Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 44 (1.11.1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Jahrgang 1. November 1918 Das Kopenhagener Bureau der Zionistischen Organisation richtet folgendes Zirkulartelegramm an sämtliche zionistischen Föderationen: ' Der Augenblick ist näher gerückt, da die Grundlagen für einen dauernden und gerechten Frieden gelegt werden sollen. Ein solcher kann aber nur dann Zustandekommen, wenn die gerechten Forderungen aller Nationen, der kleinen wiie der großen, erfüllt werden und wenn für eine jede Nation die Möglichkeit geschaffen wird, sich bei Entfaltung aller ihr innewohnenden Kräfte und Fähigkeiten in den Dienst der Menschheit zu stellen. Auch das jüdische Volk erhebt in dieser historischen Schicksalsstunde seine Forderungen. In dem Friedensinstrument muß ihm gesichert werden: 1. Die Festsetzung Palästinas in den durch geschichtliche Überlieferung und durch politische und ökonomische Notwendigkeiten bestimmten Grenzen als nationale Heimstätte des jüdischen Volkes, sowie die Schaffung der für den ungehinderten Aufbau dieser Heimstätte notwendigen Vorbedingungen. 2. Die volle und tatsächliche Gleichberechtigung der Juden in allen Ländern. 3. Die nationale Autonomie auf kulturellem, sozialem und politischem Gebiet für die jüdische Bevölkerung, der Länder jüdischer Massensiedlung, sowie aller anderen Länder, falls deren jüdische Bevölkerung Anspruch auf sie erhebt. Wir fordern die zionistischen Verbände in allen Ländern auf* diese Forderungen des jüdischen Volkes vor den Regierungen und der öffentlichen Meinung des Landes zu vertreten, deren Durchführung im Friedensvertrag mit allem Nachdruck zu verlangen und hierdurch die politischen Bemühungen der Gesamtorganisationi wirksam zu unterstützen. An dem Tage des Friedensschlusses, durch den die Menschheit sich der Verwirklichung des jüdischen Ideals der Völkerversöhnung und des ewigen Friedens nähern will, muß das 2000jährige Martyrium des jüdischen Volkes, das als eine Schuld auf dem Gewissen aller Nationen lastet, gesühnt und wieder gutgemacht werden. Das jüdische Volk muß in den Bund der freien! Nationen als gleichgestelltes Glied eintreten. Die Zionistische Organisation Kopenhagener Bureau. Dr. Victor Jacobson. Die Neuordnung Österreichs und die Juden Galiziens. Von Leo Rosenberg, Berlin. Den Zeichen und der Not der Zeit gehorchend, hat sich die Regierung des Habsburgerreiches zu einem inneren Reformwerk entschlossen, das eine Umgestaltung des ge~ samten Staatsbaues von Grund aus bedeutet. Noch sind die wichtigen Einzelzüge dieser tiefgreifenden Wandlung und Umwertung nicht bekannt, und ebenso wenig ist Gewißheit darüber vorhanden, ob dem ebenso wagemutigen wie etwas späten Entschluß das Heil des aus den Fugen geratenen Reichsbaues und die Beschwichtigung der widerstrebenden Elemente erblühen wird. Mit Sicherheit ist in diesem Augenblicke nur festzustellen, daß der Idee der Reichsförderalisierung, wie sie im Manifest des Kaisers Karl vom 17. Oktober zum Ausdruck gebracht ist, das t e r r i t o r i a 1 - nationale Prinzip zugrunde gelegt ist. Das Recht auf ein staaliich-nationales Eigendasein ist an die geschlossene Siedlungsgemeinschaft, an die „Gebietsherrschaft“ geknüpft, eine Vorbedingung, die nur bei etwa vier Gruppen von den zehn Nationalitäten, die Österreich bewohnen, erfüllt ist. Demgemäß ist auch die Föderalisierung, als die vierfache Gliederung des Reichskörpers in einen deutsch - österreichischen, tschechisch - slowakischen, slawischen und ukrainischen Teilorganismus gedacht. Der letzte erstreckt sich auf Ostgalizien im Verein mit der Bukowina, während es dem polnischen Westgalizien anheim gestellt wird, sich für das Verbleiben im Rahmen des neuen Staatenbundes oder für den Anschluß an Polen zu entscheiden. Man braucht sich nicht im Besitz prophetischer Gaben zu fühlen, um mit aller Bestimmtheit die Behauptung zu wagen, daß eine so geartete Lösung die erhoffte Entwirrung des österreichischen Knotens nicht bringen wird, nicht bringen kann. Denn die Völker, die sich des gewiß schätzbaren Vorzugs einer geschlossenen Siedlung und Gebietsherrschaft nicht erfreuen, werden im neuen Staatsprogramm nicht allein keine Sicherung, sondern vielmehr eine vermehrte Bedrohung ihres nationalen Bestandes erblicken müssen. Zu diesen gehören aber vor allen —. keineswegs ausschließlich — diie Jude n. Der exterritoriale Charakter der jüdischen Volksexistenz in Österreich, wie überall, wo es eine jüdische Siedlungskompaktheit gibt, ist durch ein zweifaches Moment bestimmt: ein räumliches und ein historisch-psychisches. Die Exterritorialität der anderen Volkselemente ist bloß räumlicher Art und! daher auch räumlich beschränkt: **!»**, *****