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Das jüdische Echo · 1919-06-27 · 26 (27.6.1919) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
26 (27.6.1919)
Date
1919-06-27
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten iiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiuuiiuuuHiiiiiiiiiiiiiiiiuniiiuiiiuiiiiiiiiiiiiiiitniuiuiiimiuiiiiiiiiiimmiimimmimmmmmmiimmmiiimmmimiiimiiimimimiummiiiiiiniiiiiiuiiimiiiimmimmniniim Nummer 26_Manchen / 6. Jahrgang 27. Juni 1919 Das II. Quartal nähert sich nunmehr seinem Ende. WAS IST ZU TUN? 1. Jeder Leser, der direkt bei der Post abonniert hat, muß das Abonnement auf das »Jüdische Echo“ erneuern. 2. Jeder Leser unseres Blattes, der noch nicht Abonnent ist, muß das »Jüdische Echo“ sofort bestellen. 3. Jeder Leser muß seinen Freundes- und Bekanntenkreis für das »Jüdische Echo“ interessieren. 4. Jeder Leser überweist die rückständigen Abonnementsbeträge für das» JüdischeEcho“, und zwar vierteljährlich nur M. 1 zuzüglich 12 Pfg. Zustellungsgebühr, auf Postscheckkonto Nr. 3987 der Buchdruckerei B. Heller, München. Yerloodes„jll(llscb.Eclio“ MOBcliea.HerzooMaxslr.4 Der Zentralverein Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ist eine dteutschnationale Organisation. Ein Unbefangener wird zwar geneigt sein zu fragen, wozu Juden sich zu einer deutschnationalen Organisation zusammenschließen und weshalb sie deutschnationalen Aufgaben nicht lieber in den entsprechenden allgemeinen Organisationen dienen, denn, meint der Unbefangene, jüdische Verbände seien für die speziellen jüdischen Aufgaben da. Unser Unbefangener weiß eben nicht, daß die Juden des Zentralvereins und' seiner Richtung an unglücklicher Liebe leiden. Ihre heftige Zuneigung zum Deutschnationalen bleibt völlig unerwidert und gerade deswegen betonen sie sie immer lauter, gerade deswegen ist jedem Juden, der nicht ihrer Richtung ist, ihre grimmige Gegnerschaft sicher. Die kranke Seele der Zentralvereinsiuden hat sich auf der letzten Generalversammlung des Zentralvereins wieder recht merkwürdig betätigt. Der Versammlung wurde von Professor Carl Lewin folgende Resolution vorgelegt: „Grundgesetz jedes Rechtsstaates ist die staatsbürgerliche Gleichberechtigung jedes Bürgers, unabhängig von Religion oder Abstammung. Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens wird daher jeden Versuch, aus dem Bekenntnis der Zugehörigkeit zum jüdischen Volk eine Beeinträchtigung der vollen staatsbürgerlichen Gleichberechtigung deutscher Juden herzuleiten, auf das entschiedenste bekämpfen.“ Man sollte meinen, daß jedes Mitglied des Zentralvereins diesen Sätzen als einer Selbstverständlichkeit zustimmen müßte. Dem Kampf um die Gleichberechtigung (wenn auch meist in der Form der Bekämpfung antisemitischer Übergriffe) gilt die Haupttätigkeit des Zentralvereins; dem Kampf um die eigentlich selbstverständliche bürgerliche Gleichberechtigung natürlich, nicht etwa die nationale. Konnte ein Zweifel bestehen, daß man diese gewöhnliche bürgerliche Gleichberechtigung für jeden Juden zu fordern gewillt sei, ganz gleichgiltig, einen wie starken Teil seines Wesens das Judentum ausmache, gleichgültig, wie er sein Judentum auffasse? Wir hätten es früher als eine Verleumdung des Zentralvereins angesehen, wenn jemand behauptet hätte, daß er die bürgerliche Gleichberechtigung, die doch jedem im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte befindlichen Staatsbürger gebührt, für irgend eine jüdische Richtung nicht in Anspruch nehmen würde. Die schlimmsten Erwartungen sind übertroffen. Der Zentralverein hat die Sätze des Prof. Lewin d'uröh) Übergang zur Tagesordnung abgelehnt. Der Zentralverein will also künftig nur noch für die Gleichberechtigung der deutschnationalen Juden eintreten! Wir wollen im Augenblick nicht davon reden, wie gefährlich das Verlassen des allgemeinen Prinzips der bürgerlichen Gleichberechtigung ist. wohin die Aufstellung von Unterschieden führt. Aber für wen fordert der Zentralverein denn nun die Gleich^ berechtigung? Welches ist denn der Begriff seines Judentums? Dem Vereinstitel nach der jüdische Glaube. Soll wirklich ernstlich behauptet werden, daß e r die gemeinsame Basis des Zentralvereins ist? Die Frage stellen, heißt sie verneinen. Wir wissen, daß das religiös Gemeinsame im Zentralverein allenfalls die negative Stellung zu den religiösen Geboten des Judentums ist. Wenn man 100 beliebige Mitglieder fragen sollte, was eigentlich ihr Judentum ist, würde man die allerverschiedensten, merkwürdigsten Antworten bekommen. Eine wirklich positiv religiöse Stellung wird1 man selten finden. So ist der Glaube auch keineswegs gemeint. Er ist Im Zentralverein absolut Privatsache und wenn ein jüdischer Freidenker aus der Gemeinde austritt. so hindert ihn das keineswegs Mitglied des Zentralvereins zu sein. Die Gleichberechtigungsforderung gilt eben nicht mehr für das Judentum, sondern nur noch für die Juden mit stark verdünntem Judentum, für gewesene Juden sozusagen. Die Voraussetzungen, die der Zentralverein durch seine Stellungnahme zur Resolution Lewin für die bürgerliche Gleichberechtigung fordert, hätten vielleicht bei den Leuten auf der rechten Seite des alten Preußenparlaments Zustimmung gefunden, sonst aber nirgends. Sie fassen den Staatsbegriff so reaktionär wir nur irgend ein ostelbischer Junker und eigentlich könnte sich der Zentralverein nach dieser Leistung als jüdische Abteilung des alldeutschen Verbands etablieren. Bei dieser Entwicklung werden sich die wirklich (nicht bloß religiös) freiheitlichen und liberalen Juden doch mit der Zeit fragen müssen, ob sie den Zentralverein weiterhin mit der Vertretung ihrer staatsbürgerlichen Interessen betrauen können»

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