Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 37 (12.9.1919)
- Date
- 1919-09-12
- Page
- Seite 445 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 37 Das Jüdische Echo 445 schwört, so wahr wie er alles Gute sehen möge, daß er eine lange, lange Röhre gesehen habe, aus der schwarzer Rauch hervorbrach . . . Abramtschik erzählt, er habe mit eignen Augen eine Maschine gesehen, die ohne Hände näht. Abramtschik erzählt, er habe einen Wagen gesehen, der sich ohne Pferde bewegt . . . und jedesmal schwört er, wie seine Mutter: „So wahr er alles Gute sehen möge . . Mosejtschik und1 Dworka lauschen, seufzen und beneiden Abramtschik. Alles weiß er. alles! . . . Abramtschik weiß zum Beispiel, daß irgendwo ein Baum wächst. Zwar hat er ebensowenig wie sie alle jemals gesehen wie ein Baum ausschaut. In ihrer Straße gibt es keine Bäume. Aber er weiß — er hat es in der Schule gehört —, daß von dem Baum Früchte kommen, deshalb müsse man. wenn man Früchte ißt, die Lobpreisung sagen: „dem Schöpfer der Baumfrüchte!“ Abramtschik weiß — was er nicht alles weiß —! — daß Kartoffeln. Gurken, Zwiebeln und Knoblauch in der Erde wachsen — deshalb preist man. wenn man sie ißt, den „Schöpfer der Erdfrüchte!“ Alles weiß Abramtschick. Er weiß nur nicht, wo und wie ein Baum wächst. Er hat es nie gesehen, denn in ihrer Straße gibt es weder ein Feld, noch einen Garten, weder Wiesen, noch Gras! In ihrer Straße gibt es riesige Häuser, graue Wände und hohe Röhren, aus denen sich Rauch herauswälzt; in dem Hause gibt es eine Menge Fenster, tausende und tausende; es gibt Maschinen, die ohne Hände nähen; es gibt Wagen, die sich ohne Pferde bewegen. — o, nicht oft genug kann er das alles erzählen, aber — sonst gibt es nichts, gar nichts! Selbst ein Vögelchen kann man hier selten sehen. Nur zufällig verirrt sich hie und da ein Spatz hierher, grau wie die graue Wand, pickt ein oder zweimal an einem grauen Stein und fliegt davon ... Von größeren Vögeln bekommen sie manchmal am Sonnabend ein viertel Huhn mit einem mageren, ausgestreckten Beinchen zu sehen. „Wieviele Füße hat das Huhn?“ „Vier wie das Pferd!“ behauptet Abramtschik. und Abramtschik weiß doch alles. Zuweilen bringt die Mutter vom Markt ein Hühnerköpfchen mit vorstehenden, von einer dünnen, weißen Haut überzogenen Augen. „Es ist tot,“ sagt der älteste Abramtschik, und alle drei Köpfchen schauen einander mit ihren großen schwarzen Augen an und seufzen. (Schluß folgt.) Gemeindenu. Vereins-Echo Hapoel Hazair München. Montag, den 15. Sept. abends 8.30 Uhr pünktlich Referat-Abend. Referent Herr Rosenblüth als Gast über „Geschichte und Wesen des Sozialismus“ in den Räumen des K.J.V., Bayerstr. 67/69. Gesinnungsgenossen und Freunde des Hapoel Hazair als Gäste willkommen. Für die Mitglieder des Hapoel Hazair findet am Montag, den 15. Sept. pünktlich 8 Uhr in den Räumen des K.J.V. eine wichtige geschäftliche Sitzung statt. Das Erscheinen aller Mitglieder ist dringend erforderlich. Bar Kochba München. Den w. Familien, die in hochherziger Weise die Einquartierung unserer Gäste übernommen haben, sagen wir hierdurch unseren herzlichen Dank. Allen Spendern und Stiftern von Ehrenpreisen ebenfalls unseren innigsten Dank! Die Vorstundscahft. Glückwunsch-Ablösungen zu Rosch-Haschanah 5680. Das diesmalige Roschhaschanahfest trifft das jüdische Volk in einem der bedeutendsten Augenblicke seiner Geschichte. Durch die Erklärungen der Friedenskonferenz ist die freie jüdische Entwicklung in Palästina garantiert worden. Es erwächst daher dem Judentum der ganzen Welt die große und dringende Aufgabe, die Besiedlung Palästinas durch jüdische Ansiedler, besonders durch unsere östlichen Stammesbrüder, mit allen Mitteln zu unterstützen. Die seit einer Reihe von Jahren allgemein eingeführten Glückwunsch-Ablösungen geben nun allen Juden eine schöne Gelegenheit zu tatkräftiger Hilfe. Wem die Entwicklung der jüdischen Kolonisation Palästinas und damit die Befreiung vieler Tausende seiner Brüder aus drückender Not am Herzen liegt, der wird jene Ablösungen dem Jüdischen Nationalfonds zuführen. Der Nationalfonds, der Hauptfaktor der Palästina-Kolonisation, hat den Zweck. Grund und Boden in Palästina zu erwerben und ihn jüdischen Kolonisten in Erbpacht zu übergeben. Nur wenn es ihm gelingt, den mittellosen Ansiedlern genügend Boden in der Form von Erbpacht zur Verfügung zu stellen, wird die Jahrtausende alte Sehnsucht unseres Volkes nach Palästina erfüllt werden. Der Jüdische Nationalfonds, der bereits vor dem Kriege in Palästina eine Reihe blühender Kolonien und Arbeitersiedlungen geschaffen hatte, bedarf aber zur Lösung einer so gewaltigen Aufgabe nochi a ußer dir deiitli eher Mittel. Diese Mittel wird er nur aufbringen können, wenn jeder einzelne Jude sich mit allen seinen finanziellen Kräften an dem Werke der Erneuerung beteiligt. Jeder nehme daher den Jahreswechsel zum Anlaß, um das Geld, das sonst für private Glückwunschsendungen verausgabt wurde, diesmal dem Landerwerb für Palästina zuzuwenden. Zahlungen sind zu richten: für München an Frl. Elisatbeth Mahler. Baaderstraße 53 (Postscheckkonto 10 121), für Nürnberg an Salomon Heinemann, Nürnberg (Postschekkonto 8623). I STATT KARTEN MARTHA FEUCHTWANGER HANS OPPENHEIM VERLOBTE 1 MÜNCHEN BERLIN-LICHTERFELDE J Galeriestr. 1511 Sternstr. 19 |l ir 9 | Zahnarzt ALEXANDER SINGER j | Zahnärztin AENNE SINGER | | geh. GOTTSCHALK | | VERMÄHLTE | I NÜRNBERG Ä „ I Sandstrasse 1 9. September 1919 5 liiiiiiiiiiHiiimimiiiuiiiiimiiiiiumiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiitniiiiiiiinmiiniiiiiiii 18745922915288296821428