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Das jüdische Echo · 1918-12-13 · 50 (13.12.1918) · p. Seite 618

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
50 (13.12.1918)
Date
1918-12-13
Page
Seite 618 (sequence 10)
Language
German
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618 Dis JSdlsch« Echo Nr. 50 Gemeindenu. Vereins-Echo (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus Gemeinden und Vereinen und von Personalnaohriohten, die In diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höfiiohst eingeladen.} Nürnberg. Am 30. November veranstaltete die Zionistische Ortsgruppe den zweiten Vortrag in ihrem Zyklus über den Palästinaged'anken. Herr Dr. Bamberger, der die zahlreich besuchte Versammlung eröffnete, protestierte zunächst gegen die antizionistische Erklärung der drei Verbände mit ihrer denunziatorischen Tendenz. Darauf sprach Herr Dr. Nußbaum über „Theodor Herzl und sein Werk“. Er schilderte zunächst den Lebensgang und die Persönlichkeit Herzls, die Entstehung des Judenstaates und die Geschichte von Herzls Fiihauslöste, insbesondere ging er auf den Gegensatz Strömungen die Herzls Wirken bei den nicht zionistischen Juden sowie innerhalb des Zionismus auslöste, insbesondere ging er auf den Gegenzwischen der politischen Forderung Herzls auf Rettung des Judenvolkes und der kulturellen Achad Haams auf Rettung des Judentums ein. In der Diskussion stellten die Herren Dr. Sinaner und Dr. Tachauer die Forderung der Einheit des gesamten Judenvolkes auf nationaler Grundlage auf. Frau Justizrat Dr. Dormitzer verlangte Einigkeit aller deutschen Juden im Kampf gegen den Antisemitismus, worauf ihr von Herrn Dr. Sinauer entgegengehalten wurde, daß die liberalen Juden durch ihre Erklärung gerade die Einigkeit untergraben hätten. In seinem Schlußwort wies Herr Dr. Nußbaum darauf hin, daß Herzls Forderung auf Gestaltung der Geschicke des jüdischen Volkes durch dieses selbst auch in den Gemeinden verwirklicht werden müsse. Die Leitung der Gemeinden durch einige wenige Notabein müsse aufhören und durch das Proportional.-Wahlrecht eine wahrhaft demokratische Vertretung der Gemeinde geschaffen werden. Diese Ankündigung, der inzwischen auch entsprechende praktische Schritte gefolgt sind, wurde von den Anwesenden mit starkem Beifall aufgenommen. Frankfurt a. M. Zu einem Abend festlicher Weihe gestaltete sich der Vortrag, den in unserem Heim, Unterlindau 21, am Donnerstag, den 14. crt. Herr Rabbiner Dr. Salzberger, Frankfurt a. M.', über das Thema: „Die innere Wandlung unserer jüdischen Feldgrauen“ gehalten hat. Sämtliche Räume unseres Heims faßten nicht die Zahl der Erschienenen, so hatte dieer Vortrag unsere Freunde und Gesinungsgenossen angezogen. Der Redner führte etwa folgendes aus: Am Anfang des Krieges stand die große Hoffnung. Der Hoffnung folgte sehr bald die Enttäuschung. Jüdische Soldaten wurden nicht in dem Maße, in dem sie es verdienten, befördert und ausgezeichnet, ja, sie wurden vielfach gekränkt und beschimpft. Offen und versteckt lebte in wachsendem Maße der totgegläubte Judenhaß wieder auf, bei Mann undl Offizier, bei Arzt wie Geistlichen, selbst bei hohen militärischen Kommandostellen. Die Judenzählung, die nicht die einzige blieb, beleuchtete blitzartig die Situation. Die Enttäuschung hatte eine tiefe innere Wandlung des jüdischen Soldaten zur Folge. Vor die Gleichgültigen, die Verschämten, die Oberflächlichen wurde mit einem Male das jüdische Problem hingestellt; sie mußten persönlich sich entscheiden. Woher die instinktive Abneigung gegen die Juden bei einem Volke von so hoher Kultur wie das deutsche? Lag die Schuld wirklich an den jüdischen Drückebergern und Flaumachern, am jüdischen Wucher? Aber sie waren bei den nichtjüdischen Deutschen mindestens ebenso oft zu finden. Der pflichttreue, tapfere jüdische Soldat erkannte nur einen zureichenden Grund für den ihm begegnenden Haß: Man empfand den Juden als einen anders gearteten Menschen, dessen Anderssein, da er einer Minorität angehört, allein schon aufreizend wirkt. Sind wir Juden nun nicht wirklich anders als unsere Umgebung: Haben wir nicht neben der deutschen unsere besondere jüdische Kultur? Jüdische Deutsche oder deutsche Juden — das war die Frage für den Feldgrauen, der nur ein „entweder oder“ kannte, obwohl die Frage nach dem Primat des einen oder anderen keine notwendige ist. Es liegt auf der Hand, daß die mächtig anschwellende Bewegung des Zionismus für viele die Frage in seinem Sinne entschied. Der Redner betonte, daß er selbst kein Zionist sei, lediglich referieren wolle was er im Felde erfahren, daß er aber auch selbst in mancher Hinsicht umgelernt habe. Die Versammlung wurde von Herrn Jakob Wolff geleitet, der in seinem Danke an den Redner die begeisterte Zustimmung der dicht gedrängten Zuhörer feststellte und zu einem Anschluß an unsere Bewegung aufforderte. Nationalfonds-Spenden. Jüdischer Turn- und Sportverein: gelegentlich des Ausflugs am 8. Dez. beim Spiel gewonnen M. 3.99, S. Orljanskv M. 10.—. GoIIden es Buch Blau'-Weiuß Mannheim. Alice Mansbach gratulierte Gertrud Moses herzlich zum Doktor M. 2.—. Lisi Koronczyk s. A. Garten: Camilla Hohenberger pflanzt anläßlich der Rückkehr ihres Freundes Bruno Levi, Frankfurt, auf dessen Namen 1 B. M. 6.—. Familie Wetzlar 5 B. M. 30.— ©röjjte,tägl.2mal erfdjeinenbe 3citung ©üb-» unb TOtelbeutfd)» lanbd. ftauffräffigerXeferfreiä unb über ©eutfcfilanbäöircngen fjtnauä» gefjenbe Verbreitung, ©rojjcr fauf* mann. u. getDerbl.©tcflenmarff Jladjndjfen SInerfannf fef)r erfolgreid) für Slnseigen aller 2Irt. Slngelgen* prtii unb Dtacf)lajj nad) Sarif. Vegugdpreiä monatt. 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