Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 33 (15.8.1919)
- Date
- 1919-08-15
- Page
- Seite 394 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nr. 33 Schon drei Tage vorher hatten die Diener des Bischofs die Wasserzisterne der Pfalz verschlossen. damit die Frauen ihre Kinder nicht hineinwürfen. Auch erlaubten sie ihnen nicht, auf die Mauer zu steigen, auf daß sie sich nicht herabstürzten, und bewachten sie die ganze Nacht, damit sie sich nicht gegenseitig umbrächten. Da war auch ein Mädchen, das streckte seinen Kopf zum Tor der Pfalz hinaus und1 rief: „Wer mir den Kopf abhauen will, weil ich meinem Gott treu bleibe, der komme her und tue es!“ Weil sie aber gar schön und lieblich war, wollten ihr die Christen kein Leid antun. Sie versuchten mehrmals sie zu fassen, um sie mit sich fortzuführen, doch sie konnten nichts erreichen. Denn sie warf sich zu Boden und stellte sich tot. So blieb sie in der Pfalz. Doch da trat ihre Muhme auf sie zu und sprach: „Willst du Gott bekennen und mit mir zusammen sterben?“ „Ja und vern“. antwortete sie, und sie bestachen den Torwächter und gewannen das Freie, gingen zur Brücke und stürzten sich ins Wasser. Auf dieselbe Weise verherrlichten zwei Jungfrauen aus Köln den König der Welt. Nun will ich von denen in Metz erzählen. O Gott, hast du Israel ganz verworfen? Ward dir Metz, die heilige Gemeinde, zum Abscheu? Warum ward sie mit samt ihren Kindern geschlagen, ihre Frommen, Angesehenen und Thorakundigen getötet? R. Schemuel Hakohen. der Gemeindeverwalter und! noch andere fromme und wackere Männer, Grundfesten der Erde, zweiundzwanzig an der Zahl wurden umgebracht, die meisten wurden, zur Strafe für ihre Sünden, gewaltsam getauft; doch als die Tage des Zornes vorüber waren, kehrten sie mit ganzem Herzen :zu dem Herrn wieder. Möge Gott ihre Buße anjnehmen und die Sünden seines Volkes verzeihen! (Schluß folgt.) Gemeindenu. Vereins-Echo (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus 8e* melnden und Vereinen und von Persenalnaohrlohten, die In diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höfliohst eingeladen.) Berlin. Professor Dr. Siegmund Maybaum, sder älteste Rabbiner Berlins und Führer der liberalen Rabbiner Deutschlands, ist im 76. Lebensjahre verschieden. Wegen eines schweren Leidens hatte er sich schon seit Jahren vom Amte zurückgezogen. Der Verlebte, der in Miskolcz in Ungarn geboren wurde, hatte sich in der Gelehrtenwelt .einen Namen erworben und war auch als hervorragender Redhex in weiten Kreisen geschätzt. An der Hochschule für die Wissenschaft des .Judentums war er lange Jahre als Lehrer tätig xind erfreute sich auch hier vollster Anerkennung. Nürnberg. Am 17. Juli d. J. versammelten sich .auf Einladung des Vereins „A c h i e s e r“ in Nürnberg, sowie des Vereins „Teschuah“ in Fürth /fast sämtliche in Nürnberg und Fürth wohnenden Ostjuden, um gegen den Beschluß des „Verbandes .deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“, die Ostjuden von der Wahl zum jüdischen Kongreß in Deutschland auszuschließen. Stellung zu nehmen. Der Referent des Abends. Herr Isak Bernstein. Fürth, behandelte eingehend die Lage des gesamten Judentums seit Beendigung des Krieges und den damit zusammenhängenden Weltkongreß der Juden. Nachdem er in übersichtlicher Weise die Lage der Ostjuden in Deutschland klargelegt hatte, und die Bedeutung des deutsch-jüdischen i Kongresses für das gesamte Ostiud'entum in Deutschland auseinandersetzte, kam er zu dem Entschluß, daß der Ausschluß der Ostjuden vom Wahlrecht eine Ungerechtigkeit sei. weil es sich hier nicht um spezifisch jüdisch-deutsche Fragen, sondern um allgemein jüdische Fragen für sämtliche in Deutschland wohnenden Juden handelt. Nachdem noch Herr Dr. Nußbaum und Herr Dr. Bamberger hier, sowie Herr Landau, Fürth, gesprochen hatten, wurde mit überwältigender Mehrheit folgende Resolution gefaßt: Die am 17. Juli 1919 versammelten Ostjuden Nürnbergs und Fürths erheben schärfsten Protest gegen den Beschluß des Zentralvereins, ausländischen, in Deutschland wohnhaften Juden, das Wahlrecht zum geplanten jüdischen Kongreß zu verweigern oder einzuschränken Sie erblicken in dieser Stellungnahme eine mit ihrer Auffassung vom Judentum und jüdischem Solidaritätsgefühl unvereinbare Unduldsamkeit und Zurücksetzung. Sie legen energisch gegen den geplanten Ausschluß ihres Mitbestimmungsrechtes in rein jüdischen Angelegenheiten Verwahrung ein. Sie hoffen und wünschen, daß ein Geist, der einen solchen Beschluß möglich machte, einem Geiste der Versöhnung und Verständigung weicht, und sehen das beste Mittel dazu in einem jüdischen Kongreß, in dem auch sie vertreten sind. (Eventuell in der Demokratisierung der jüdischen Gemeinde und Erteilung des Wahlrechtes an die seßhaften ausländischen Juden.) Spendenausweis Spendenausweis von Nürnberg-Fürth. Für Gold. Buch v. Nathan Kahn sei.: Herr u. Frau Max Gorski Nbg. gratulier, allen Bekannten, die sich bis 30. Juli verlobt, verheiratet und Familienzuwachs bekommen haben 10.—. Für Gold. Buch v. Karl Wolfsei. Köln: R.-A. Karpf und Frl. Braut statt Blumen für Fr. Dr. Katz 2.—, R.-A. Stern statt Blumen für Fr. Dr. Katz 2.—. Für!de(n Ludwig Davids ohn-Gart.: Marie Davidsohn u. D. L. Mayer Nbg. z. 4. Aug. 2 ölbäume 20.—. Bekanntmachung. An die Vorstände der Israel. Gemeinden. Betrifft: Ersatz für Auslandis-Speck und Schmatz. Im Einvernehmen mit der Reichsstelle für Speisefette wird hiermit eine weitere Kopfmege von 300 gr ritueller Margarine als Ersatz für Speck und1 Schmalz freigegeben. Es wird den Vorständen der Israel. Gemeinden anheimgegeben, auf Grund der Anforderungsvordrucke AFE V. 19 die Belieferung mit ritueller Margarine bis zur Höchstmenge von insgesamt 900 gr (einschließl. der bisher freigegebenen 2 mal 300 gr). zu beantragen. Die Höhe der an die einzelnen Versorgungsberechtigten zu verteilenden Kopfmenge hat sich nach den an die übrige Bevölkerung verabfolgten Kopfmengen an Speck und Schmalz zu richten; für Speck wird wie bisher 4/s. für Schmalz die gleiche Menge an ritueller Margarine zugeteilt. — Der Verkaufspreis an die Verbraucher beträgt weiter M 4.50 für das Pfund. Berlin W. 8., den 11.August 1919. Kriegskommission für rituelle Lebensmittel G. m. b. H. gez. Freilich irez. Blank.