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Das jüdische Echo · 1919-08-22 · 34 (22.8.1919) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
34 (22.8.1919)
Date
1919-08-22
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten imiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifiiiiiiiii iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiriiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiitiiiiiiiiiiiiii Nummer 54_München / 6. Jahrgang 22. August 1919 Soziale Neugestaltung.*) Wir sind nicht umsonst Jahrtausende hindurch das Volk Jehovas gewesen, der jede menschliche Tat wertet und richtet. Deshalb tritt uns bei jeder Tat und jedem Geschehen die Frage nach ihrem ethischen Wert auf die Lippen. Seit Theodor Herzl die moderne zionistische Bewegung ins Leben rief, ist in ihr der Gedanke w^ch geblieben, daß im neuen jüdischen Leben in Palästina sich neue und höhere ethische Gedanken Bahn brechen müssen. „Gerade diejenigen unter uns, die heute ihre ganze Person daranzusetzen bereit sind, würden bedauern, auch nur einen Schritt dafür gemacht zu haben, wenn es nur gelänge, eine neue Gesellschaft in Palästina einzurichten und nicht auch eine gerechtere“ sagte Herzl in seiner Rede auf dem 2. Kongreß (1897). Und der erste praktische Versuch zu neuen sozialen Formen war der bei Schaffung des J. N. F. in Anknüpfung an das biblische Halljahr (III. Mos. 25) statuierte Grundsatz, daß der vom J. N. F. für die jüdische Kolonisation in Palästina gekaufte Boden ewiges unveräußerliches Eigentum des jüdischen Volkes bleiben solle, damit die sozialen Schäden, die das Privateigentum am Boden in anderen Ländern verursacht, vermieden werden. Der wirtschaftlichen Hebung der Landarbeiter und dem Kampf gegen den Großgrundbesitz dient die von der zionistischen Organisation unternommene Errichtung einer Siedlungsgenossenschaft nach dem Plane von Franz Oppenheimer. Sie soll den Beweis erbringen, daß es möglich ist, durch genossenschaftlichen Betrieb in der Landwirtschaft die technischen Vorzüge des Großbetriebes beizubehalten. ohne die Arbeiter in die Stellung von Lohnarbeitern herabzudrücken. Theodor Herzl trat für den Siebenstunden-Arbeitstag ein und hielt diese Forderung für so wichtig, daß er als ihr Symbol 7 Sterne auf die jüdische Fahne gesetzt wissen wollte. Je mehr wir uns in der letzten Zeit der Verwirklichung eines jüdischen Gemeinwesens in Palästina nähern, umso stärker werden die Stimmen, welche rufen: Was nützt es uns, in Palästina ein neues Gemeinwesen von der Größe eines kleinen Balkanstaates zu schaffen, wenn wir alle Schäden im sozialen Leben der europäischen Völker nach Palästina hinübemehmen? Lohnt das die Mühe? Wenn wir wirklich etwas Großes leisten wollen, so darf die Konzentrierung der Juden in Palästina nicht der Endzweck, sondern nur Mittel sein, um in unserem neuen Gemeinwesen die höchsten ethischen Ideale ins Leben überzuführen. Diese Rufer sind nicht nur außerhalb Palästinas, sondern auch in Palästina selbst 0 Aus dem neuen Werk des bewährten Gründers und langjährigen Leiters des zionistischen Palästina-Amts, Dr. Arthur Ruppin: „Der Aufbau des Landes Israel“. Das im Jüdischen Verlag kürzlich erschienene Buch, auf dessen Inhalt wir im übrigen noch zurückkommen werden, ist von grundlegender Bedeutung für die gesamte zionistische Arbeit in Palästina. zu finden! Die Arbeiterklasse in Palästina ist zu einem großen Teile nicht nur von nationalen, sondern auch von sozialistischen und allgemein ethischen Gedanken beseelt. Will man sich von den verschiedenen Strömungen in bezug auf die soziale Gestaltung des neuen jüdischen Gemeinwesens ein Bild machen, so kann man etwa vier Richtungen unterscheiden. Die kapitalistische Richtung will bis auf weiteres an den bisherigen kapitalistischen Wirtschaftsformen festhalten: sie will alle Anstrengungen darauf gerichtet wissen, daß möglichst viel neue Existenzmöglichkeiten, gleichviel weh eher Art, für Juden in Palästina geschaffen werden; sie will alle sozialen Reformen auf eine spätere Zeit verschieben, um nicht jetzt die ökonomische Entwicklung durch unerprobte soziale Neuerungen zu stören. Sie will auch nicht darauf verzichten, nichtjüdische Arbeitskräfte zu beschäftigen, falls diese billiger als iüdische Arbeiter und zur Entwicklung gewisser Produktionszweige unentbehrlich sind. Die zweite Richtung, die der sozialfortschrittlichen bürgerlichen Zionisten, will durch Bereitstellung von Boden für die unbemittelten Schichten deren Ansiedlung erleichtern; sie ist mit einer weiteren Ausdehnung des Erbpachtprinzips des J. N. F., mit Förderung des Genossenschaftswesens, mit Gewinnbeteiligung der Arbeiter, Anerkennung der Arbeiterorganisationen, Vornahme aller dauernden Arbeiten durch jüdische Arbeiter einverstanden, lehnt aber darüber hinausgehende Forderungen auf völlige Beseitigung des Privateigentums am Boden und auf Sozialisierung aller Betriebe mit der Begründung ab. daß dadurch die Privatinitiative gehemmt, die Existenzmöglichkeiten vermindert und große Teile des jüdischen Volkes von der Einwanderung abgehalten werden würden. Die volkssozialistische Partei Happet haz a I r erstrebt nach dem Programm ihrer deutschen Gruppe die Nationalisierung (Sozialisierung) des Bodens, der Industrie und des Handels In Palästina, lehnt allerdings den Klassenkaiüpf zur Durchführung dieser Ziele ab, sondern erhofft ihre Durchführung von der Durchdringung des Volkes mit den Ideen der Gerechtigkeit; sie fordert ferner, daß die Wahl der Arbeitsformen und' die Einrichtung der Arbeitsbedingungen nicht lediglich nach Zweckmäßigkeitsrücksichten, sondern unter Rücksicht auf die Wesensbedürfnisse des arbeitenden Menschen geschieht; daß die Gemeinwirtschaft in erster Linie den eigenen Bedürfnissen und erst in zweiter Linie und nur soweit es unumgänglich notwendig ist, der Rücksicht auf die „Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt“ |angepaßt, wird. Die Partei Poale Ziop, die nach ihrem marxistischen Programm den , Klassenkampf der jüdischen Arbeiterklasse gegen den. Kapitalismus und die Vergesellschaftung aller Produktionsmittel proklamiert, hat in ihren; Anträgen an den Friedenskongreß als ihr sozialpolitisches Programm formuliert; „Intensive Entwicklung der . Produktionskräfte Palästinas In großzügiger Weise bei

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