Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 45 (7.11.1919)
- Date
- 1919-11-07
- Page
- Seite 546 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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546 Das Jüdische Echo Nr. 45 Stirn. Seine Seele war aber so stark in den Werken der Liebe, so ganz unirdisch und dem Hohen und Heiligen zugewandt, daß der Tod keine Macht über ihn hatte und den stillen Glanz seiner Augen nicht ertragen konnte.... Eines Tages nun hatten sie einen Jüngling zu Grabe getragen von des Rabbis Lieblingsschülern, einen jungen, sonnigen Menschen, von tiefer Frömmigkeit, der den Meister begleitet hatte auf all seinen Wegen. Der Rabbi konnte den Verlust kaum verwinden; wie er auch den Schmerz bekämpfte, der seine ruhige Heiterkeit trübte, sein Herz blieb traurig seit jenem Tage. Und da er so gar sehnsüchtig war, stand er um Mitternacht auf und schritt zum Beth Chajim, dem Friedhof, um am Grabe des Schülers zu weinen. Schon steckte er den Schlüssel in das verrostete Schloß, eben wollte er öffnen — da sprang das Pförtchen von selbst auf und im kalten Glas des Mondes stand eine hohe, bleiche Gestalt in grauem Gewände, ein Pergament in der Rechten. Da war es dem Rabbi, als wollte er versinken in unendlicher Sehnsucht, da schien es ihm, als streckte der tote Freund ihm die Hände entgegen — doch schon dachte er der Vielen, für die er lebte und denen er die letzte Stütze war, und sein Herz wurde stark, daß er dem Bleichen unverzagt ins Auge blickte. — Der aber hob die Rechte gegen ihn, geheimnisvoll leuchtete die Rolle in seiner Hand, da griff der Rabbi zu und entriß dem Entsetzlichen das Pergament. Und während die graue Gestalt im Nebel zerfloß, erschollen schwer und dunkel die Worte: Diesmal entgingst Du mir; hüte Dich, hüte Dich vor dem nächsten Begegnen. Nachdenklich kehrte der Rabbi vom Friedhof zurück. Im Kreise seiner Jünger öffnete er die Rolle; da stand sein Name aufgezeichnet auf dem Gelb des Pergamentes in dunkelleuchtender Schrift. Schweigend schauten die Schüler auf den Meister, der aber erhob seine Stimme und pries den Herrn und sang und betete bis zum Morgen. An diesem Tage erlosch die Seuche in der Stadt. Jahre und Jahre vergingen; der Rabbi wurde alt und weiß; aber seine Seele blühte in seiner ewigen, heiligen Jugend, und die Geheimnisse des Himmels und der Erde waren offen vor der Schärfe seines Geistes. Aber durch all die Zeit spürte er den Tod in sich, er hörte das Rauschen dunkler Fittiche und lauschte in schwarzen Nächten dem Ticken des Totenwurms in den alten Truhen. Er jedoch blieb heiter und ruhig all seine Zeit, und war nur ein Wille in ihm, Gott zu dienen und zu versinken in der ewigen Allmacht Da vermochte der Würger nichts wider ihn. Einmal aber feierte der Rabbi ein Fest im Kreise seiner Jünger uncL inmitten allen Volkes, das ihn bewunderte und verehrte. Der Himmel war blau und hell, im Garten schlugen die Vögel, es blühten die Blumen, weiße Schwäne zogen auf den silbernen Wellen des Sees. Da dachte der Greis der Tage seiner Jugend und daß er allein übrig war von all denen, die ihm einst lieb gewesen waren. Und wieder war ein stilles Sehnen in ihm, wie in jener Nacht an der düsteren Pforte des Beth Chajim und müder Schmerz, der die ruhige Heiterkeit verzehrte, die seine Kraft war und der Trost der Welt. Da zog es ihn fort aus der Schar der Fröhlichen zu dem stillen Friedhof, wo alles ruhte, was einst sein Glück gewesen war. Es war dieselbe Stunde wie damals, da er in Not und Schmerz denselben Weg gegangen, wieder steckte er den Schlüssel in das verrostete Schloß, da sprang das Pförtchen von selbst auf, und im kalten Glast des Mondes stand eine hohe, bleiche Gestalt, eine dunkle, duftende Rose in der Rechten. Da übermannte die Sehnsucht des Rabbi Herz, und er schritt auf den Schweigsamen zu und meinte ihn zu erkennen: war’s nicht der Freund, den er einst verlor, das Glück seiner Jugend? Am Morgen fanden die Jünger den Meister hingestreckt an der offenen Pforte des Friedhofs, seine Hand umklammerte eine üppige Rose; der Greis hatte sein Antlitz tief hineingepreßt in den leuchtenden Kelch. Karl Glaser. Gemeindenu.Vereins-iche Aus der Münchener Kultusgemeinde. Am 29. Oktober trat der verstärkte Verwaltungsausschuß für die Revision des Gemeindestatuts erstmals zusammen. Es wurde auf Antrag der Vorstandschaft ein Unterausschuß vön neun Personen gebildet, der die Statutenrevision vorbereiten soll. Für jedes Mitglied wurde entsprechend einem Antrag von Kommerzienrat Fränkel ein Ersatzmitglied gewählt. Die Arbeiten sollen bald in Angriff genommen und raschestens gefördert werden. Dr. Straus beantragte, die Arbeiten des Ausschusses zunächst auf die Fragen: „Mitgliedschaft“, „Wahlberechtigung“, Wählbarkeit“ und „Wahlverfahren“ zu beschränken. Der Antrag fand keine genügende Unterstützung. Der Antragsteller behielt sich vor, den Antrag in dem Unterausschuß neu zu zu stellen. Nach Schluß der Sitzung konstituierte sich der Unterausschuß und wählte Herrn J. R. HJie biötjcr im HJeltfrieg nimmt die Hlönrfjncr fugend muh (tim BJieikcauf&au $cieÖen$ Üjre ausgeprägte Stellung unter den deutfdjen iilujtrierten ^titfrfjriften ein. 4fie iß narf> mit hör die Efe&Ungöfeftüre täte* Jeflett/ der erojt und öorurteiislos den 5eit* gefft berfolgt Bejugdorefs öierteijd^riidy 10.— (&udjfynndei oder floß) Unmittelbar üom Oering in Hollen öerpadt mit Porto, in Oeutßhiand «tf. 12.50 im Ausland Ulf. 13.— ptofteftände 4 Hummern enthaltend Hlf. f.fo «njeine Hummern Hl!. 1.— Öeclag fl«: ugenö' flUuntfjen, Eejjingjtr. 1