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Das jüdische Echo · 1918-10-25 · 43 (25.10.1918) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
43 (25.10.1918)
Date
1918-10-25
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis: Viertelj. M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Ganzj. M.4.—, Einzelnummer 10 Pf. — Ver 1 ag des „Jüdischen Echo“: München, Herzog Maxstr. 4. — Redaktion i. V.: Meta Moch, München. mm/mmm Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 40 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Anzeigenannahme: Verlag des „Jüdischen Echo“, München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 53099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 43 München / 5. Jahrgang 25. Oktober 1918 Polnische Wirtschafts« und Judenpolitik. Die Fragen des Wiederaufbaues des durch den Krieg der Stagnation verfallenen Wirtschaftslebens stehen naturgemäß auch in Polen gegenwärtig im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Die Wiederaufrichtung des Handels, des Handwerks und der Industrie bildet den Gegenstand eingehender Erwägungen und Auseinandersetzungen in der Presse und seitens öffentlicher und1 privater Körperschaften und Fachverbände des Landes. Man sollte meinen, daß die Erkenntnis der Schwierigkeit der Aufgabe, deren einigermaßen befriedigende Lösung nur durch das Zusammenfassen aller aufbauenden Kräfte und das geschlossene Zusammenwirken aller schaffenden Elemente sich ermöglichen ließe, alle trennenden und hemmenden Momente und Faktoren inner- und außerwirtschaftlicher Art von vornherein zur Ausschaltung bringen würde. Weit gefehlt. Das Schreckensgespenst des polnischen Nationalismus ist nicht zu bannen. In allen Erörterungen wirtschaftlicher wie politischer Natur taucht bald die „nationale Frage“ auf, die überall den klaren Wirklichkeitssinn trübt, den Blick für die unmittelbaren Aufgaben verwirrt und eine heillose Verwirrung des Standpunktes bewirkt. So sind alle Bemühungen von vornherein zu Unfruchtbarkeit verdammt. Am klarsten tritt dies in allen auf den wirtschaftlichen Wiederaufbau gerichteten Bestrebungen und Aktionen zutage. Eine unglaubliche, in ihren! Folgeerscheinungen höchst verderbliche Verquickung des wirtschaftlichen und nationalistischen Moments macht sich in dieser Beziehung von Anfang an breit. Die „Nationalisierung des polnischen Wirtschaftsleben“, in normalen Zeiten oft versucht und häufiger noch an der Macht der Tatsachen gescheitert, soll in diesen Zeiten der Zerrüttung und der Ohnmacht mit aller Kraft der Verwirklichung näher gebracht werden. Das ist der Sinn und die Richtung aller polnischen Wirtschaftspolitik in der Gegenwart, das die Hauptaufgabe des „Wiederaufbaus“ und der geplanten Maßnahmen der „Übergangswirtschaft“. Das war auch der Sinn und das Hauptbestreben der großen polnischen Handelskonferenz, die dieser Tage in Warschau! tagte. Schon äußerlich war diese Tagung polnischer Kaufleute, zu der über 500 Teilnehmer erschienen sind, völlig „judenrein“. Ungeachtet des nicht ganz unerheblichen Umstandes, daß etwa 70—80 Prozent des gesamtpolnischen Handels in jüdischen Händen liegt! Dagegen glänzten durch diie necht fühlbare Anwesenheit sämtliche „Sterne“ des polnischen Antisemitismus und die Führer und Schrittmacher der Nationalisierung, vor allem der berühmt-berüchtigte Herr Ilski. Erschienen waren in gleicher Weise Vertreter der höchsten polnischen Staatsbehörden, in deren Namen der polnische Minister für Handel und Industrie Broniewski die Verhandlungen einleitete; ferner der Warschauer Stadtpräsident Ingenieur Drzewscki und der Vorsitzende des Staatsrates B a 1 i n s k i. Anwesend waren gleichfalls die Vorsitzenden der polnischen Handelsvereine und des Fabrikantenverbandes. Der hochoffiziöse Anstrich der ganzen Veranstaltung machte eine gewisse Zurückhaltung in der Form unumgänglich. Es wurde denn auch niemals ausdrücklich von den Juden gesprochen. Dies war auch kaum nötig. Der Aufstellung eines eindeutigen positiven Nationalisierungsprogramms stand diese formale Rücksicht nicht im Wege. Man sprach nicht davon, daß die Juden verdrängt und depossediert werden müssen, doch mit aller wünschenswerten Deutlichkeit von der Notwendigkeit, den polnischen Handel „unabhängig“ zu machen und von den „fremden Elementen“ zu emanzipieren. Und das war schließlich die Hauptsache. Programmatisiche Sätze enthielt /bereits die Begrüßungsrede des polnischen Ministers für Handel und Industrie, Herrn Broniewski. Er rühmte die Bedeutung des polnischen Handels für das polnische nationale Leben und warnte vor dem Optimismus, der die Schwierigkeiten, die der Entfaltung eines machtvollen polnischen Handels im Wege stehen, nicht sieht. Es würde keine leichte Aufgabe sein, denn die Polen hätten sich bisher mit Handel nicht befaßt. Nunmehr sei aber die Sonne der Bildung und des Fortschrittes über Polen aufgegangen, und das „ganze Volk“ wende sich dieser Aufgabe zu. Die Tagung — meinte der Minister — müsse den Anfang einer neuen Epoche im polnischen Handel bilden und den Grundstein legen für das künftige machtvolle u nabhängige nationale Wirtschaftsleben des polnischen „Volkes“. Zur Verdeutlichung des Bildes trug indessen eine weitere Debatte über die „Landesindustrie“ bei. Als der Direktor des polnischen Fabrikantenverbandes in einem Referat auf die Notwendigkeit der Unterstützung der Landesfabrikation hinwies, wurde dieser Hinweis von verschiedenen Seiten mit dem Einwand beantwortet, es gäbe in Polen keine „Landesfabrikation“ schlechthin, sondern auch eine solche „nichtpolnischen“ Charakters, die polnische Kaufleute nicht unterstützen dürfen. Es wurde auch laut gegen diejenigen polnischen Industriellen protestiert, die sich zwecks Absatz ihrer Erzeugnisse

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