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Das jüdische Echo · 1919-07-25 · 30 (25.7.1919) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
30 (25.7.1919)
Date
1919-07-25
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten iiiiinuiiiiiiiiuniiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiuiiiuiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiimiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiimiuiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiimimiiiniiiuiiiiiiiiiiiiiiuiuiiiiiiiiKiiiiiiiiuiimiiiiuiiiiiiiiuiiiini Nummer 30 München / 6. Jahrgang 25. Juli 1919 Der Fall Wadler. Gestehen wirs, der Fall ist, besonders für uns Juden, unendlich schmerzlich. Schmerzlich in Jedem Belang: sowohl hinsichtlich der Person, als vor allem der Lehren des Falls und! schließlich auch der — trotz allem — unerwarteten Härte des Urteils. Um dies vorweg zu nehmen: Jemand, der wie ich an der Politik Wadlers schonungslose Kritik übte, wo es nur dazu Gelegenheit gab; der zu einer Zeit, da dies vielleicht nicht ganz risikolos war und jedenfalls meines Wissens von keiner anderen Seite geschah. Wadler persönlich die schärfste öffentliche Bekämpfung ankündigte (die sich überstürzenden Ereignise ließen dann die Ausführung nicht zu), der nicht zu den politischen (seit vielen Jahren auch nicht zu den persönlichen) Freunden Wadlers gehörte, hat heute das Recht und die Pflicht zu sagen: dieses Urteil1, das Wadler zum gemeinen Verbrecher stempelt und ihn auf acht Jahre ins Zuchthaus schickt, ist nicht angemessen. Den Beweis der behaupteten ehrlosen Gesinnung, der als solches etwas subjektives sein müßte, ist nicht geglückt. In Wadlers persönlichen, bewußten Motiven ist zweifellos keine Ehrlosigkeit enthalten. Wie man seinen politischen Umfall objektiv beurteilt, hat damit gar nichts zu tun. Wir hätten Wadler und1 vielen anderen mehr Festigkeit in den politischen Anschauungen von 1914 bis heute gewünscht. Doch nicht damit haben: wir uns hier im Wesentlichen zu befassen. Die menschliche Betrachtung des Falles ist nicht eine Sonderaufgabe dieses Blattes und die Frage, ob mit diesem Urteil der politischen Sanierung gedient wird, ob es nicht bessere Mittel gäbe, die politische Atmosphäre zu entgiften, als die bloße Gewalt, zählt zu den schwierigsten der Landespolitik, die hier nicht zu behandeln ist. Hier wollen wir uns vielmehr mit der Frage befassen, wie es kam, daß ein solch wertvoller Kopf, ein Mensch mit solch hoher Intelligenz — die sogar der ihm nichts weniger als wohlgesinnte Gerichtshof anerkennen mußte — sich auf der Jagd nach eingebildeten Weiten so völlig von uns entfernte und schließlich strandete. Klopfen wir uns an die Brust. Unsere Schuld! Unsere Schuld, daß die ganze heranwachsende Generation nicht klar begreifen lernt, daß bei uns ihr Platz ist und daß unsere bedrängte, ungeheuer exponierte Gemeinschaft nicht nur Intelligenz und Tatkraft der aufstrebenden Jugend dringend braucht, sondern ihr auch menschlich lohnende Aufgaben stellt. Daß sie nicht anderweitig Befriedigung ihres Tätigkeitsdranges suchen muß, weder „wie ein losgeschossenes Pferd“ im Kriegsministerium (dort hat man anscheinend die unbestrittenen Fähigkeiten des „Herrn Wadler aus Krakau“ gern verwendet. Aber das ist nun einmal so. Herr Staatsanwalt, „Krakau“ wird erst dann zum Vorwurf, wenn man auch sonstige Vorwürfe hat und weshalb sollen Sie auch dies praktische und billige Mittelchen nicht benützen?) noch gar als Revolutionsführer. Es wurde in einem Aufsatz „Die Juden in der Revolution“ in Nr. 22 dieses Blattes dargestellt, daß und warum der Jude als Revoiutionsführer überhaupt fehl am Platze ist. Ganz gewiß und besonders ist es der (vor einiger Zeit eingebürgerte) Ostjude hier. Es durfte nicht Wadlers (und einiger anderer) Streben sein, die politischen Geschäfte des bayerischen Volkes führen zu wollen, wie ich ihm zu einer Zeit sagte, als der Erfolg ihm recht zu geben schien. Will d!as bayerische Volk eine Revolution, will es eine Räterepublik, so wird es sie selbst machen und der Mangel innerer Bindungen — der wohl Wadlers besondere Schwäche ist — gibt noch nicht die Legitimation zum Revolutionsführer. Dies ist Wadlers tragische Schuld, die sich nun bitter rächt und in diesem Sinne hat des Staatsanwalts „Herr Wadler aus Krakau“ einen Sinn, an den er selbst wohl kaum gedacht hat. Daß die Erziehung der jüdischen Jugend keine — sagen wir ruhig keine — jüdischen Werte und deshalb auch keine Bindungen nach der jüdischen Seite gibt, ist Schuld all derjenigen, deren Aufgabe auf diesem Gebiet liegt, ist Schuld aller „führenden“ Juden in den Gemeinden. Wir Ostjuden, die wir bedrängt und auf uns selbst angewiesen sind, wie sonst keine Bevölkerungsgruppe, müssen besonders schmerzlich bedauern, daß Wadler uns verloren ging (nicht jetzt, sondern vor Jahrzehnten) und nicht die Pflicht erkannte, seine reichen Fähigkeiten unseren Aufgaben zu widmen. Dies ist das Unglück unseres Ghetto, daß die an Besitz und die an Bildung Aufsteigenden es zu verlassen eilen, so daß es immer nur aus der Unterschicht bestehend und führerlos bleiben muß. Die Aufsteigenden fliehen das Ghetto, sie zählen sich nicht mehr zu uns — bis man sie plötzlich1 bei geeigneter Gelegenheit zurückstößt ins Ghetto: „Herr Wadler aus Krakau.“ Möge der Fall Wadler eine Warnung und eine Lehre sein, vor allem jenen, die die Jugend zu leiten haben! Besonders allen Ostjuden — den Eltern und den großenteils ach so emanzipierten aufgeklärten Jungen — soll der Fall zeigen, wohin selbst die glänzende Laufbahn eines hochbegabten Menschen führen kann, wenn ihm die Verwurzelung in seiner Gemeinschaft fehlt. Der Jugend die hohen jüdischen Werte des Judentums zu vermitteln, sie zu begeisterter Arbeit fürs Judentum und seine Zukunft zu erziehen, das ist die Aufgabe, deren Dringlichkeit der Fall Wadler erschreckend deutlich zeigt. Jakob Reich. Konfession? Herr Landgerichtsdirektor Stadelmayer interessierte sich lebhaft für Tollers Konfession oder, was er eigentlich meint, für Tollers Judentum. Denn unseres Wissens gehört bisher die Religion der Eltern nicht zu den Personalien, die festzustellen sind, auch nicht die Religion, die man etwa früher hatte. Der Vorgang verdient festgehalten zu werden. Toller gibt auf die Frage nach der Religion an: Konfessionslos. Vorsitzender:

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