Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 31 (1.8.1919)
- Date
- 1919-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten iiimimmmimiiiiiiiiimimimmimiiiummmimimmimimmmiiniiiimiiMiiiiiiiiiimiiiimiimuiiiiiimiiimiiiiiimmmii miimiiiiimiiiiiiiiiiiimimuimmiiiiiiiiuiiiiiiiiiiuiiiiumimiiimiiiiHiiiiuiiim Nummer 31 München / 6. Jahrgang 1. August 1919 Die polnische Gefahr. Von Dr. Israel Taubes. Unter dem Deckmantel einer Hemmung: der „bolschewistisch - deutsch - jüdischen Strömungen und Hungerrevolten“ wütet in Polen seit 8 Monaten das höllische Pogromfeuer. Organisierte Morde auf offener Straße, Plünderungen von Hab und Gut, tierische Quälereien. Schändung der Heiligtümer, Knechtung der jüdischen Würde sind auf der Tagesordnung. Der Spruch: „Polen ist der Himmel der Edelleute, das Fegefeuer der Bürger, die Hölle der Bauern und das Paradies der Juden“ war inbezug auf die Juden nie ernst zu verstehen und1 die Schutzbriefe der polnischen Könige vom 13. und 14. Jahrhundert haben eher zur Kluft zwischen Juden und Polen, als zur freundschaftlichen Vertiefung des Verhältnisses dieser zwei Völker beigetragen. Im verwerflichen Typus „Jankiel Faktor“ sah der polnische Adlige sein Faktotum zum Zinseintreiben und Gelderpressen, der Kleinbürger den gefährlichen Konkurrenten und der Bauer seinen wirtschaftlichen Bedrücker. Der seit Jahrhunderten genährte Judenhaß wurde zum Allgemeingut des gesamten polnischen Volkes; die von den Allpolen in Friedenszeit inszenierte und mit den schroffsten Mitteln durchgeführte wirtschaftliche Boykottbewegung ging in die radikalste Pobedenowzewsche Taktik über und die vollständige Ausrottung des jüdischen Elements ist die vornehmste Aufgabe der ganzen polnischen Gesellschaft. Die Sympathiekundgebungen des jüdischen Volkes anläßlich der Befreiung Polens beantworteten die Polen mit Haßgefühlen und der Zerfall der österreichischen Monarchie gab unumschränkten Anlaß zu bestialischen Pogromhetzen. Als eine jüdische Deputation bei Pilsudski intervenierte, ihn um Schutz und Gewährung menschlicher Rechte bat, da hatte der polnische Gewalthaber nur eine Antwort: die Juden sollen nach Palästina! Dieser Ausspruch wurde heute zum Flügelwort der polnischen Gesellschaft und durch drakonische Maßregeln machen die Exekutivorgane den Aufenthalt unmöglich. Proteste und Hilferufe der gesitteten Welt bedeuten für die Polen leeren Schall; die Kluft zwischen Polen und Juden ist unüberbrückbar. Die Bewegungsfreiheit der Juden wird auch von den „fortschrittlichen und sozialistisch gesinnten“ Polen gehemmt. Die polnische Sozialdemokratie, die auf ihren Fahnen Polens Befreiung schrieb, geht Hand in Hand mit den reaktionärsten Elementen und1 erzieht jene polnischen Legionäre, die von der polnischen Gesellschaft mit einem Nimbus umgeben, uns Kielce, Lemberg. Kalisch, Minsk. Krakau usw. brachten. Die erste Regierung mit dem „Sozialisten“ Moraczewski an der Spitze förderte die iudenfeindliche Haltung und bereitete das polnische Feld dem jetzigen nationaldemokratischen Ministerpräsidenten Pad.erewski vor. d'em die bekannten Judenhetzer Grabski und Dmowski würdig assistieren. Ihre erste Tat war die Ausweisung von Juden als „lästige Ausländer“. Kündigung der jüdischen Beamten, Heranziehung zu groben Arbeiten, Internierung der jüdischen Intelligenz und Ausgestaltung der Judenpogrome zu einer stabilen Institution in Polen. Nun wollen die Juden Minoritätsrechte in den neugebildeten Staaten, somit auch in Polen, erhalten und diese Verpflichtungen werden der Jurisdiktion des Völkerbundes unterstehen. Die Juden haben nach Artikel 10 der „Miooritätsforderungen“ das Beschwerderecht beim Völkerbund im Fall einer Verletzung oder Nichtausführung dieser Bestimmungen. Schon heute tobt ein Sturmwind im polnischen Blätterwalde. Das polnische Volk sträubt sich mit aller Gewalt gegen diese Bestimmungen und will kein ..Judäo-Polonia“. Die Polen greifen zum letzten Mittel. Sie schicken „jüdische Vertreter“ nach Paris und „Moschko“ versucht wieder Neben- und Schmuggelgeschäfte auf Kosten unserer jüdischen Würd£ zu besorgen. Diese verknöcherten Handlanger, die dazu existieren, um auf Befehl ihres Herrn zu reden, oder auf Befehl ihres Herrn zu schweigen und ihre schändliche Verräterrolle im jüdischen Volke längst ausspielten, sollen nun wieder unser Volk verschachern und es der polnischen Henkershand ausliefern. Es sollen wieder die alten „Argumente“ des aliseligmaobenden „mosaischen Bekenntnisses“ ins Treffen geführt werden, die erwachten „Moseshütfer“. welche ohne Bedenken und in ihrer ganzen Seelenruhe ihre entarteten Söhnchen und Töchter zur Taufe führen, wollen dem lebenden jüdischen Volke wieder Versklavung und Vernichtung bringen. Doch diese Lüge hat kurze Beine und die letzten Massenkundgebungen der Juden in Polen beweisen das Gegenteil. Die Juden wollen auch in Polen ihr jüdisch-nationales Bewußtsein hochhalten. sie wollen im polnischen Staate als gute polnische Staatsbürger leben und ihrem Volke das geben, was des Volkes ist. Wir verquicken nicht diese zwei Begriffe miteinander, wir trennen das Staatliche vom rein Völkischen und sehen im Staatsbürgertum das äußere Gewand1. Der Staat kommt vor der Nation und will erst die Nation wachrufen. Er schneidet sich in die Nation ein, schafft Normen und Gesetze, die mit dem nationalen Gemeinwesen in Einklang zu bringen sind. Mit der Gründung des polnischen Staates haben wir es miterlebt, daß die Polen unter Deutschland, Rußland und Österreich Bürger dieser Staaten waren, dabei doch ihr polnischnationales Bewußtsein mit Recht nie verkannten, jetzt ihr früheres Staatsbürgertum ablegen und ihr neues annehmen. Doch was überall eine natürliche Regel ist, soll bei den Juden eine Ausnahme bilden. Die Juden sollen in Polen ihre nationalen Rechte nicht erlangen und sollten die „Minoritätsforderungen“ in Paris doch anerkannt werden, dann wird die Beschwerdestelle im Völkerbunde stets mit einem Meer von Beschwerden überschüttet werden, da der eingeimpfte und großgezogene Haß durch das ge- und auch unterschriebene Wort nicht ausgemerzt wird. , Das polnische Volk ist noch nicht gesättigt, das Blut-