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Das jüdische Echo · 1919-07-11 · 28 (11.7.1919) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
28 (11.7.1919)
Date
1919-07-11
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die j'üdischen Angelegenheiten iiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiuiiHiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiuiiuiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiuiuiiiiiiiuiiiimiiiiiimmmimiiiuimnHiiimmiiimiiiiiiiummimiiiiiiiiuiuiiuimimimiiiiiuiiiuiiiiiimiiiiiiuiiimimi Nummer 28 München / 6. Jahrgang 11. Juli 1919 ..bis abgebüfit ist unserer Väter Schuld“ Die „Schuld der Väter“ hat uns den Besitz von Erez Israel verscherzt, für die „Schuld der Väter“ leiden und dulden wir, zerstreut über das ganze Erdenrund, um der „Schuld der Väter“ willen müssen wir uns in unser beklagenswertes Schicksal ergeben, bis daß einst der Väter „Schuld“ ab gebüßt sein wird und der große Tag der Er r lösung hereinbricht: wer kennt nicht das alte Lied?! Das jüdische Volk hat die Heimat Palästina verlassen müssen, um in der Zerstreuung seine „Mission unter den Völkern“ anzutreten, für seine „Mission unter den Völkern“, nämlich diese ihrer Erlösung immer näher zu bringen, muß es, aus tausend Wunden blutend, den duldenden Gottesknecht spielen, um seiner „Völkermission“ willen darf es niemals in das alte Vaterland zurückkehren?! Wer kennt nicht das neue Lied?! Und beide Liedliein gehen nach der gleichen Weise: Abfindung mit der trostlosen Misere des Galuth, „heilige“ Scheu vor der befreienden Tat, ja schon vor dem Willen zur Tat, feige Gutheißung völliger Resignation als des angeblich Gottgewollten. Gewiß, es ist leichter und ungemein bequemer, heutzutage um der „Schuld der Väter“ willen, oder nach der andern Lesart, wegen der „hehren Mission unter den Völkern“ „zu dulden und zu tragen“, als sich auf sich selbst besinnen, den Mut zu sich selber wieder zu finden und den Vätern in Wahrheit nachzuwandeln, den Löwen Judas, die mit Löwenmut bis zum letzten Blutstropfen die heimatliche Scholle verteidigten und die, als sie endlich von der Faust des römischen Weltbezwingers mühselig niedergeschlagen waren, gefesselten Leibes, doch unbezwungenen Geistes, mit knirschenden Zähnen, nur im Vertrauen auf ihre baldige Rückkehr, das harte Los gewaltsamer Wegführung verwanden. Wo blieb die „Schuld der Väter“, wo die große „Missionsidee“, da Bar Kochba den wahnwitzigen Aufstand gegen die verhaßte Römerherrschaft unternahm, welchen ketzerischen Gedanken scheinen unsere weisen Tannaiten zum Opfer gefallen zu sein, daß sie mit der ganzen Macht ihrer Persönlichkeit und Rede den Aufstand1 zu fördern suchten; oder sollten sie von den beiden sich gegenseitig widersprechenden jüdischen, und1 doch so unjüdischen Dogmen der Schuldabbüßung und der Völkermission nichts gewußt haben, sie. die das Fernbleiben vom Kampfe damals als eine Schuld, indes als eine Schuld der Söhne gebrandmarkt haben? Wie hätten denn auch die Meister der jüdischen Lebensanschauung die Ethik des Judentums so mißverstehen können; der Prophet hatte ja einst in unzweideutiger Weise verkündet, daß Kinder nicht für die Schuld der Väter und Väter nicht für die Schuld der Kinder büßen, vielmehr ein jeder nur sein eigenes Verschulden tragen sollte. Und der Deuteronomist des ersten Exils hatte dieser Idee zuliebe im „Buch der Könige“ die Schicksale der einzelnen Herrscher unter Vergewaltigung der historischen Wahrheit geradezu in dieses Vergeltungsschema hineingezwängt Nicht einmal das zweite Gebot des Zehnworts in der üblichen falschen Ausdeutung und Übersetzung vermag der „Heimsuchung“ der Söhne für die Schuld der Väter über das dritte und vierte Geschlecht hinaus irgend eine Stütze zu bieten. Nur von einer Schuld können wir unsere Väter, die Verteidiger Zions, nicht lossprechen, zumal sie sich selbst ihrer rückhaltlos geziehen haben: daß sie nicht im Augenblicke der höchsten Gefahr einmütig zusammengestanden, sondern sich in inneren gehässigen Fehdten und blutigen Parteikämpfen aufs äußerste schwächten und dadurch vorzeitig dem übermächtigen Feinde in die Hände lieferten; waren sie doch sogar von der Überzeugung durchdrungen, daß sie ohne dem Bruderzwist im eigenen Lager nie und nimmer unterlegen wären. Diese Schuld! der Väter haben Bar Kochbas Scharen vergebens zu tilgen gesucht; ihr Geist aber ist auch in der Folgezeit nie ganz geschwunden und gerade jetzt erlebt er in den Massen des jüdischen Volkes seine Auferstehung; der durch die Schuld der Lässigkeit und Zwietracht doppelt gefesselte Riese ist drauf und dran, die unwürdigen Fesseln zu spTenven. Im Gegensätze zur christlichen Weltanschauung, die den Nachdruck auf die ..Erlösung“, auf das Befreitwerden von außen her durch die Gnade eines Dritten legt, hat der jüdische Genius das Heil in dter auf Freiheit und Eigenart gerichteten Eigentat erkannt und hierin den Ausdruck der sittlichen Weltordnung gefunden. Nur Situationen höchster Hilflosigkeit führten zu der .Verirrung, als müßte die Hilfe von außen her erfolgen, nur ohnmächtige Apathie im Gefolge der Verzweiflung konnte die Lage der Not als Tugend1 verherrlichen. So entstand das Phantasma von der „Schuld der Väter“, als ausgesprochenes Angstprodukt eines, von Schuldgefühlen geplagten Gewissens, die Illusion der „Mission unter den Völkern“ als krankhafte Ausgeburt eines moralisierenden Opportunismus. Der Gifthauch der Ghettoatmosphäre hat diesen Entartungsprozeß bei den deutschen Juden bis ins Groteske gesteigert. Ist es da verwunderlich, daß diese psycho-pathologische Verfassung als ..geistiges Ghetto“ auch nach der Emanzipation in der deutschen Judenheit vorherrscht und ihre wurmstichigen Früchte trägt? Unter solchem Gesichtswinkel gesehen hatte Heine, der äußerlich Abtrünnige, nicht unrecht, wenn er das Judentum seines Blickfeldes eine Krankheit nannte und beklagte, daß seine jüdischen Zeitgenossen den Ruf der alten Juden schädigten, die im Leide nicht eine Gelegenheit zu entsagender Buße, sondern eine ernste Prüfung ihrer Willens- und Schaffenskraft erblickt hatten. Das Allertraurigste aber ist. daß die meisten deutschen Juden ihren krankhaften Seelenzustand gar nicht erkennen, sondern ihn für den gesunden und zweckdienlichen halten. Dem gegenüber stellt der aus dem Willen zum jüdischen Volke entspringende Zionismus den auf die Erkenntnis des letzten Leidensgrundes aufgebauten Genesungstrieb dar: den Drang zur Überwindung

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