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Das jüdische Echo · 1918-11-08 · 45 (8.11.1918) · p. Seite 549

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
45 (8.11.1918)
Date
1918-11-08
Page
Seite 549 (sequence 9)
Language
German
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■■ *y Nr. 45 Das Jüdische Echo 549 von den deutschen Militärbehörden den Befehl erhielten, Luxemburg: zu verlassen, Publikation des Talmud in Kanada. Die „Anglo Jewish Press Agency“ meldet, daß ein jüdischer Verlag in Montrea'll die Publikation des babylonischen Talmud in 18 Bänden fortsetzt, die in Wilna begonnen, aber durch den Krieg unterbrochen worden war. Die Arbeit liegt in den Händen der orthodoxen Rabbinerunion von Kanada, die von Rabbiner Isak Elchana vom theologischen Seminar in New York unterstützt wird. Feuilleton Der Rabbi von Rothenburg. Novelle von David Feuchtwang. (Fortsetzung.) Keine gefährliche Gewitterwolke schien den Himmel über Rothenburgs Judenstadt zu trüben. Der Wohlstand war gestiegen und man konnte sogar an Verschönerung und Vergrößerung des Gemeindehauses denken. Auch der „Juden-Kirchhof“, wie ihn die Städter nannten, wurde geziemend hergerichtet. Plötzlich aber wurden Anzeichen drohender Gefahren sichtbar. Schon lange lispelte und zischelte man in der Gemeinde von bevorstehender Ausweisung oder Schatzung. Rothenburg war nämlich an den Bischof von Würzburg verpfändet worden und insbesondere wurden den Rothenburgern Synagoge und Häuser der Juden geschenkt, um damit nach Willkür zu verfahren. So gut auch das Verhältnis der Juden zu den Christen bis nun war; wenn es ums Geld ging, hörte jede Rücksicht auf und alle Feindschaften waren entfesselt. Drückende Steuerlasten waren die ersten Folgen. Und als bald ein Dekret erging, „als wir Euch und Euer Stadt Gemeinde beide, Christen und Juden den edlen Mannen Konraden, Ludwigen und Gottfrieden von Hohenloh versetzt haben zu Pfand für 8000' Pfund Heller, also wollen und gebieten wir Erstiglichen, daß Ihr ihn huldet und wertet“, da stiegen die Abgaben und Steuern ins Unendliche. Reiche Juden wurden gefangen, um hohe .Lösegelder zu erpressen. Abraham von Mergentheim, ein hochangesehener Mann, wurde des Nachts so fortgeschleppt und ein gleiches Schicksal1 ereilte noch viele andere. Das Unglück schritt schnell. Unter den Reisigen des Ritters Eppelein von Geilingen, der auf seinem Schlosse Geilenreuth bei Müggendorf hauste, waren Juden. Ritter Eppelein versuchte, beeinflußt von diesen wackeren und bei ihm beliebten Leuten, in Rothenburg bei dem ihm verwandten Ratsherrn ein gutes Wort einzulegen. Es war vergeblich. Dazu) kamen die Hetzpredigten eines fanatischen Priesters, der Sonntag für Sonntag gegen die Juden donnerte und Gottes Fluch auf alle herabbeschwor, die nicht gegen die Juden wären. An einem Karfreitag war es, daß die Bürger nach Detwang zur Wallfahrt gingen. In großer Prozession bewegten sich die fanatisierten Mengen zu den Toren hinaus. Plötzlich verbreitete sich das Gerücht, die Juden seien aus dem Judenviertel in die Stadt gedrungen, hätten sich des weißen Turms bemächtigt und hegten arge Pläne gegen die christlichen Mitbürger. Sofort strömten alle in die Stadt zurück, griffen zu den Waffen und stürmten wutentbrannt gegen die ahnungslosen Juden. Vier Tage lang wurde so gewütet und siebenhundert fanden den grausamsten Tod. Viele waren geflüchtet. Rabbi Meir und seine Familie wurden von opfermutigen Jünglingen in Sicherheit gebracht und verließen Rothenburg, um nicht mehr wieder zurückzukehren. Hatten doch seine teuersten Freunde den Märtyrertod sterben müssen und waren doch als erste der geliebte Bruder Me'irs, Abraham und dessen Gattin Gutlein hingemordet worden; auch Zaret und Froda, deren liebliche Kinder, waren von Mörderhand gefallen. Rabbi Me'ir Parnes, der geliebte Vorsteher der Gemeinde und treuste Freund Me'irs, Meir ben Jekutiel mit seiner Gattin Hannahi und ihrem Sohne Senior und auch der von allen vielgeliebte Schulklopfer Michel waren unter den Toten. Und auch Bath-Schebah und Mordechei, Gattin und Sohn des Rabbi Meir Parnes wurden unter den Trümmern des zerstörten Wohnhauses gefunden. Angst und Schrecken erfüllten Rothenburg. Die Wehklage drang weit hinaus in die Lande und fand Widerhall in allen jüdischen Gemeinden des Reiches. Rothenburg wurde die „rote Burg“, di« „blutige Stadt“ gnannt und in den Synagogen ertönte ein Klagelied, das der Rothenburger Juden Schicksal beweinte. Die Glanzperiode der Rothenburger Judengemeinde war endgültig vorüber. Ihr Schutzengel war nicht mehr in ihren Mauern. Rabbi Meir hatte sich mit seiner Familie eine Zeitlang in die Einsamkeit zurückgezogen, um sich von den Schrecknissen zu erholen. Kaum aber war nach Mainz die Kunde gedrungen, daß er Rothenburg verlassen habe, schickte die Gemeinde einige ihrer Ältesten zu ihm, mit der ehrenden Aufforderung, üas Mainzer Rabbinat anzunehmen. Sein Name war unterdes groß geworden in ganz Israel. Er galt als der Oberrabbiner aller deutschen Juden. Sein Ruhm war unbestritten, sein Ansehen unanfechtbar. In allen Fragen des jüdischen Lebens galt „Rabbi Meir ben Baruch aus Rothenburg“ — so hieß er fortan in aller Munde — als einzige Autorität. Dem Mainzer Rufe folgte er mit Freuden und setzte sein Wirken dort fort, wo er es in Rothenburg verlassen hatte. (Fortsetzung folgt.) Gemeindenu. Vereins-Echo (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus Betitelnden und Vereinen und von Personalnaohrlohten, die ln diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höfliohst eingeladen.) Jüdischer Nationalfonds. Büchsenleerung. II. Halblahr 1918. Geleert durch Heini Mahler und Bruno Hirschberger: Recha Mysliborski 17.77, Isidor Epstein 6.—, Noe Blum 10.54, Meta Lichtenstein 15.—, Ch. Chavkin 6.20, J. Wildberg 2.—, Sally Epstein 1.—, Berta Scherz 12.—, N. Lieber 7.36, Max Bensinger 26.83, Karoline Blumenfeld 3.36, Anna Hirschberger 8.—, Klara Geilermann 3.—, L. Iram 1.60, Isaack Stobetzki 12.— Gisela Weiner 7.88, Th. Wegner —.50, Abr. Gidalewitsch 3—, Markus Schneuer 5.55, Alfons Minikes 10.05, W. Kasriels 2.19, Anny Rauchwerg 5.50, Moritz Schindel 1.78, J. Stiel 1.31, Markus Altmann 1.44, B. Hohenberger 7.52, Tina Kohn 5.14, J. Wainschel 4.75, S. Orlof 5.94, Sigbert Wind 1.15, Lehmann Mendle 12.—, Salo Helfgott 1.30, L. Renkazischok 1.66, Abr. Strumpf 3.60, Frieda Scherr 4.70, Wilschinski 5.22, Laura Kohn 2.27, Berta Anysch 21.42, M. Eisenkling 2.88, Idä Schorr 17.67, J. Neuwirth 5.03, Dr. Manneberg 2.65, J. Herz 3.11, B. Schochor 14.26, Hans Altterthum —.49, Jacob Blum

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