Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 24 (13.7.1919)
- Date
- 1919-07-13
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten miniiiiiiiiiiuiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiniiniHiiiiiiniiiiiiHiiniiiiiiiraiiuMiiiiiiiiminmiiiiiiiiiiuiiiiiimiiiiiiiiiiniinimiiiiimiiimiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiimiiiiiiiiiiimiiiiiiimui Nummer 24 München / 6. Jahrgang 13. Juni 1919 Das II. Quartal nähert sich nunmehr seinem Ende. WAS IST ZU TUN! 1. Jeder Leser, der direkt bei der Post abonniert hat, muß das Abonnement auf das „Jüdische Echo“ erneuern. 2. Jeder Leser unseres Blattes, der noch nicht Abonnent ist, muß das „Jüdische Echo“ sofort bestellen. 3. Jeder Leser muß seinen Freundes-und Bekanntenkreis für das „Jüdische Echo“ interessieren. 4* Jeder Leser überweist die rückständigen Abonnementsbeträge für das„ JüdischeEcho “, und zwar vierteljährlich nur M. 1 zuzüglich 12 Pfg. Zustellungsgebühr, auf Postscheckkonto Nr. 3987 der Buchdruckerei B. Heller, München. Verloo des „Jfldiscli. Eclio“. Mllsclien. Herzog Moxstr.4 Der neueste Sport* Ein Sportblatt erregt seit einigen Wochen bei den Juden Münchens, und wohl nicht nur bei ihnen, sondern in allen anständigen und urteilsfähigen Kreisen der Stadt. Beunruhigung und Entrüstung. Wodurch? Dadurch, daß es seine bisherige Berichterstattung über Pferderennen und ähnliche harmlose Veranstaltungen eingestellt und sich einen neuen Sport erkoren hat: d i e J udenhetze. „MüncheneT Beobachter und S p o r t b 1 a 11“ unabhängige Zeitung für deutsche und völkische Politik, nennt sich das vornehme Blatt. Rückständige Leute meinen vielleicht, um eine politische Zeitung zu leiten, müsse man mehr als Pferdeverstand haben; der Herausgeber des Beobachters widerlegt solches Vorurteil. Er bringt tatsächlich eine unschätzbare Gabe mit, unschätzbar nicht so sehr für den gewissenhaften Leiter einer ernsthaften politischen Zeitung als für den Herausgeber eines Sensations- und Hetzblattes. Er hat eine Witterung dafür, welcher Gaul gerade Favorit ist. Bei der erregbaren und urteilslosen Masse heißt der Favorit zur Zeit: Antisemitismus, darum setzt der Beobachter auf diesen Gaul. Der Boden ist gut vorbereitet, seit Monaten bemühten sich Gesinnungsfreunde des Beobachters in reaktionären Zeitungen, in Flugblättern, deren Verfasser sich meist bescheiden verborgen hält, in Hetzreden bei den wilden Straßenversammlungen der Rätezeit alle Erbitterung des hungernden, kampfmüden, verzweifelnden Volkes auf die Juden abzulenken; dazu hat sich im Bürgertum während der Gewaltherrschaft der Räte ein wilder Haß gegen die Kommunistenführer angehäuft, von denen viele aus dem Judentum stammen, andere noch böswillig ihm angedichtet werden. (Von Sontheim er z. B. ist längst festgestellt, daß er nicht Jude war, sondern aus einer protestantischen Volksschullehrerfamilie stammte, tut nichts, der Beobachter stempelt ihn wiederum zum Juden, ebenso grundlos, wie Klingelhöfer, wie Dr. Lipp, ja sogar den urbajuvarischen Soldatenrat Sauber, der zu diesem Zweck früher Sabat geheißen haben muß.) Man braucht nur diese Erbitterung noch weiter zu schüren, ihr durch ein paar kleine Entstellungen und durch Abschreiben einiger alter Talmudlügen aus Rohlings sattsam bekannten Schriften neue Nahrung zuzuführen, und man hat Stoff genug, damit allwöchentlich eine Zeitung zu füllen, und sie wird gekauft, wenn man den rohesten Schimpfton anwendet und seine sensationellen Enthüllungen geschickt in Fortsetzungen bringt, damit der, der den Anfang gelesen hat, doch gewiß aus Neugier auch die nächste Nummer kauft. Man braucht nur den alten Trick aller Antisemiten anzuwenden, und das was ein einzelner Jude gefehlt hat, der jüdischen Gesamtheit zu Last zu legen, und der Haß gegen d i e Juden flammt auf, Antisemitismus wird Favorit. Dazu kam ein besonderer Glücksfall; ein Glücksfall freilich nur für den. der mit dem Antisemitismus Geschäfte machen wollte, für alle anderen, für die anständigen Leute ein beklagenswertes Unglück. Rotgardisten erschießen im Luitpoldgymnasium ohne Recht und Urteil zehn Gefangene. Darunter befinden sich sechs Mitglieder der deutschvölkischen Gesellschaft Thule. Sie waren verhaftet worden, weil sie Soldaten für die Regierungstruppen angeworben hatten, das war in den Augen der Spartakisten Hochverrat an ihrer Räteregierung. Das scheint aber dem Beobachter kein genügender Erklärungsgrund für die grausame Tat der Spartakisten, nein, er behauptet, sie wurden auf Befehl Judas ermordet, weil sie Antisemiten waren. Daß drei andere dem Antisemitismus ganz fern standen, stört die kühne Hypothese des Beobachters nicht, ebenso wenig, daß unter den Erschossenen sogar ein Jude war. Professor Berger; das verschweigt der Beobachter natürlich, denn sonst könnte der Leser doch auf den Gedanken kommen, wenn wirklich die vom Beobachter erdichtete geheime jüdische Organisation den Mord veranstaltet hätte, so hätte sie doch den Juden Berger geschont, so wie auch andere Gefangene kurz vor der Erschießung befreit worden waren. Diese Lüge vom Geiselmord als Racheakt der Juden an den Antisemiten zieht sich durch alle Nummern des Beobachters. Man könnte über solchen Wahnwitz mit stillschweigender Verachtung Jiinweggehen. Aber man weiß ja wie empfänglich heute ein Teil des Publikums für die allerabenteuerlichsten Gerüchte ist, man weiß, daß die Erbitterung über den Geiselmord sich schon in Gewalttaten entladen hat, deswegen muß man dieser niederträchtigen Hetze einmal entgegentreten. Auf gleicher Stufe steht die schamlose Denunziation, die der Beobachter freilich nur in die vorsichtige Form einer Frage an Staatsanwaltschaft und Kriegsgericht kleidet, daß die Juden sich durch große Geldzuwendungen an die Spartakisten von allen Bedrückungen durch diese losgekauft, daß z a h 1 r e i c he Judengemeinden Beiträge bis zu einer Million für Spartakus geleistet hätten. Wir