Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 11 (14.3.1919)
- Date
- 1919-03-14
- Page
- Seite 143 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 Das Jüdische Echo 143 schafttic her Elemente in den ökonomischen Organismus unserer Kolonien hätte man wieder einen Zustand geschaffen, wie er in jener „guten alten Zeit“ der „baronischen“ Administration bestand. Die Herren — sie sind in den Kreisen der schreibenden Intelektuellen der jüdischen Arbeiterorganisationen in Palästina zahlreich vertreten — sollten endlich einsehen, daß es geradezu unsinnig wäre, von einem kleinen, auf seine Wirtschaft allein angewiesenen Grundbesitzer und Bauer zu verlangen, er solle aus idealen Gründen dem weniger geübten und bedeutend teureren Arbeiter den Vorzug geben vor dem fähigeren und billigeren. Nein, ein wirtschaftlicher Kampf muß nun einmal auch auf wirtschaftlichem Boden ausgefochten werden. Auf dem wirtschaftlichen Boden besteht aber für den jüdischen Arbeiter gar keine Aussicht auf Sieg. Wie oben auseinandergesetzt, ist der arabische Arbeiter für keine Konkurrenz angreifbar. Auf welchem Wege sollen nun günstige Bedingungen für jüdische Arbeit geschaffen werden? Stehen wir vielleicht vor einer unlösbaren Aufgabe? Müssen wir endgültig auf jüdische Arbeit verzichten und uns mit der Tatsache abfinden, daß jüdisches Geld und arabische Arbeit Erez Irsael der Kultur und dem jüdischen Volke zurückgewinnen werden? — Aus der richtigen Erkenntnis der gegebenen Verhältnisse und der unumgänglichen Notwendigkeiten erwuchs in den leitenden Kreisen die Überzeugung, daß hier neue Wege gesucht und gefunden werden müssen. Man fand sie auch bald. Ein neuer Kurs in der palästinensischen Kolonisationstätigkeit wurde dadurch angebahnt, daß man endgültig auf die Schaffung einer jüdischen Lohnkslaverei verzichtete und1 alle Kraft und alles Streben darauf richtete, einen Stand grundbesitzender jüdischer Landarbeiter ins Leben zu rufen. Durch eine glückliche Synthese zwischen Landarbeit und Landbesitz soll der neue Typus eines nach Selbständigkeit strebenden und zur Selbständigkeit prädestinierten Landarbeiters geschaffen werden, dem die Lohnarbeit nur ein Mittel ist, — um sich von ihr allmählich zu emanzipieren und zur ersehnten Unabhängigkeit zu gelangen. Dieser wahrhaft großartige und erlösende Plan kann nun auf zwei verschiedenen, ja entgegengesetzten Wegen in Wirklichkeit umgesetzt werden: Durch Schaffung von Großbetrieben auf genossenschaftlicher Basis oder durch die Gründung von kleinen und kleinsten Betrieben auf Grundlage des Individualbesitzes. Den ersten Weg schlug der offizielle Zionismus ein. als er auf dem 9. Kongreß in Hamburg einstimmig den Oppenheimerschen Plan einer Siedlungsgenossenschaft akzeptierte; während in entgegengesetzter Richtung jene merkwürdige Institution vorging, die mit sehr geringen Mitteln und in engen Umrissen wahre Großtaten auf kolonisatorischem Gebiet vollbracht hat — das Odessaer Komitee, indem es durch Gewährung langfristiger Kredite an erprobte Landarbeiter die mustergültige und sich glänzend bewährende Arbeitersiedlung En-Gannim um 1908 ins Leben rief. Da man aber kaum an diesen beiden Methoden und Richtungen zugleich festhalten kann, so wird man wohl über kurz oder lang vor die Notwendigkeit gestellt werden, eine Wahl zu treffen, welche nun von diesen beiden, ein gemeinsames Ziel verfolgenden, aber wesentlich entgegengesetzten Siedlungsformen die richtige ist und mehr Aussicht auf Erfolg in nächster Zukunft hat — diese Frage glaube ich in einer größeren Arbeit über den „Landwirtschaftlichen Kleinbetrieb, zur Frage der feldwirtschaftlichen Ansiedlung in Palästina im allgemeinen, und der Landarbeitersiedlung im besonderen“ der Lösung nähergebracht zu haben. Die Konferenz der Orthodoxie in Zürich. (Schluß.) Holländer, Kopenhagen, als Korreferent, schilderte zuerst, um den bisher erhobenen Vorwürfen, daß die Orthodoxie nichts für Erez Jisroel getan habe, zu begegnen, alles das, was sie für das heilige Land geleistet habe und behauptete, daß erst ihre Arbeit das Programm der Zionisten ermögliche. Die Orthodoxie habe die Menschen dort durch ihre Gaben erhalten. Ohne diese Menschen hätten die Zionisten dort nicht arbeiten können. Freilich galten die Pläne des Zionismus für uns vor dem Kriege nur als Luftschlösser. Wer hätte geglaubt, daß die politische Konstellation so kommen würde, aber im Augenblick, da die Möglichkeit vorhanden war, schlugen die Herzen der Gesetzestreuen höher. Aber wir sind auch früher in Palästina tätig gewesen. Aus Petachtikwah spricht der thoratreue Geist. Wir wissen nicht, was der Friedenskongreß beschließen wird', aber auf gesetzestreuer Grundlage muß Neues geschaffen werden. Es muß deshalb ein Palästina-Amt geschaffen werden, ein großes Informationsbüro, wo alle Fäden zusammenlaufen, und wo auch die Möglichkeiten untersucht werden können. Wir haben genug Kohle (!) und Wasserkraft da* aber es muß ausgebeutet werden; zu allem aber ist Geld erforderlich und deshalb schlagen wir die Gründung einer jüdischen Handels- und Siedlungsbank vor mit Hauptsitz in London, weil diese Stadt in Zukunft der politische Mittelpunkt sein wird. Das Kapital muß in wenigen Tagen aufgebracht werden; denn nur dann kann die Konferenz etwas Positives leisten, wenn das finanzielle Rückgrat gebildet ist. Folgende Resolution wurde angenommen: 1. Die Weltkonferenz der jüdisch-orthiodoxen Verbände in Zürich beschließt die Gründung einer Jüdischen Handels- und Siedlungsbank mit dem Hauptsitz in London unter gleichzeitiger Errichtung einer Filiale in Palästina. Die Weltkonferenz hat den festen Willen, durch kraftvolle Propaganda der ihr angeschlossenen Verbände in den kommenden Monaten die Mittel aufzubringen, damit die Bank ihre Tätigkeit auf finanziell gesicherter Grundlage beginnen kann. 2. Die Weltkonferenz der jüdischen orthodoxen Verbände in Zürich erkennt die zwingende Notwendigkeit der Begründung einer „Zentralstelle für die „Palästina-Arbeit“ an. Ein derartiges Palästina-Amt hat unter anderen, die wichtige Aufgabe, ein Informationsbureau zu errichten, Studienkommissionen zu entsenden und die Emigration vorzubereiten. Herr Jacobsohn, Zürich, gab bekannt, daß die Agudas Jisroel Jugend-Gruppe aus eigenen Mitteln, um den hochverdienten Führer der Agudah, Herrn Jakob Rosenheim zu ehren, eine Kolonie in Erez Jisroel unter dem Namen „Gau Schauschanas Jaakauw, Jakob Rosenheim-Kolonie“ zu gründen beschlossen hat Herr Dt. Hoffmann, Berlin, behandelte unter Vorführung von Tabellen die hygienische Frage