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Das jüdische Echo · 1919-09-12 · 37 (12.9.1919) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
37 (12.9.1919)
Date
1919-09-12
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten lllllllinillllll!l!ll!IUI!llllll!tll!ll!llllll!IIIIINI]l!llll!llilllll!lll!llllllllimi!IIINIIIIIII!lllll!llllllllllllllllllllllllllimiimmmilimil iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiimiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiu Nummer 37 München / 6. Jahrgang 12. September 1919 Jüdische Deandln. Über dieses Thema und einige andere damit zusammenhängende Dinge äußert sich der nachstehende, an die Redaktion des „J. E.“ gerichtete Brief eines nichtjüdischen Schreibers. Ohne uns mit allem einverstanden erklären zu können, was der Brief enthält, halten tvir ihn doch für wert, unseren Lesern zur Kenntnis gebracht zu werden, mindestens sollte er jeden veranlassen, etwas nachzudenken. Dies geschieht leider noch1 viel zu wenig, besonders von seiten derer, die es am meisten anginge. Einiges, was uns selbst am Herzen liegt, fügen wir am Schlüsse bei. Wiessee, den 25. VIII. 1919. Sehr geehrter Herr Redakteur! Es wundert mich, daß das „J. E.“, das den Untertitel- „Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten“ trägt, einer spezifisch bayerischen Judenfrage noch keine Aufmerksamkeit gewidmet hat. nämlich deT Frage des „jüdischen Deandls“, womit ichi etwas Allgemeineres nur drastisch bezeichnen will. Wenn heute zwei nichtjüdische Leute in Tegernsee oder Umgebung ins Gespräch kommen, so stellt diese Frage unfehlbar dessen Hauptgegenstand dar. Es hat sich dortselbst eine Art stillschweigender Bund aller Nichtjuden gegen eine vermeintliche oder wirkliche jüdische Okkupation gebildet. Ich sitze z. B. am Strand von Abwinkl. Ein mir Unbekannter nähert sich, begrüßt mich als Angehörigen des Bundes: „Sie haben es wohl auch in Tegernsee und Egern, diesen jüdischen Orten, nicht ausgehalten . . . .“ Und nun hebt ein unerschöpfliches Klagen an über die Überheblichkeit und Vordringlichkeit dieser Juden: „Wenn doch die ganze Gesellschaft — —“. Es folgen temperamentvolle und, wie ich zugebe, nicht sehr christlich gemeinte Wünsche.-Oder ich sitze auf einer gelegentlichen Fahrt nachl München in der Eisenbahn; mein Gegenüber spricht mich an: „Also, Sie haben nun wohl auch genug gehabt von Palästina . . .“ — Auf einer 1200 Meter hohen entlegenen Alm im Roßsteingebiet. zu der Juden sicher nur selten heraufkommen, gibt mir der alte biedere Senner nach langem Bitten ein bißchen Brot und Butter: „I deaf koan Butter net hergebn, Wissens, d’Juden dreant dö dean alles zamm kaufn. . .“ Das sind nur Stichproben. Das Echo des allgemeinen Geschimpfes ist laut genug, um auch bis München zu dringen, und es sollten nicht nur die darauf hören, die übelwollende „Beobachter“ aller jüdischen Vorkommnisse sind. Ich bin kein Antisemit, aber ich bekenne, diesen Sommer ist es mir oft schwer gefallen, es nicht zu sein und ich habe Augenblicke, Stunden, ja ganze Tage, wo ich erbitterten Groll gegen alles Jüdische hege. Nehmen Sie einiges von dem. was allen jenen Gefühlen und Äußerungen an Tatsächlichem zugrunde liegt! Du kommst ins Schwimmbad: alle Kabinen besetzt, zum größten Teil von Juden; sie gönnen sich sehr lange Zeit, so daß du inzwischen Muße hast zu beobachten. Alle scheinen sich zu kennen, reden laut miteinander. Rufe gehen hin und her, von Kabine zu Kabine, vom See draußen ins Bad. oder vom Bad zu den Booten draußen, worin andere Angehörige, bekleidet oder unbekleidet gondeln. Das ganze ist wie eine Familienveranstaltung, die übrige Menschheit kommt sich vor wie nur geduldet. — Dann in den Hotels: Die besten Zimmer besetzt von Juden. — Nachmittags in den Cafes am Strand: jüdische Buam und jüdische Deandln, alte und junge, besetzen die schönsten Tische, essen große Mengen der teuersten Torten zu Eis, Mocca und Schokolade: wer nicht hinsieht, der h ö r t sie doch, ob er will oder nicht. — Jeder Mensch hat ein Recht auf seine Physiognomie, auf seine Stimme und seine Sprache. Es geht niemanden etwas an, ob jemand Plattfüße hat oder wogende Hüften und ob er sich ländlich kleidet oder städtisch. Aber anständige Menschen haben meines Erachtens die Pflicht, von allen diesen Rechten derartigen Gebrauch zu machen, daß möglichst jeder Anstoß bei ästhetisch veranlagten Menschen vermieden wird. Und wenn schon nicht diese Anstandspflicht anerkannt wird, so würden die Juden doch wohl klug handeln, möglichst -wenig Anstoß zu erregen, denn aus allzu viel Anstoß entstehen leicht Gedanken an Beschränkung, sogar Entziehung der Menschen- und Bürgerrechte, an Ausschließungen, Zuzugsbeschiränkungen, Ausweisungen usw. Eines schickt sich nicht für alle. Was soll man bei aller Sympathie für das Judentum, was soll selbst ein anständiger Jude sagen zu einem solchen Bild: Ein Deandl, hochgetürmte schwarze Frisur. Perlen im Ohr, Brillanten an den Fingern, seidene Strümpfe, das seidene Gewand mit Pelz oder echten Spitzen besetzt, spitzenbesetzter Unterrock, hohe Stöckelschuhe, und dazu oft ein Alter, eine Figur, ein Gang, eine Sprache, kurz ein Gehaben, dessen Deandlwidrigkeit geradezu in die Augen sticht. Richtig: das Deandlgewand ist praktisch, man fühlt sich darin wohler, besonders bei Wanderungen. als im städtischen Gewand, es ist leichter zu waschen; aber gilt dies alles noch für jene „Deandln“ mit kunstvoller Frisur. Pelzbesatz und Stöckelschuhen. D i e wollen nicht den Zweck, sondern nur den Schiein, wollen zeigen, daß man ein fesches Madl ist, so gut wie irgend ein echtes aus dem Oberland, und doch zugleich die reiche Frau aus der Stadt, die sich das alles leisten kann. Ich frage mich: warum handeln jene so? Aus dem menschlichen Trieb zu gefallen? Aber wem gefallen sie denn, diese Buam und Madin? Sich selbst vielleicht. Aber sagt ihnen denn niemand die Wahrheit? Und bedenken sie nicht die schädliche Wirkung ihres Gehabens für ihre Glaubensgenossen? Haben Ihre Leute es nötig, die ohnehin schon erregte antijüdische Stimmung noch zu verstärken? Sei der Haß berechtigt oder nicht, er ist eine objektive Größe, eine Macht. Was dieser eine Sommer in Tegernsee und gar erst in Garmisch und Oberstdorf, wo es noch schlimmer sein soll, an Antisemitismus erzeugt hat, zehn Jahre Tätigkeit Ihres „Abwehrvereins“ können das nicht wieder gut machen. Die Juden haben den Tegernsee nicht okkupiert, aber jenem Gehaben

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