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Das jüdische Echo · 1919-03-21 · 12 (21.3.1919) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
12 (21.3.1919)
Date
1919-03-21
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten imiiiiiuiiiiiuiiiiiiaiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiuiMiMiiiiiiiiiiiiiniiimmiiimmiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiimimiiiiiiHiiiHiiiiiiimmiiiiiiimiiiiimiiiiiiiiimiiiiiiiiiimimiiiimiiniiimiiiiiiiiiiiiiii Nummer 12 München / 6. Jahrgang 21. März 1919 Der Sinn des 27. Februar. Von Leo Rosenberg. Am 27. Februar ist nicht der jüdische Staat, woM aber das jüdische Volk zu neuem Dasein erwacht. Die Mächte, in deren Hände das Schicksal der Welt gelegt ist, haben sein Recht auf Heimat und Zukunft anerkannt; sie haben seine Wiederaufnahme in die große Völkerfamilie ausgesprochen, aus der es vor zweitausend Jahren ausgestoßen wurde. Seinen Wiedereintritt in die Weltgeschichte. Wer wollte noch; heute diesem Volke Volkswürd'e, wer Volksrechte absprechen, da es ihm an diesem herrlichen Tage die ganze W elt zuerkannte? Wer es jetzt noch täte, wäre nicht mehr kleinmütig und treulos, sondern blind und taub. Wer noch heute im deutschen Lande, das selbst seine Zukunft aus den Händen jener Mächtigen empfängt, die des jüdischen Volkes Zukunft gewähren, sein eigenes Volkstum zugunsten des fremden verleugnen wollte, der wäre nicht mehr nur aller ehrbaren und: aufrechten Gesinnung, sondern auch aller Vernunft bar. Wer es noch nicht wußte, hatte es am 27. Februar aus dem Munde der Welt vernommen: Wir sind ein Volk, ein Volk. Wir haben ein Land, ein Land. Wir haben eine Zukunft, eine Zukunft. Verleugner eures Volkes, am 27. Februar hat eure letzte Stunde geschlagen. Jahrhundert der Selbstentäußerung und Selbstentwürdigung, am 27. Februar ist dein letzter Tag verdämmert. Aus dem gotteslästerlichen Munde des letzten Verräters seines Volkes am 27. Februar ist dein Schwanenlied erschollen. Die Idee der Assimilation ist tot. Des jüdischen Volkes Lebenswille triumphiert. Als nach siebzigjähriger Verbannung der Perserkönig Cyrus das Häuflein der Erlösungswilligen zur Rückkehr in die Heimat ermächtigte, da bedeutete dies nicht des Staates, sondern des Volkes Auferstehung. Auf den ersten Zug der Heimkehrer folgten, in eines Jahrhunderts Lauf, weitere Scharen. Die Tat des Cyrus, die nicht der Aufrichtung des verbannten Volkes, am wenigsten eines neuen jüdischen Staates, sondern der Befestigung der Persermacht im gefährdeten Grenzgebiet des Erobererreiches galt, erfährt durch seine Nachfolger wachsende Förderung. Ungehemmt, feindlichen und mißgünstigen Blicken entzogen, konnte sich die neue Volkskraft auf Judäas Boden entfalten. Die Persermacht zerbrach, zweihundert Jahre nach dem ersten Aufbruch, am Macedonier: der große Alexander, vor den Toren Jerusalems stehend, umschmeichelte das junge Volk. Auf die kaum ein Menschenalter währende Seleukidenberrschaft in Judäa folgten die ägyptischen Ptolmäer, die ein Jahrhundert über das jüdische Land gebieten. Ihnen folgten die Syrer; bereits dämmerte der Freiheit Tag. Die Makkabäer begannen und1 vollendeten das Werk. Simon ward Volksfürst, dessen Sohn, Jochanan Hyrkanos, Judäas König. Vierhundert Jahre nach der Rückkehr unter Serubabel, die 42 360 Judäer ins Land zurückführte, prangte der zweite Staat in stolzer Macht. Vierhundert Jahre nach der Begrüßung des „Messias“ Cyrus durch den Propheten saß auf dem Throne Davids ein Gesalbter aus d'em Hause Hasmonais. Mit dem herrlichen Schehecheianu- Spruch, nicht mit einer schwunghaften Ode auf den Befreier begrüßte Chajim Weizmann am 3. März des Jahres 1919 den neuen Tag. Nicht die Heimkehr von 42 360, sondern von 60 bis 70 000 Juden jährlich heischten die Serubabel und Nebemia von heute am 27. Februar von den Machthabern. Die Machthaber haben gewährt. Die politischen Voraussetzungen für das neue jüdische Gemeinwesen im Lande der Väter sind damit geschaffen. Der Rahmen, mächtig und unzerbrechlich, ist weitgespannt. Mit der Ermächtigung des Cyrus ging Serubabel zum Volk. Mit dem heiligen Auftrag des Völkerrates treten wir heute vor das Volk. Es gilt das Aufgebot letzter Kraft, das Erzittern der letzten Willensfaser, das Opfer ohne Maß. Der Rahmen der Freiheit ist gespannt, es gilt nun ihn auszufüllen. Nach siebzig Jahren der Verbannung haben unsere Väter die Stimme des Schicksals vernommen. Nach zweitausend Jahren der Verbannung erschallt heute wieder ihr eherner Ruf. Vernimmt ihn das Volk? Rüstet es zum dritten Aufstieg? Nicht 4 Jahrhunderte, 4 Jahrzehnte werden dann vergehen, bis der Thron Davids wieder aufgerichtet ist, Volk Israel, deine Erlösung ist heute ein Rechenexempel. Des Messias Verkünder sind heute nicht Propheten, sondern die Rechenkünstler. Und dies sei unseres Volkes Einmaleins: Zwanzigtausend Juden jährlich nach Palästina, in fünfzig Jahren eine Million — das Land jüdisch — dritter jüdischer Staat. Begreift es das Volk? Wird das Volk der guten Rechner diesen herrlichen Bilanzabschluß des zweitausendjährigen verlustreichen Galuthgeschäftes, das es an den Rand! des Ruins gebracht hat, herbeizuführen vermögen? Wir glauben an das Volk, denn sonst wäre der 27. Februar sinnlos. Wir glauben an das Volk, und so ist der Sinn des 27. Februar des Volkes und des Landes Befreiung. Wir glauben an den Tag Serubabels, und so sei der Tag des 27. Februar der Beginn der Erlösung. In allen Häusern Israels möge aber an diesem Tag das „Lied des Aufstiegs“ erklingen, das den Tag Serubabels begrüßte: Wenn zurückführen wird der Herr die Gefangenen Zions, Dann sind wir wie die Träumer. Dann wird voll des Lachens unser Mund, Des Jubels unsere Zunge. Alsdann sprechen die Völker: Gar Großes tat der Herr an diesen! Gar Großes tat der Herr an uns. Wie sind wir froh!

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