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Das jüdische Echo · 1919-01-24 · 4 (24.1.1919) · p. Seite 45

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
4 (24.1.1919)
Date
1919-01-24
Page
Seite 45 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 4 Das Jüdische Echo 45 Diese schleswig-holsteinische Bodenständigkeit, die uns im Anfang des Buches angekündigt wird, gerät später beim Autor in Vergessenheit. Nie mehr wird auch nur irgend eine Beziehung des hünenhaften Privatdozenten zu Vater, Mutter, Heimat oder Geschwister erwähnt Sollte der Verfasser selbst sich auif so schwankenden Boden nicht getraut haben? Dieser Siegfried-Carl hat zur germanischen Blondheit auch eine hübsche Portion germanischer Naivität mit auf den Weg bekommen, denn erst in Berlin nach einjähriger Militär-, mehrjähriger Studienzeit in Süddeutschland und dreijähriger Weltreise begegnet er dem Judenhaß. Künstlerisch gänzlich verfehlt ist die Begründung dieses plötzlichen „Sehendwerdens“. Nicht etwa eine persönliche Enttäuschung oder ein Angriff auf Nahestehende, eigentlich nichts weiter als die jammervollen Tiraden eines widerwillig geduldeten Gefährten und das allgemeine Unbehagen, das ihn in der Gesellschaft von jüdischen Kriechern und ihren arischen Ausbeutern ergreift, lassen ihm den Antisemitismus zum Erlebnis werden. Das ist völlig unpsychologisch und darüber hilft auch die Tatsache nicht hinweg, daß die Äußerungen über die Verkommenheit der Objekte wie der Subjekte dieses Haßempfindens ehrlich empfunden sind. Hier leiht der Autor einem Geschöpf Worte, die treffend und warm den Schmerz über diese Zustände wiedergeben und — auch das ist richtig gesehen — den Schmerz, den der deutsche Jude in erster Linie als Deutscher empfinden muß. „Auf dem Nacken des Juden sitzt die Furcht, mit unsichtbaren Peitschenhieben jagt sie ihn daher. Wähnt er die grause Reiterin abgeschüttelt zu haben, so kauert sie harrend auf den Wegstemen, oder grinst ihn aus hohlen Augen von Bäumen und Grenzpfählen an. Sie bereitet ihm das Lager, sie reißt ihm allmorgendlich die Decke vom Körper, sie bricht ihm das Brot, sie mischt ihm den Trunk, steht höhnend zwischen ihm und der übrigen Menschheit! Allenthalben schleicht die Furcht, gleitet die Furcht — ihr gesellt sich1 auf leisen Sohlen das Mißtrauen bei und die Ironie: Dieses gespenstische Drillingsgezücht weicht und wankt nicht, ihre grauen Schattenfinger wirken das Gewand, das der Jude über die verkümmerten Glieder streift. Wimmernd und frierend hüllt er sich in das traurige Gewebe, um seine trostlose Nacktheit vor den Widersachern zu verbergen! Das alles verschulden die anderen, und wenn es auch kein Blut verbrechen ist, so beladen sie ihr Gewissen dennoch mit einem gewaltigen Unrecht, so vergiften sie die Seelen von Tausenden!“ Aber auch hier sieht der Verfasser die Zusammenhänge nicht. Wer den deutschen Antisemitismus richtig beurteilen will, darf ihn nicht als Einzelerscheinung betrachten. Er ist vielmehr nur eine Äußerung der Auffassung bisher herrschender deutscher Kreise, daß alle Menschen, Völker und Rassen, die anders sind als die deutsch-germanische, absolut oder relativ minderwertig seien. Diese Überhebung ist einer der Faktoren, die den Zusammenbruch Deutschlands herbeigeführt haben, ein Zusammenbruch, aus dem heraus hoffentlich ein neues Deutschland erstehen wird, dem die ehrliche Wertung anderer ein Mittel zu nationaler Selbsterziehung ist. Damit wird naturgemäß auch der Judenhaß bis zu gewissem Grade überwunden werden. Aber dazu können die Juden selbst verhältnismäßig wenigtun. Unsere Arbeit muß auf anderem Gebiete liegen. Sie muß nämlich versuchen, die Juden gegen die Wirkungen dieses Hasses immun zu machen. — Verachtung muß nicht notwendigerweise Selbstverachtung, Haß nicht sinnlose Angst erzeugen. Nur die schwache Pflanze läßt sich vom Sturm entwurzeln, der Baum, der fest im Erdboden steht, trotzt ihm. Von diesem geistigen Erdreich des Judentums und der jüdischen Gemeinschaft weiß der Verfasser aber nichts. Er weiß nicht, warum die Ghettomauern, Verfolgung, Mord und Raub nicht vermochten, was den kleinen Nadelstichen des gesellschaftlichen Staatsantisemitismus gelungen ist, nämlich die Seelen zu vergiften. Es ist falsch, wenn er sagt „das alles verschulden die anderen“. Nein, die Leere und Stumpfheit der jüdischen Bourgeoisie, ihre Losgelöstheit von aller historischen Entwicklung ist schuld, und keine schleswig-holsteinische Pseudobodenständigkeit, keine Proteste in mehr oder minder künstlerischer Form schaffen die Abhilfe. Es gibt nur eins: daß sie in der Arbeit um Erkenntnis und Erlebnis echter und ihrer geistigen Struktur naheliegender Kulturwerte gefestigt werden, in sicherem Selbstgefühl über Verachtung Hachen lernen und den Haß kräftig und durchgreifend bekämpfen. Noch einen großen Fehler hat dieser Sittenroman. Die soziale Struktur des gesellschaftlichen Berliner Lebens ist schief gezeichnet. Der Militäradel ist in seiner Gesamtheit bis zu diesem Augenblick erheblich reicher gewesen als das jüdische Bürgertum. Wenn diese beiden Kreise sich überhaupt berührten, dann nur an der Peripherie und zwar dort, wo von beiden Seiten die minderwertigsten Elemente abgestoßen wurden. Der Verfasser hat sichs allzu lleicht gemacht, wenn er anstatt Sittenschilderung nur die Karrikatur einer solchen gibt. Gemeindenu.Vereins-idio Zionistische Ortsgruppe München. Am 16. Januar sprachen im großen Konzertsaal des Hotel „Vier Jahreszeiten“, der die Menge der Zuhörer kaum fassen konnte, die Herren Dr. Arthur Ruppin, Dr. Theodor Zlozisti und Julius Berger über „Das jüdische Palästina“. Ausführliche Auszüge aus den Referaten werden als Sonder- Ausgabe des „Jüdischen Echo“ erscheinen. Stürmischer Beifall dankte den Rednern. Der große Erfolg des Abends war auch durch den Umstand gekennzeichnet, daß eine beträchtliche Zahl neuer Mitglieder unter dem Eindruck des Gehörten ihren Beitritt zur zionistischen Ortsgruppe erklärten. Nationalfond. Von anwesenden Gästen anläßlich eines Pidjon ha Ben bei Frau Veit geb. Zinn durch Herrn Honig M. 20.—. Gesammelt bei der Verlobung Rakower-Wildmann durch Herrn Honig M. 25.—. — Hanny und Jacob Reich gratulieren Lilly und Arnold Marie herzlich zum Sohn und pflanzen auf dessen Namen Omai David 1 Baum. Der Verein Bne Jehuda gratuliert den Chaverim Sali Eppstein und David Tennenbaum zu ihrer Vermählung und Leser Schindler zur Verlobung, M. 3.—. Lisi Koronczyk s. A. Garten: Zur Verlobung Rakower-Wildmann von Farn. Scheinmann 1 Ölbaum: M. 6.— Farn. Zinn aus Freude über die Genesung von Frl Anni Rakower 1 Ölbaum: M .6.—. Frau Rakower zur Genesung ihrer

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