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Das jüdische Echo · 1919-03-28 · 13 (28.3.1919) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
13 (28.3.1919)
Date
1919-03-28
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten llllllllllill!llllllllllltllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll|[llllllllill!ll[|||||||!|||||||||li||||||||||||||||||||||||||i||||||||||||||||||||||||j|||j||j]||||||||||||||||||||||j|j||j||,j||||||||j||,||||||||jj||j|||||||,||,||j|||,|||,j,||||||,|„|f Nummer 15 _München / 6. Jahrgang 28. März 1919 0a$ /A3üMfd}e geljörf in jebcö jübifd)e ßaug! £>a«i jübifdjc Statt iff in biefen Sagen iebenetöebürfnUS! (Sei gebt um at(eef: um [ftedjt unb ßeimaf unb 3ufunft! iOae» 3ubenfum erwartet, baß jeber 3ube feine Pflicht tut! ©o bu 3ube biff, erlernte biefe pflid)f: £ie$ ba€t „3übifd?e ©djo". 3u Besiefjen um Eine Mark trierteljäfjrttd) (12 Pfennig;Sejfeflge(&) beim Vertag be$ ,/3öbifd?en Gd)o"f 27Iündjen, #er$og 2Harffr. 4 Die Lage in Polen ■(Von unserem Berichterstatter.) 'Lemberg, Mitte März. Polen ist, seit der Streit mit den Tschechen anhob, von jeder engeren Berührung mit der Aus- .senwelt abgeschnürt. Bolschewiken, Ost- und Westukrainer, Posenscher Heimatsschutz rennen heftig die Grenzmarken des Weichselreiches an. Die Abschnürung hat dem neuen Staate nicht ibloß ideellen Schaden gebracht. Der wirtschaftliche Schaden ist ungeheuer. Das fabriksarme, .erschöpfte, durch die kriegerischen Ereignisse .schwer hergenommene Reich darbt an Industrieartikeln, welche ganz unerschwinglich sind, Schuhe stellen sich auf K. 600 pro Paar. Papier ist kaum zu haben. Die Krakauer Zeitung „Nowa Reforma“ erscheint seit einiger Zeit auf einem einzigen Folioblatte. Selbst die Scheine der polnischen Staatsanleihe sind zur Rarität geworden, trotz aller Propaganda, die für sie gemacht wird, aus dem einfachen prosaischen Grunde, da der Zu- .stand der Papierlager deren Verfertigung in genügender Anzahl nicht zuläßt. Dagegen bietet der Lebensmittelmarkt in Galizien einen fabelhaften Anblick. Zuschübe aus dem ehemaligen Kongreßpolen, aus dem von den Polen okkupierten Herzogtum Posen, haben hier jede Erinnerung an die Hungerblokade vergessen lassen. Alle Schaufenster sind mit schönen, knusperigen Kipfeln, schön gebräunten Kaisersemmeln (50 Hehler pro Stück), Wecken, haargenau wie im Juli 1914, überfüllt. Brotkarten gehören zu den verschollenen Sagen einer unruhigen Sturmnacht. Eier werden von den Bäuerinnen in großen Körben in unübersehbaren Mengen zu 60 Heller ausgeboten und sinken noch täglich im Preise. Politisch segeln gegenwärtig die Polen im Fahrwasser der schönsten Reaktion. Die Nationaldemokraten, die sogenannten Allpolen, mit ihrem klerikal-agrarischen Anhang, halten das Heft sicher in der Hand' und weisen schroff alle Annäherungsversuche der kleinlaut gewordenen, gedemütigten, bei den Wahlen zum Warschauer Parlament furchtbar verhauenen Sozialdemokraten zurück, deren Abgeordnetenzahl kaum 40 Mann erreicht. Der frühere Ministerpräsident, der Sozialdemokrat Moraczewski, hat durch Dilettantismus, persönliche Unfähigkeit, mangelnde politische Orientierung, durch sein unbeschreiblich rohes Tolerieren der Pogrome die sozialdemokratische Partei in Polen zugrunde gerichtet. Der bürgerliche Paderewski zeigt immerhin mehr Humanität und persönliche Kultur. Das Judenproblem ist noch immer nicht gelöst. Die akuten Judenverfolgungen der Novembertage wichen einem zermürbenden, chronischen Kleinpogrombetrieb. Juden werden in Galizien in den kleinen Ortschaften, wie auch an der Peripherie, selbst der größeren Städte, vom Mob, soweit sie erkenntlich sind, wie wilde Tiere gehetzt, oft auf den Eisenbahnstationen, in den Eisenbahnzügen unbarmherzig geschlagen. Requisitionen und sogenannte Revisionen, wie sie letztens in Krakau, Rzeszow, Tarnow und vielen anderen Orten stattgefunden haben, nehmen sehr oft den Ärmsten ihr letztes bißchen Habe weg. Die Zeitungshetze gegen die Juden übersteigt alle Phantasie. Die öffentliche Meinung der sogenannten demokratischen Intelligenz hat kein Wort der Verurteilung angesichts der böswilligen Kampagne eines „Kurier Codzienny“, eines „Goniec“, eines „ Glos Narodu“. Juden bekommen prinzipiell bei der polnischen Kommission, die gegenwärtig die Funktionen der Statthalterei erfüllt, keine Erlaubnis zur Ausreise. Im Warschauer Parlament, wo 60 Bauern-Analphabeten sitzen und die überwiegende Mehrheit nicht einmal vollständige Mittelschulbildung hat, werden die jüdischnationalen Abgeordneten, geistig lauter hochwertige Persönlichkeiten, bei ihrem Auftritt mit Lärm und Hohn empfangen. Von den Sozialdemokraten findet niemand ein günstiges Wort für die Judenschaft Dr. Diamant, Dr. Liebermann, Dr. Felir Perl, der Redakteur des „Robotnik“ machen hierbei keine Ausnahme. Die polnischen Behörden in den galizischen Marktflecken lassen den Juden gegenüber ihrer Willkür die Zügel schießen. Es kommen Fälle vor, wo sämtlichen Juden Bärte und Seitenlocken abgenommen werden, so zum Beispiel in Nowe Miasto. Der wirtschaftliche Boykott, der sich in einer Benachteiligung oder auch im vollständigen Ausschluß der jüdischen Händler bei der Zuteilung von rationierten Lebensmitteln kundgibt, nimmt immer schärfere Formen an. Das Judentum soll programmäßig an den Bettelstab gebracht und zur Auswanderung gezwungen werden. Es wird daraus kein Hehl gemacht Die Warschauer

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