Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 1 (3.1.1919)
- Date
- 1919-01-03
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9072829-9102975-9148119--02549-9075369- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis: Vierteljährig Mk 1.—, Halbjährig Mk. 2.—, Ganzj. Mk. 4.—, Einzelnummer 10Pi.—Verlag,Auslieferung und Schriftleitung des „Jüdischen Echo“: München, Herzog Maxstr. 4. Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 40 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Anzeigenannahme: Verlag des „Jüdischen Echo“, München, Herzog MaxstraBe 4. Fernsprecher: 53099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 1 München / 6. Jahrgang 3. Januar 1919 Eine Erklärung der Bayerischen Volkspartei. Durch das General-Sekretariat der Bayerischen Volkspartei wird uns die nachstehende Erklärung: der Landes Vorstandschaft dieser Partei zur Veröffentlichung: übermittelt: München, den 31. Dezember 1918. Die Stellung: der Bayerischen Volkspartei zum Judentum ist scharf Umrissen durch Punkt 4 des Partei-Programms: „Die Bayerische Volks Partei verlang: t volle Freiheit aller Konfessionen und ihrer Einrichtungen, sowie gleichmäßige Berücksichtigung der Anstalten und A n - gehörigen aller Konfessionen, insbesondere bei Bereitstellung öffentlicher Mittel und bei Verleihung öffentlicher Amter.“ Die „Bayerische Volkspartei“ weiß sich vollständig frei von jedem Antisemitismus. Sie fordert für ihre jüdischen Mitbürger die gleiche religiöse, bürgerliche, wirtschaftliche und politische Betätigungsfreiheit wie für die Anhänger aller anderen Bekenntnisse. Wenn aus mißverstandenen Äußerungen der Partei-Presse der „Bayerischen Volkspartei“ antisemitische Tendenzen zugeschrieben werden, so ist darauf hinzuweisen, daß diese Angriffe sich nicht gegen unsere jüdischen Mitbürger in ihrer Gesamtheit richten, sondern veranlaßt sind durch d!as unberechtigte allzu starke Hervortreten bestimmter jüdischer Persönlichkeiten in der derzeitigen Regierung des bayerischen und deutschen Volkes, sowie durch Akte wirtschaftlicher Ausbeutung, welche sich einzelne Juden in der schwersten Zeit unseres Vaterlandes gegen unser Volk zu Schulden kommen ließen. Das Parteiprogramm der Bayerischen Volkspartei“ bietet eine so breite Plattform, daß die Juden, die guten Willens sind, Raum und Gelegenheit zu aufbauender Tätigkeit in unserem Staatswesen in den Reihen der „Bayerischen Volkspartei“ finden. Wir begrüßen gern und herzlich jeden Mitkämpfer jüdischen Glaubens, der unser Parteiprogramm annehmen will. Die Landesvorstandschaft der Bayerischen Volkspartei. Zu dieser, durch unsere offene Anfrage an die Bayerische Volkspartei in Nr. 50 unseres Blattes veranlaßten Äußerung des Parteivorstandes haben wir Folgendes zu bemerken: Wir stellen gerne fest, daß der Parteb^rstand „jeden Antisemitismus“ ablehnt und „die gleiche religiöse, bürgerliche, wirtschaftliche, und politische Betätigungsfreiheit“ für Juden wie für Christen fordert. Gleichzeitig müssen wir aber zu unserem Bedauern konstatieren, daß diese Grundsätze in der Parteipresse sowohl wie in zahlreichen Reden von Parteivertretern ständig mißachtet und verleugnet werden, Hierbei handelt es sich keineswegs um „mißverstandene Äußerungen“ — es wäre ein Leichtes, eine Blütenlese aus den journalistischen Leistungen des „Kurier“ während der letzten zwei Monate zu veranstalten, die den klaren Beweis für die sehr unmißverständliche „antisemitische Tendenz“ dieses Parteiblattes erbringen würde. — Stünde die Partei ehrlich auf dem Standpunkt der „politischen Betätigungsfreiheit“ für die Juden, so dürfte sie ihren Kampf „gegen die jüdischen Persönlichkeiten in der derzeitigen Regierung“ nicht ausschließlich oder doch vorwiegend mit Waffen aus der Rüstkammer des Antisemitismus führen. Und erkennt sie den Juden wirklich die volle Gleichheit und Freiheit ihrer „wirtschaftlichen Betätigung“ zu, so darf sie nicht Mißstände, die sich bei der durch die Kriegsverhältnisse gelockerten Wirtschaftsmoral in allen Kreisen des Volks — in Stadt und Land, in Landwirtschaft, Industrie und Handel — zeigen, durch einseitige Hervorhebungen von Verfehlungen auf jüdischer Seite, zum Anlaß offener oder versteckter antisemitischer Angriffe nehmen. Solange die Bayerische Volkspartei eine solche Kampfesweise ihrer Presse duldet, kann sie nicht erwarten, daß jüdische Wähler, mögen sie noch so „guten Willens“ sein, in größerer Zahl in ihre Reihe treten. Nicht Parteiprogramme, sondern Handlungen entscheiden! Ist es der Bayerischen Volkspartei Ernst um den vierten Punkt ihres Parteiprogramms, so möge sie das durch die Tat erweisen und den Hetzereien ihrer Preßorgane ein Ende bereiten. Jüdische Gemeinde und Ostjuden. Wir erhalten folgende Zuschrift: An die Redaktion des „Jüdischen Echo“ Hier. Ein ungenannter Briefschreiber, der im Namen sämtlicher deutscher Juden zu sprechen sich erkühnte, hat in Nr. 356 des „Bayerischen Kurier“ vom 23. Dezember 1918, dessen feindselige Haltung gegenüber den Juden zur Genüge bekannt ist, dem „Bayerischen Kurier“ für seine Haltung