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Das jüdische Echo · 1919-01-10 · 2 (10.1.1919) · p. Seite 21

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
2 (10.1.1919)
Date
1919-01-10
Page
Seite 21 (sequence 10)
Language
German
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Nr. 2 Das Jüdische Echo 21 Einer aus der Menge: Der Grabstein von Reb Judel hat sich der Länge nach hingelegt. Er will den Toten nicht liefen lassen neben Reb Judel. Ein zweiter: Die Erde will ihn nicht zu sich nehmen! Einige aus der Menge: Was soll man tun? Eine Stimme: Schweigt, der Rabbi kommt (Auf dem Weg jenseits des Zaunes sieht man helleuchtende Laternen, später drei Greise mit weißen Bärten und hohen Pellzmützen. Der mittlere, der älteste, geht die eine Hand gestützt auf einen Stock, die andere gestützt auf seinen Diener. Sie treten ein, gehen an dem Toten vorüber, blicken verwundert und erschreckt auf die kniende Frau, gehen schnell weiter, treten an die offene Grube und beginnen zu beraten. Man hört sie flüstern. Die Menge stellt sich um sie. Schweigen.) Der Rabbi (nach kurzer Beratung mit dem Dajanim sich der Menge zuwendend): Brüder, wir haben beschlossen und uns also geeinigt: damit der Tote zu einem jüdischen Grab komme, soll jeder von uns ihm eine seiner gottgefälligen Taten abgeben, daß sie ihm angerechnet werde in der ewigen Welt. Ich gebe ihm zwanzig Talmudseiten, die ich gelernt habe. Der erste Dajan: Ich tret‘ ihm einen Sabbatsegen ab. Der zweite Dajan: Ich geb‘ ihm ein Jomkipurfasten. Einer aus der Menge: Ich ein Morgengebet. Ein zweiter: Ich ein Kapitel Thilim. Ein dritter: Ich ein Stück Raschi! .... Der Rabbi: Genug! (Zu den Totengräbern.) Versucht zu graben! (Die Totengräber beginnen zu graben. Man hört, wie die Schaufel an einen Stein schlägt.) Der ältere Totengräber: Der Stein rührt sich nicht vom Ort. (In der Menge wird es still. Der Rabbi und die Dajanim halten Rat. Eine große Furcht legt sich auf die Menge. Man hört nur ein leises Flüstern in der Gruppe neben der Grube.) Erster Dajan: Vielleicht hat der Tote die Gerechten und Reinen beleidigt, die da ruhen unter den Flügeln der Heiligkeit. Der Rabbi (wendet sich zu den Gräbern, mit heiserer, stockender Stimme): Ihr, die ihr ruhet unter den Flügeln der göttlichen Heiligkeit, vielleicht hat euch der Tote beleidigt zu seinen Lebzeiten, so flehe ich euch denn an, im Namen des Toten und im Namen von ganz Israel, nehmt ihn unter euern heiligen Schutz! Und ihr, Reb Judel, der ihr im Leben nichts gegeben habt auf Ehrung, werdet gewiß nicht bestehen auf Ehrung nach eurem Tode! Laßt ablösen seine Schuld durch euere großen Verdienste und Haßt ihn teilhaftig werden euerer Fürsprache! (Die Menge schweigt. Aus der Entfernung hört man das leise Weinen der Frau in Schwarz.) Der Vorsteher (zu den Totengräbern): Steigt hinunter und grabt! (Die Totengräber ergreifen die Schaufeln und beginnen zu graben. Man hört, wie Eisen an den Stein schlägt.) Der ältere Totengräber: Der Stein liegt und rührt sich nicht. Wohin man die Schaufel wendet stößt sie auf Stein. (Der Rabbi und die Dajanim halten wieder stillen Rat. Die Menge schweigt.) . „ „ Der Rabbi (sich: zur Erde wendend:): Erde, Ouelße alles Lebens* von der alles kommt, zu der alles geht, vielleicht hat dich der Tote zu Lebzeiten beleidigt, so flehe ich dich an in seinem Namen und im Namen von ganz Israel, laß ein den Toten bei dir, denn wie steht geschrieben: Von Staub ist der Mensch und zu Staub wird er, und zur Erde kehrt er zurück. (Pause des Schweigens. Die Totengäber beginnen von neuem zu graben, man hört bald! wieder das Aufschlagen des Eisens auf einen Stein.) Der ältere Totengräber: Der Stein rührt sich nicht. (Furchtbar beklemmendes Schweigen. Von weitem hört man noch immer das stille Weinen der Frau in Schwarz.) (Schluß folgt.) Gemeindenu.Vereins-£cho (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus Gemeinden und Vereinen und von Personalnaohriohten,die In diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höflichst eingeladen.} München. Der Verwaltungsausschuß der hiesigen Kultusgemeinde hat in seiner Sitzung vom 7. Jan. Herrn Rechtsanwalt Dr. Karl Ostreich als zweiten Vorstand gewählt. — Gleichzeitig wurde auf Grund des in Nr. 49 wiedergegebenen, auf Antrag der Zionistischen Ortsgruppe und des Vereins Obel Jakob erlassenen Bescheids der Regierung, der früher gefaßte Beschluß, wonach die Wahlen aufgeschoben werden sollten und nur ein Drittel des Ausschusses ausscheiden sollte, aufgehoben. Es wurde beschlossen, spätestens im April d. J. eine Neuwahl des gesamten 18gliedrigen Ausschusses, sowie der Ersatzmänner und Revisoren vorzunehmen. Dem neugewählten Kollegium soll als erste Aufgabe die Revision der Gemeindestatuten übertragen werden. (Wir behlalten uns vor, zu diesem Beschluß, wonach die Neuwahlen auf Grund des bisherigen Statuts, also ohne Verhältniswahlrecht, stattfinden sollen, in unserer nächsten Nummer Stellung zu nhmen. D. Red.) München. In einer von der Münchener Zionistischen Ortsgruppe am 4. d. Mts. veranstalteten Versammlung ersattete Herr Privatdozent Dr. Adolf F r ä n k e 1 einen Bericht über den 15. Delegiertentag. Als zweiter Redner trat Herr Kare s k i - Berlin auf, der sich namentlich über die Kongreßfrage verbreitete. In einer darauffolgenden sehr anregenden Debatte nahm Herr Jakob Reich gegen die Einberufung eines jüdischen Kongresses in Deutschland Stellung. Für uns, meinte der Redner, gebe es in diesem entscheidenden Moment nur eine Art öffentlichen Auftretens und Wirkens: als Zionisten im Namen des Zionismus. Es liege kein Grund vor, die Zionsfahne einzurollen. Eine von Herrn K a r e s k i vorgeschlagene Entschließung für den Kongreß gelangte zur Annahme. In längeren Ausführungen nahm Herr Dr. E. Straus zu den verschiedenen auf dem Delegiertentag zur Erörterung gelangten Fragen Stellung, wobei er sich namentlich gegen die von zionistisch-sozialistischen und radikalen Kreisen geforderte Sozialisierung in Palästina und für eine organische Sozialreform im Sinne des alten Judentums aussprach. Die Ortsgruppe München des Jüdischen Frauenbundes hatte am 2. Januar nachmittags im Bayer. Hof eine jüdische Frauenversamm-

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