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Das jüdische Echo · 1919-04-11 · 15 (11.4.1919) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
15 (11.4.1919)
Date
1919-04-11
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten lll!ll|ll|ll|||llllllllll||llll|||ll|llllllllll!lllllllllllll!]l[ll!llll!llllllllll!lllllllllll!!ll[|llllltll[l!lllllllll!llllll]|llllll!l!lllllllllllllllllllllllllllllllll!llllll!HIIIIIIIIIIII!lllllllllllltll[llllllll!llllllll[!IIHIIIlllMlllllllMlllliMIIIII Nummer 15 München / 6. Jahrgang 11. April 1919 Die Einheitsfront. Von Leo Rosenberg:. Berlin, den 6. April. Die 1918 gegründete „Vereinigung jüdischer Organisationen Deutschlands“ (VJOD) hat zum ersten Male in Deutschland eine jüdische Einheitsfront hergestellt. Diese Einigung hatte bekanntlich ihren Entstehungs- und Berechtigungsgrund vor allem und wesentlich in einem außenpolitischen Moment; ihre Notwendigkeit ergab sich zunächst im Hinblick auf den ostjüdischen Problemkreis und aus der gebieterischen Forderung nach einer einheitlichen Vertretung und Lösung der ostjüdischen Fragen. Hier hat sich der Zusammenschluß in vorbildlicher Weise bewährt; es waren ihm außerordentliche Erfolge beschieden. Welchen tatsächlichen Fortschritt bedeutete bereits der Umstand, daß es gelungen ist. das ganze deutsche Judentum auf die nationalkulturelle Forderung zu einigen? Kenner deutsch-jüdischer Wesensart hätten diese Entwicklung kaum für wahrscheinlich gehalten. Hatte doch der westjüdische Liberalismus bekanntlich sein Assimilationsideal bis in die letzten Zeitläufte hinein auch auf das Ostjudentum übertragen und — wie Martin Philippson im repräsentativen Organ des liberalen Judentums — die Zwangsassimilation geradezu gefordert! Dem Ostjudentum Volkswürde und Volksrechte zuzuerkennen, dagegen haben sich unsere liberalen jüdischen Kreise und Verbände in durchaus logischer Folgerichtigkeit entschieden gesträubt. Denn damit war in ihrer so hartnäckig verfochtenen rein konfessionellen Auffassung des Judentums eine unheilbare Bresche geschlagen; die Existenz des jüdischen Volkes, deren Leugnung den Hauptbestandteil des liberalen Systems bildete, wäre damit anerkannt. Die Idee der Assimilation ist durch das Programm der „Einigung“ im Prinzip aufgehoben. Der liberale Jude von heute kann nur noch seine Zugehörigkeit zum jüdischen Volkstum, nicht aber das jüdische Volkstum selbst leugnen. Uns dünkt, der politische Fortschritt wird durch den ideelen Gewinn noch übertroffen. Der politische Gewinn der Einheitsfront ist gerade in diesen Tagen in erfreulicher Weise zu Tage getreten, in einem Zeitpunkt, da auch die ostjüdische Lebensfrage einer endgültigen Entscheidung entgegenreift. Daß die durch die Einigung geschaffene Gesamtrepräsentanz des deutschen Judentums gerade bei der endgültigen Aufstellung und Vertretung der jüdischen Forderungen vor der Friedenskonferenz nicht ausgeschaltet werden kann, liegt auf der Hand. Eine in diesen Tagen in Berlin stattgefundene vertrauliche Beratung des alle Richtungen innerhalb des deutschen Judentums repräsentierenden Ausschusses zur Bearbeitung der jüdischen Frage für die Friedenskonferenz ist über die Richtlinien unseres nationalen Forderungsprogramms zur vollen Einigung gekommen, zu deren Bekanntgabe wir ermächtigt werden. In Übereinstimmung mit dem Referenten für jüdische Angelegenheiten im Berliner Auswärtigen Amt wurden folgende Forderungen für die Friedenskonferenz aufgestellt: 1. Gleichberechtigung und Gleichstellung der Juden und des Judentums in allen Ländern der Welt. 2. Beseitigung und Verbot aller Gesetze, Verordnungen und Bestimmungen, die Beschränkungen lediglich für Juden enthalten. Insbesondere von Einwanderungsbestimmungen und Grenzsperre. 3. National-kulturelle Autonomie in den neu gebildeten Staaten in dem Umfange, den die Mehrheit der dortigen Juden fordert, unter Wahrung des Rechtes der Minderheit, Berücksichtigung des Sabbaths und der Gesetzgebung. 4. Festsetzung solcher politischen, administrativen und ökonomischen Bedingungen für Palästina, daß seine Entwicklung zu einem von der gesamten Judenheit getragenen autonomen Gemeinwesen (commonwealth) gesichert wird. 5. Entschädigung von Pogromopfern durch den betreffenden Staat. 6. Einsetzung eines internationalen Ausschusses mit der Aufgabe, darüber zu wachen, daß die Grundsätze und Beschlüsse der Friedenskonferenz hinsichtlich der Juden durchgeführt werden. — Es muß ganz besonders auf die Bedeutung des dritten, vierten und sechsten Punktes hingewiesen werden. Der Umstand, daß über die Autonomie- und Palästinaforderung eine volle Übereinstimmung der Vertreter aller Richtungen des deutschen Judentums erzielt werden konnte, ist von unermeßlicher Bedeutung. Damit hat sich das deutsche Gesamtjudentum tatsächlich auf den Boden des nationalen Programms gestellt. Man wird sich der außerordentlichen Bedeutung dieser Tatsache erst voll bewußt, wenn man sich die Haltung des englischen und französischen Assimilationsjudentums in diesen Tagen vor Augen hält. Der Wortführer des englischen Assimilantentums hat in einer hurtig unterschobenen „Denkschrift“ die nationalen Rechtsforderungen totgeschwiegen, w'ährend das Vorstandsmitglied der „Alliance“, Herr Sylvain Levy, das Recht der Araber auf Palästina zu verfechten sich bemüßigt fühlte. Daß die Fuchs und Nathans bessere Juden sind als die Wolffs und Levys, haben wir freilich immer gewußt. Immerhin muß uns die Bewährung des liberalen deutschen Judentums in der großen Schicksalsstunde des Volkes zur freudigen Genugtuung gereichen. Von besonderer Wichtigkeit ist der Punkt 6 des Forderungsprogramms, der im wesentlichen auf die von uns in diesen Spalten wiederholt verfochtene Internationalisierung der Judenfrage hinausgeht. Auch dieses Postulat bedeutet einen völligen Bruch mit den bislang in liberal-assimilatorischen Kreisen herrschenden Anschauungen. Der Zusammenschluß des deutschen Judentums auf dem Boden eines nationalen Programms ist im Bereich außenpolitischer Notwendigkeiten entsprungen und war vornehmlich durch ein äußeres Moment bedingt. Bei dem inneren organischen Zusammenhang und der Wechselwirkung zwischen innerer und äußerer Politik werden jedoch

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