Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 23 (6.6.1919)
- Date
- 1919-06-06
- Page
- Seite 269 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 Das Jüdische Echo 269 lande gehört zu den Geboten Moses (5. Mos. 20, 19). Später wurzelte sich bei den Juden der Glaube ein, daß derjenige, der einen Obstbaum, wenn er auch sehr wenig Früchte trägt, fällt, ganz bestimmt vor den Jahren stirbt (Trakt. B. B. 26a). Als der assyrische Heerführer Rabschake die jüdische Bevölkerung Jerusalems zur Unterjochung unter die assyrische Herrschaft aufforderte, da rief er ihr zu: „So spricht der König von Aschur. machet Frieden mit mir und kommet heraus zu mir, so soll jeder seinen Weinstock, jeder seinen Feigenbaum genießen und jeder das Wasser aus seiner Zisterne trinken“ (2. Kön. 18, 31). Nach der Zerstörung des ersten Tempels und Verbannung der Juden aus ihrem Lande ließ der babylonische Heerführer Nebuzaradan die jüdischen Gärtner und Ackerbauer zur Ausübung ihres Berufes in Palästina zurück (2. Kön. 25, 12; Jer. 39, 10). Die Juden haben jedenfalls mehr als die Assyro- Babylonier der Pflanzenkost gehuldigt, sonst wäre es dem obersten Kämmerer des babylonischen Königs nicht besonders wunderlich erschienen, daß Daniel und seine Genossen bei ihrer Ernährung mit Gemüse und Wasser kräftiger und schöner ausschauen konnten, als die anderen babylonischen Jüngllinge. die von der Speise des Königs aßen (Daniel 1, 10—16). Aus der Jüdischen Welt Der Wiederaufbau Jerusalems. Für den Wiederaufbau Jerusalems hat der Oberingenieur des Stadtrates von Alexandrien einen Plan vorgelegt, der von General Allenby und dem Jerusalemer Stadtrat gebilligt worden ist. Auf Grund dieses Planes soll die Hauptstraße Jerusalems vom Jaffa- Tor nach dem Kloster Musiaba führen und 40 m breit sein. Eine andere Straße von 30 m Breite wird gleichfalls angelegt werden, und keine einzige Straße der Stadt soll in Zukunft weniger als 8 m Breite haben. In der Nähe des syrischen Waisenhauses wird ein großer Park und in der Nähe der Windmühle ein ausgedehnter Spielplatz angelegt. Ausschluß der Juden aus der polnischen Armee. Der polnische Kriegsminister gab eine Verordnung heraus, welche aus der polnischen Armee alle jüdischen Offiziere und die gesamte Mannschaft jüdischen Bekenntnisses, sofern sie den Jahrgängen 1896 bis 1901 angehört, ausschließt. literarisches Echo George Eliot. Daniel Deronda. Roman. Berlin 1918, Jüdischer Verlag. 406 S.. Mk. 9— geb., Mk. 14.— Geschenkbd. Die Lebensgeschichte Daniel Derondas. der durch Wahl und Geburt aus dem englischen Aristokratenkreise, in den ihn die von seiner entfremdeten Mutter gewollte Erziehung zu stellen schien, zum bewußten Arbeiter am geistig-nationalen Berufe des jüdischen Stammes sich entwickelt, hat seit dem ersten Erscheinen des Buches im Jahre 1876 auf die weitesten Kreise, besonders natürlich des jüdischen Volkes, starken Eindruck ausgeübt. In zahlreichen Übersetzungen, darunter auch ins Hebräische, fand der spannend geschriebene Roman der bekannten englischen Schriftstellerin Eingang in die jüdischen Famildenbüchereien. Ihn wieder der deutsch lesenden Welt dargeboten zu haben, bleibt das Verdienst des Verlags und des Bearbeiters. Dr. Alexander Eliasbergs, nachdem Strodtmanns Übersetzung längst vergriffen ist. Gerade heute ist diese Vorahnung des Zionismus, die ethische wie politische Notwendigkeit, die inneren Werte des Judentums der Welt nutzbar zu machen, als Problem wichtig geworden. Wenn in unseren Tagen die englisch sprechende Welt, deren Politik von ie eine Vereinigung von höchst realer Auffassung mit überzeitlichem Streben darstellte, die Ziele jüdischen Wiederaufbaus im Lande der Väter begünstigt, wenn Theodor Herzl stets das verständnisvollste Entgegenkommen im Kabinett von St. James fand, so ist eine der Erklärungen hiefür in der seltsamen Hinneigung zu finden, die den Engländer, besonders den Puritaner, seit den Tagen Crom wells für den Begriff des Volkes Israel beherrscht. So ist auch die Dichtung der George Eliot (Mary-Ann Evans) erfüllt mit geistigen Imponderabilien, die ihr tieferes Eindringen in den fremdartigen Stoff beweisen. Sie. die Vollblutengländerin, hat wohl die Anregung, außer jenem erwähnten inneren Anklang. gefunden in dem bedeutenden Auftreten Montefiores und in der politisch wie menschlichen Größe Benjamin Disraelis, der in seiner literarischen Wirksamkeit so entschieden der arabischen Rasse und in diesem Zusammenhänge einer erneuerten jüdischen Nation auf ihrem angestammten Boden das Wort geredet. Doch werden dem Leser nicht nur diese kulturpsychologischen Gedankengänge das Werk lieb machen. Eine straff durchgeführte, vielfach verschlungene Handlung, die durch eine lebendige Darstellung von Personen glücklich unterstützt wird, wird ihm die Stunden der Lektüre genußbringend gestalten. Immer aber wird er von der außerordentlichen Durchdringung des innerst Jüdischen sich angezoven fühlen. Dies besonders deutlich zum Ausdruck gebracht zu haben, ist das dankenswerte Werk des Bearbeiters. Die treffliche Ausstattung, die sich der Verlag besonders hat angelegen sein lassen trotz der Zeitschwierigkeiten, empfiehlt das Buch besonders als Geschenkwerk. München Theo Harburger. Gemeindenu. Vereins-Echo Kultusgemeindewahlen in München. Bei der am Sonntag, den 1. d. Mts., stattgefundenen Wahl der Ersatzmänner und der Mitglieder des Revisionsausschusses wurden insgesamt 88 Stimmzettel abgegeben. Die sämtlichen auf der Liste stehenden Kandidaten wurden gewählt. Durch die Änderungen und Streichungen bezüglich einzelner Namen auf den Ersatzmännerwahlzetteln hat sich die Reihenfolge, in der die Kandidaten zum Zug kommen, verschoben: als erster Ersatzmann ist Herr Dr. Karl Löwenthal gewählt, Herr Dr. Baron ist an die letzte Stelle gerückt. Kultusgemeinde München. Am 2. Juni fand die konstituierende Sitzung der neu gewählten Kultusverwaltung statt, die von Herrn Albert Landauer als dem Ersten auf der Liste der Gewählten eröffnet wurde. Es wurde die Vorstandschaft gewählt und zwar: Herr Michael Nußbaum, 1. Vorsitzender; Herr Dr. Karl Ostreich, 2. Vorsitzender; Herr Albert Landauer, Kassier. Außerdem erfolgten die Wahlen der verschiedenen Kommissionen und Ausschüsse. Ein von Herrn Kommerzienrat Fränkel gestellter und von Herrn Dr. E. Straus unterstützter Antrag auf Einsetzung eines sozialen Ausschusses