Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 23 (6.6.1919)
- Date
- 1919-06-06
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten lülllilllll!llllllllllllllUlllllllllllllllllllll[lllllinill!l!llllllllllllllllllllllilllllllllllllllllllllllIIIIIUIlilllllllllllIIUIUWIIIIIIIIIIItlllllllllllllllllllll!imilllllll!lllHIIHI!!lll!IHIII!IIIIIIIIIIIIHIIIUII!Illil!IIIIMIIIIIlllllHliniI Nummer 23 München / 6. Jahrgang 6. Juni 1919 Der Palästina-Delegiertentag der deutschen Zionisten. 0er letzte ordentliche Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland hatte nach einer eingehenden Aussprache über die Fragen des Aufbaus in Palästina, die sich an das Referat von Richard Lichtheim anschloß, eine besondere Palästina-Komission mit dem Aufträge eingesetzt, einen Palästina-Delegiertentag einzuberufen, der ausschließlich den Fragen der palästinensischen Kolonisation gewidmet sein sollte. Diese Tagung hat vom 26. bis zum 29. Mai im Kaisersaal des Rheingold in Berlin stattgefunden. Es waren an ihr alle Ortsgruppen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland durch mehr als 200 Delegierte vertreten und1 zahlreiche Gäste wohnten der Verhandlung bei. Nachdem Prof. Warburg, der Vorsitzende des Zionistischen Aktionskomitees, die Tagung eröffnet hatte, folgten die Begrüßungsansprachen von Vertretern der jüdisch-sozialistischen Arbeiterpartei Poale-Zion. sowie der österreichischen und polnischen Zionisten. Dann berichtete Herr Wolisteiner, der Leiter der deutschen Sammelstelle des Jüdischen Nationalfonds, über die Ergebnisse der Sammlungen in Deutschland für diesen Fonds, dessen Größe eine lebensnotwendige Voraussetzung des palästinensischen Siedlungswerkes bedeutet. Das Jahr 1919 hat in Deutschland bisher 400 000 Mark ergeben, ein Betrag, der wesentlich größer ist als der an und für sich gute des gesamten Jahres 1918. An diesem Ergebnis hat die Palästinawoche, die etwa 150 000 Mark ergeben hat. einen besonderen Anteil, wenn auch der moralische Erfolg dieser Veranstaltung noch höher einzuschätzen ist. Dann wies Dr. Klee darauf hin, daß, wie der vorige Delegiertentag unter dem schrecklichen Eindruck der Lemberger Pogrome stand, wir auch heute nicht in die Verhandlungen eintretjen können, ohne der neuen Pogromwelle zu gedenken, die unsere Brüder in Polen betroffen hat. Die Versammlung erhob sich und wiederholte in treuem Gedenken an die Ermordeten den Schwur treuer Arbeit für das jüdische Volk und sein Land. Dann folgte das politische Referat, das der Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Herr Dr. Hantke, erstattete. Er wies darauf hin, daß dem jüdischen Volk die Möglichkeit gegeben werden wird, seinen Rechtsanspruch auf Palästina durch ein großzügiges nationales Siedlungswerk in die Tat umzusetzen. Die Grenzen des Landes werden denen des historischen Palästina entsprechen. „Der Weg nach Palästina wird also geöffnet sein, vom jüdischen Volke wird es abhängen, in welchem Maße es von ihm Gebrauch machen wird.“ Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen wies Dr. Hantke dann auf den Etat von 400 000 Pfund hin, dessen Aufbringung unter dem Namen „Palästina-Aufbaufonds“ von der zionistischen Zentrale gefordert wird und dessen größter Teil für palästinensische Zwecke, insbesondere für die Vorbereitung der Kolonisation verwandt werden wird. Dann deutete Dr. Hantke die Aufgaben an, die dem Palästina-Delegiertentag bevorständen und schloß mit der Hoffnung, daß Beratungen und1 Beschlüsse dieser Tagung vom unwiderstehlichen Willen, am Wiederaufbau Palästinas mitzuwirken, getragen sein müßten. Aus der anschließenden politischen Debatte ist besonders auf die Ausführungen von Dr. Elias Auerbach. Haifa, hinzuweisen, der auf den engen Zusammenhang hindeutete, der zwischen der Forderung der nationalen Rechte für die Juden des Ostens und der Palästinaforderung besteht. Auerbach forderte, daß für Rechnung des jüdischen Volkes zuverlässige Abgesandte der Entente in die großen Städte des Ostens geschickt werden, um von dort wahrheitsgetreu über die Lage der Juden zu referieren. Ein großer Teil der Tagung wurde mit dem Referat von Davis Trietsch über Ansiedlungsmöglichkeiten ausgefüllt. Dem Referat folgte eine sehr eingehende Aussprache, an der sich besonders neben dem Referenten die Herren Dr. Ruppin, Dr. Auerbach, Dr. Chamizer, Dyk und Estermann beteiligten. Sämtliche Redner stimmten darüber überein, daß die verzweifelten Verhältnisse im Osten und die starke Palästinasehnsucht der jüdischen Massen eine große Einwanderung nach Palästina erwarten lasse und daß seitens der Zentrale in London alles geschehen müsse, um die Vorbereitungen zur Aufnahme möglichst großer Einwanderemassen zu treffen. Wie groß die Zahl derjenigen sein wird, deren sofortige Aufnahme möglich sei, darüber gingen die Meinungen auseinander. Während der Referent durch Ausnutzung industrieller Möglichkeiten sowie durch ein kleines Ausmaß des dem einzeihen Einwanderer zuzuteilenden Bodens mehrere Hunderttausend von Einwanderern jährlich ansiedeln zu können glaubte, wurde von Dr. Ruppin, Dr. Auerbach und anderen der Meinung Ausdruck gegeben, daß die Ansiedlung so großer Einwanderermengen nicht sofort in Frage kommen könne. Ihren Abschluß fand die Debatte durch Ablehnung eines Antrags von Trietsch mit großer Mehrheit und durch Annahme folgenden Antrags von Dr. Elias Auerbach, für den sich eine Majorität von 80 gegen 50 Stimmen ergab: „Der Palästina-Delegiertentag der deutschen Zionisten erwartet und fordert von der Leitung der zionistischen Bewegung die sofortige Inangriffnahme aller Vorbereitungen für ein geordnete, mit allen Kräften zu beschleunigende Einwanderung in Palästina nach Maßgabe der Möglichkeiten des Landes.“ Es ist zu bemerken, daß der Antrag von Trietsch inhaltlich mit dem angenommenen von Dr. Auerbach fast völlig übereinstimmt. Neben diesen Fragen der Aufnahmefähigkeit des Landes waren es besonders die Probleme des sozialen Aufbaus, die den Del'egiertentag beschäftigten. Zu diesem Thema wurden zwei Referate gehalten: Dr. Fritz Sternberg sprach über die Nationalisierung des Bodens. Rechtsanwalt Max Strauß über Kapital und Arbeit. Der erste Referent forderte, um Bodenspekulation und Groß-