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Das jüdische Echo · 1919-02-21 · 8 (21.2.1919) · p. Seite 100

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
8 (21.2.1919)
Date
1919-02-21
Page
Seite 100 (sequence 12)
Language
German
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100 Das Jüdische Echo Nr. S schießen, soll sie nicht vom Gesamtjudentum isoliert bleiben. Sie muß erklären, daß sie die neue Epoche mitmachen will. Diese Epoche im Zeichen der Politisierung des Judentums, — und das bedeutet Nationalisierung! Nur Nationen, Volkskörperschaften führen jetzt Politik. Die Nationalisierung des Judentums ist ein realpolitisches Erfordernis, nicht Gegenstand unfruchtbarer Diskussionen über den Begriff Nation, Volk, Konfessionsgemeinschaft usw. Das Judentum, dieses Phänomen der Weltgeschichte, ist so einzigartig, daß es mit einer modernen Formel nicht erschöpfend definiert werden kann. Das Bedenken, daß das Bekenntnis zum jüdischen Volkstum nicht im Einklang mit dem Patriotismus stünde, ist ein spezifisch deutsch-jüdisches und hängt mit dem nunmehr überwundenen altpreußischen Staatsbegriff zusammen, der eine Verknüpfung der Staatsbürger mit außerhalb des Staates liegenden Sphären nicht zuließ. In freien Ländern herrschen solche engbegrenzten Auffassungen nicht vor. Sind denn die englischen und amerikanischen Juden, die sich zu den jüdisch-nationalen Forderungen bekannt haben, etwa keine guten Patrioten? Wir geben uns der Hoffnung hin, daß auch die deutschen Juden den Weg zum lebendigen Judentum gehen werden. In dem Kongresse werden sie ihren Anschluß an die geeinte jüdische Volksgemeinschaft vollziehen!“ Die mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen des Referenten machten ersichtlich einen tiefen Eindruck auf das zahlreiche Publikum, in dem man auch viele Mitglieder des „Centralvereins“, der Logen und anderer jüdischer Organisationen bemerkte. In der anschließenden Debatte erklärte u. a. ein alter Veteran des „Centralvereins“, Herr H o f s t a e d t. er sei ein heißer deutscher Patriot, habe den Krieg 1870 als Freiwilliger mitgemacht, gehöre zu den ältesten und aktivsten Mitgliedern des „Centralvereins“, er bekenne sich jedoch uneingeschränkt zur Solidarität der jüdischen Gemeinschaft und zum jüdischen Kongreßgedanken. Gleichzeitig lud er Herrn Goldmann ein, auch im „Centralverein“ den Kongreßpton zu behandeln, und stellte dabei seine tatkräftige Mitwirkung in Aussicht. Herr K a r e s k i wies sodann in eindringlichen Worten auf die welthistorische Bedeutung der gegenwärtigen Schicksalsstunde für das iüdische Volk hin. Nachdem noch Herr Goldmann in Erwiderung auf die Einladung des Herrn Hofstaedt bemerkte, daß er und die anderen Verfechter der Kongreßidee auf die Gelegenheit warteten, sie in den Kreisen des „Centralvereins“ erörtern zu können, schloß der Vorsitzende, Herr Dr. Albert G o 1 d b e r g, die eindruckvoll verlaufene Versammlung, aus deren Mitte mehrere hundert Personen ihre Zustimmung zum jüdischen Kongreß schriftlich erklärten. Pforzheim. Nachdem bereits vor 8 Tagen in Pforzheim eine zionistische Propagandaversammlung stattgefunden hatte, sprach am 6. Februar Herr Dr. Rosenfeld-Karlsruhe über den Zionismus nach dem Kriege. Der Redner fand für seine sachlichen Ausführungen starken Beifall. In der Diskussion sprach von antizionistischer Seite Herr Lehrer Sommer, der in gewundenen Ausdrücken den Standpunkt des Zentralvereins verteidigte. Von zionistischer Seite sprach Herr L. Lichtinger aus Stuttgart, der auch die Assimilierung des Gottesdienstes -an die Kirchen betonte; an die Jugend wandte sich in kurzen Worten Herr J. Preßburger, der zufällig in Pforzheim anwesend war. Weiter beteiligten sich an der Diskussion die Herren Metzger und Stern, welch letzterer die Denkweise der Pforzheimer Assimilanten klarlegte. Hierauf wurde zur Gründung einer Ortsgruppe geschritten, zu der sich von den anwesenden ca. 130 Personen annähernd 60 anmeldeten. In den Vorstand wurden gewählt u. a. Stern, Kaplanski als Vorsitzende, Dr. Sommer alfe Schriftführer, Frl. Sommer, N. F. Sehr., Herr Schauer, Kassier. Regensburg. Dienstag, den 11. Februar 1919, abends 8 Uhr, fand in der Regensburger zionistischen Vereinigung ein Vortragsabend mit Diskussion statt, an dem Herr Direktor Kareski aus Berlin in inhaltlich überzeugender und äußerlich formvollendeter Weise vor relativ zahlreichen Zuhörern über die Forderungen des jüdischen Volkes an den Friedenskongreß spracht In der nachfolgenden Diskussion sprachen dagegen die Herren Rgr. Isaak Meyer und Herr Jakob Meyer, dafür Frau Dr. Paula Weiner. Als Resultat des. Abends sind 6 Neuanmeldungen von Mitgliedern zu verzeichnen. —r. Würzburg. Kürzlich hatte die neu gegründete Zionistische Ortsgruppe die erste öffentliche Versammlung einberufen. Herr Georg Kareski- Berlin sprach vor einem für hiesige Verhältnisse sehr zahlreich erschienenen Publikum über die „Forderungen des jüdischen Volkes“. Der Redner gab ein anschauliches Bild der Entwicklungsgeschichte des jüdischen Volkes, der Zeit der Judenemanzipation, des geistigen Antisemitismus der 80er Jahre und kam dann auf die heutige Lage zu sprechen. Er sieht nur eine Lösung des Problems: Bejahung des jüdischen Volksgedankens, die treueste Erfüllung unserer Staatsbürgerpflichten in keiner Weise ausschließt. Alsdann legte er die Forderungen des jüdischen Volkes auf der Friedenskonferenz dar, die von den Juden aller Länder anerkannt sind. Wir erwarten auch von den deutschen Juden, daß sie mithelfen an den Aufgaben des jüdischen Volkes, an dem Aufbau Palästinas. — Die sich anschließende rege Diskussion mußte leider wegen Eintritt der Polizeistunde abgebrochen werden. Reicher Beifall lohnte die begeisterten Worte des Redners, der im Schlußwort noch die Einwände der Gegner überzeugend widerlegen konnte. Nürnberger Spendenausweis. Nationalfonds: Just. Vorhaus anl. d. Hochzeit s. Sohnes M. 50.—. Agatha Loewi, Adelsdorf i. Oberfranken anläßlich d. Todes ihres Mannes M. 5.—. Justin Selling, Lehrberg anläßlich seiner Verlobung 5.—. Dr. Martin Levin, Nürnberg, bezahlter Friedensscheck: 100.—. J. Sternau, Neustadt a. Aisch 5.—. Philipp Heymann Garten: Ad. Schuhmann u. Fr. dank. d. Vorstandsch. d. Z. Ogr. Nbg.- F. sowie den Gesinnungsgenossen f. d. Glückwünsche 1 Baum M. 6.—. Dr. Heinrich Schwab-Garten: Aus Anlaß des Ablebens der Frau Fränkel pflanzt der Jüd. Turn- und Sport-Verein 3 Bäume M. 18.—„ Gesammelt b. einer Vorstandssitzung auf den Namen von Frau Klara Fränkel je 1 Baum: Dr. Elias Straus, Theo Harburger, Apotheker Lewin, Ludw. Langenbach, Jos. Schachno, Dr. Siegbert Feuchtwanger, Elis., Michel u. Hermann Mahler, Dr. L.

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