selbst und bat so en passant für das Schutzmannsheim. Hundert Em. Hier ist die Quittung. Sehen Sie, das ist eine vaterländische Aufgabe. Die Juden sollten mehr daran denken. Dann habe ich jetzt für die Herausgabe des Dichters Spielhuber mich verpflichtet. Ich bringe ihn total heraus. Früher waren nur so einzelne Fetzen gedruckt. Es soll fabelhaftes Zeug darin stehen. Ich habe Spielhuber nicht gekannt, der Mann starb, wie ich 3 Jahre alt war. Lesen Sie ihn einmal. Bilden Sie sich, mein Lieber! Da nützen Sie Ihre Zeit besser, als wenn Sie sich die Stiefelsohlen durchlaufen. Ich bin für die Wissenschaft . . .“ Ein unangenehmer Geschmack kam mir in den Mund. Ich hätte fast aus . . . Aber so etwas schreibt sich nicht gut. Aber so ganz ungeschoren wollte ich ihn doch nicht davon kommen lassen. Also ich blamiere ihn ein bischen. Rache schmeckt süß. Ich zirpte: — „Herr Kommerzienrat stehen ja auf der Liste der christlichen Mission mit einem namhaften Betrag.“ — „Richtig junger.Freund. Haben Sie was dagegen? Es ist eigentlich meine Privatsache. Aber ich dulde Kritik. Ich bin liberal. Gut. Was ists damit? ' Soll ich nicht dafür geben? Warum? Sie sind wohl ein Feind der Christen? Toleranz, Nächstenliebe, Religion — hören Sie! Besser noch die christliche Religion als gar keine. Sehen Sie z. B. die Großstadtjugend von heute. Als ich jung war . . . .“ Ich versuchte zu opponieren. Seine Leutseligkeit war endlos. — „Aber ich will Ihnen helfen. Sehen Sie, wenn Sie schon sammeln, warum gehen Sie nicht zu Herrn Mandelblüth, der ist doch Millionär.“ — „Aber wenn der doch aus der Gemeinde ausgetreten ist!“ — „Na, und wie ist’s mit Rothsteins Söhne?“ — „Die haben Christinnen geheiratet.“ — „Vielleicht mein Hausarzt Dr. Cohn?“ — „Der ist Sozialist und gibt nur seiner Partei.“ — „Was Sie sagen! Ich habe Ihnen schon gesagt: Das jüdische Sammeln ist nicht fein. Man hat nichts davon. Sammeln Sie, wenn Sie schon sammeln wollen, für was Bekannteres. Sie können dann bestimmt auf mich rechnen.“ Ich war aufgestanden, nahm meine Aktenmappe und machte vor dem Fleischklumpen, aus dem einige blinzelnde Augen wie chinesische Mäuse tanzend hervorschossen, eine knappe Verbeugung. — „Sie kennen nun meine Prinzipien. Im Übrigen. Ach was. Hier haben Sie eine Mark. Sie gefallen mir. Ihnen zu liebe tue ich es. Eine Quittung? Ist nicht nötig. In die Zeitung? Hören Sie, die Unkosten sparen Sie sich. Na adjes. Hat mich gefreut. Habe gerne getan. Man ist doch auch Jude und hat sein jüdisches Herz.“ Draußen war ein Herbstwetter. Es regnete in Strömen ..... Felix Ä. Theilhaber. (jemandenu.Vereins-tscito Schweinfurt. Nachdem in Schweinfurt bisher nur von assimilatorisch zentralvereinlicher Seite über den Zionismus „Aufklärung“ geschaffen wurde, brachte uns der Vortrag des Herrn Reallehrers Dr. Tachauer aus Würzburg im Jugendverein am 24. November a. c. zum ersten Male ein klares Bild über den Willen und die Ziele des Zionismus. — In der Diskussion sprachen zwei hiesige Rechtsanwälte im Sinne des Zentralvereins. Herr Dr. Tachauer antwortete in sehr feiner wirkungsvoller Weise. — Der Vortrag hat den Erfolg ausgelöst, daß die hiesigen wenigen Gesinnungsgenossen sich zusammengeschlossen haben und der Bewegung auch einige neue Mitglieder zugeführt wurden. Fl. Spendenausweis Münchener Spendenausweis. Hedw. Friedmann s. A. - Garten, Nbg. Theodor Friedmann anläßlich der Beendigung der Schloschim 10.—. Erich Wolfenstein s. G.-Garten. V. J. St. Jordania auf den Namen ihres lieb. Bundesbruders Erich Wolfenstein 7 B. 70.—. Geschäfts-Ee^o Börsenbericht vom 2. bis 9. Dezember. Das Interesse wandte sich nach wie vor den Auslands- und Valutawerten zu, während der übrige Markt sehr unregelmäßig war und gegen Ende der Woche Neigung nach unten zeigte, welche jedoch auf einzelnen Gebieten in leichte Erholung umschlug. Von Werten mit Auslandsinteresse erzielten Deutsch-Übersee bedeutende Kurssteigerungen, ferner Schantung-Bahn. die nur einer vorübergehenden Schwäche auf das Dementi einer öinberufenen außerordentlichen Generalversammlung unterlagen. Otavi-Anteile und Genußscheine, Neu-Guinea, Kolonial-Anteile. Otavi und South-West gingen in starke Steigerung. Auch Angelo-Guano schlossen sich der Aufwärtsbewegung hn. Für Petroleumwerte war ebenfalls gute Meinung. Der deutsche Markt litt unter Angstverkäufen auf Grund der unsicheren politischen Lage und verstimmenden Kapitalserhöhungsvorschlägen. Hier gingen Stolberg-Zink auf 200 herunter, Phönix, auch Deutsch-Luxemburger waren gedrückt, während sich für Mix-Genest und Accumulatoren Interesse zeigte, die ihren Kursstand nahmhaft erhöhen konnten. Für Automobilwerte war gute Meinung, insbesondere für Benz, auf Gerüchte eines engeren Zusammenschlusses dieser Branche. Lebhaft und mit höheren Kursen wurden Bosnier-, Bulgaren-. Mexikaner- und Rumänen-Noten gehandelt, auch Westsizilianer und Mittelmeer lagen fest Lombarden leicht schwankend mit fester Grundstimmung. Vor Berichtschluß machte sich auf die Veröffentlichung der Ententenote und Pariser pessimistischen Auffassungen derselben eine beginnende leichte Erholung bemerkbar. Steigend waren Elberfelder- Farben, Hirsch-Kupfer. Goldschmidt Hösch, A.E.G. und Gesellschaft für elektrische Unternehmen. Der Anleihemarkt war wenig gesucht. Die Kurse hielten sich ungefähr auf gleichem Stand. Mitgeteilt von Leo Otto Hampp. Bankgeschäft. München. Kaufingerstraße 11/1.