Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 49 (5.12.1919)
- Date
- 1919-12-05
- Page
- Seite 591 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 48 Das Jüdische Echo 591 stattung und äußerer Erscheinung ganz den „Drei Reden“ anschließt, ist jetzt diese siebte und letzte Ansprache aus einer Reihe erschienen, die vom Jahre 1909 bis 1918 führt. Wir sehen klar den Aufstieg, wie zuerst noch die Frage nach dem Wesentlichen eines Judentums gestellt wird, d!as wir lebend in uns empfinden; wie dann die Bedeutung einer jüdischen Besonderheit im Völkerdasein erwiesen wird; die Erneuerung jüdischen Lebens im Geiste und in der Wahrheit ist die nächste Stufe der Erkenntnis; auf dieser grundlegenden Klärung baut sich bewußter das Ziel auf: die Geistestendenz des Judentums, innerlich fremd und doch in wesentlichen Bestandteilen eingefügt dem Zweckgetriebe Europas, soll in ihrer einzigen Reinheit erkannt und verwirklicht werden. Die Tat, nach der der jüdische Geist ringt, tritt an jeden Einzelnen unter uns heran: die Entscheidung des Wählenden wird zur Forderung gemeinhin. So errichtet B u b e r ein geistiges Gebäude, das er durch Vertiefung des religiösen Antriebs, dem der uralte Mythos unseres Volkes als elementarer Ausdruck in den Zeiten der Verinnerlichung nie gemangelt hat, im Seelischen verankert. Gekrönt wird dieser Bau nun durch die als Abschluß gedachte jüngste Rede:, Der heilige Weg. Das werktätige Leben in der Gemeinschaft, wie es im ältesten Schrifttum, durch die Propheten, im Kreise der Essäer. in der uriüdischen Auffassung der ersten Christen als einzige Grundlage der menschlichen Gesellschaft, als Mitarbeit am Aufbau der „Kommenden Welt“ gelehrt, als wahrhafte Versöhnung Gottes mit der irrenden Schehina letztes Ziel kabbalistischen Bemühens und lebendige Verkörperung chassidischen Empfindens wurde, ist der Weg, den auch Buber in formvollendeter Sprache, in eindrucksvollster Gestaltung dem Geschlechte weist, das wieder einmal an eine Wende der Zeiten gestellt ist. Der tiefste Gehalt des Zionismus, die H o f f n u n g auf Erlösung nicht nur aus der Verstrickung, sondern mehr noch auf den neuen Aufbau, die all-menschliche Zukunftsbedeutung unseres Werkes spricht sich in diesen schöpferischen Gedanken aus. Altes Kulturgut soll erneuert werden; im erneuerten Volke auf seiner erneuerten Urheimat wird es wieder erstehen, wird es — zum ersten Male in der Geschichte — seine Verwirklichung erleben. Wieder ertönt die Stimme eines Rufenden: „In der Wüste bereitet dem Herrn den Weg....“ Bereit sein, heißt: bereiten. Hat Buber so in einem Sonderfalle. dem Sonderfalle für unser eigenstes, jüdisches Leben, den Weg gewiesen, durch den der Gärstoff unserer Tage seine dauernde wertvolle Wirkung auf das Menschliche in und um uns ausüben kann, ist eines anderen Ausflusses dieser Auffassung nicht weniger zu gedenken. Jn der von ihm herausgegebenen Schriftenreihe „WORTE AN DIE ZEIT“. Dreiländerverlag. München. Wien, Zürich 1919) beschäftigt er sich im zweiten Heft mit der Frage: Gemeinschaft. Als allgemeine Erscheinung setzt er sich mit der Gegenüberstellung des alles umfassenden, jeden Einzelnen mechanisiernden Staatsbegriffes (der gerade durch die tötende Wirkung des ..Sozialismus“ so ungeheuerlich zu werden droht!) und der noch, im Willen Weniger, im Triebe Vieler wohnenden Sehnsucht nach der Gemeinschaft auseinander. Der Aufbau durch die lebendige Beziehung des Einzelnen zu einem engeren Kreis (der innerlich gebunden ist durch gemeinsamen Bodenbesitz, gemeinsame Arbeit, gemeinsame Sitte und gemeinsamen Glauben) und der Kreise wieder zu größeren Verbänden Wird dargetan. Dieses Werden sieht Buber gewährleistet in der innerlichen. unser Zeitalter in seiner tiefsten No* durchziehenden Unruhe, die er als Geist der Wende, als wahrhaftes Gottwollen erkennt. Zur Selbstbesinnung ruft uns Buber auf. Wir können, wir müssen antworten durch die Tat. München. Theo Harburger. Gemeindenu. Vereins-Echo Aus der KuJtusgemeinde München. In der Verwaltungsausschußsitzung vom 27. November hielt zunächst Herr Vorstand Nußbaum einen ehrenden Nachruf auf den verstorbenen Gemeindesekrstär Herrn Moritz G u g g e n h e i m. — Aus dem Einlauf wird bekanntgegeben ein Antrag Kommerzienrat Fränkel auf Anstellung eines juristisch gebildeten Gemeindesekretärs. — Die Verwaltung beschäftigte sich sodann in geheimer Sitzung mit Person a I f r a g e n. .— Es wurden sodann eine Anzahl Jahrzeits - und Gräberstiftungen, sowie eine Zuwendung zur Ritter-Stiftung genehmigt. — In der Speiseanstalt macht die Erhöhung der Lebensmittelpreise eine Heraufsetzung der Kostpreise nötig. Damit die Anstalt auch weiter ihren Aufgaben der Versorgung Unbemittelter genügen kann, wurde angeregt, Gönner der Anstalt zu Beiträgen und Stiftungen zu veranlassen. Austritte aus dem Judentum. In München sind in jüngster Zeit aus dem Judentum ausgetreten: Eugen Mai, Rentner und Ehefrau Julie, geb. Weil, Rheinstr. 18; Max Fried, Diplomingenieur und Ehefrau Lilli, geb. Schwarzschild, nebst Kind, Färbergraben 4; Gustav Eugen Blum, Oberamtsrichter a. D.. nebst Sohn stud. phil. Wilh. Blum und 2 jüngeren Kindern, Elisabethstraße 13; Frau Klara Baumann, geb. Lion. Leopoldstraße 133; Fräulein Dorothea Popper, Zentnerstraße 32; Dr. ing. Ernst Jacob Löwenstein, Thierschstraße 3. Sozialdemokratie gegen Reaktion und Antisemitismus. Am 26. November veranstaltete die Münchener sozialdemokratische Partei im Münchener Kindlkeller eine Versammlung, die zur Abwehr der Reaktion einberufen war und durch eine überwältigende Besucherzahl wirkte. Der Referent, Herr Landtagsabgeordneter Ackermann, kennzeichnete in trefflichen Ausführungen das Treiben der reaktionären Kreise und fand sowohl in seinem Referat, als auch im Schlußwort scharfe Worte gegen die antisemitische Hetze. Auch von einigen Diskussionsrednern wurde diese scharf gegeißelt, sodaß man in der Versammlung den Eindruck gewinnen konnte, daß in sozialdemokratischen Arbeiterkreisen der Antisemitismus einen schlechten Nährboden findet. Trotzdem konnte man sich des weiteren Eindruckes nicht erwehren, daß sich die Juden im Kampfe gegen den Antisemitismus nicht auf die Tätigkeit einzelner politischer Parteien verlassen dürfen, sondern daß es notwendig ist, diesen Kampf selbst zu führen und mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu unterstützen. Gesamtausschuß der Ostjuden. Der neugewählte Gesamtausschuß hielt Montag den 1. ds. Ms. eine Versammlung ab, in der das neuaufgestellte Tätigkeitsprogramm besprochen wurde. Der Vorsitzende Herr Jakob Reich wies auf die bisherigen Leistungen hin, zog die jetzige politische Lage der ostjüdischen Gemeinschaft in den Kreis seiner Erörterungen und gab Richtlinien an, um stärkere