Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 42 (18.10.1918)
- Date
- 1918-10-18
- Page
- Seite 514 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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514 Das Jüdische Echo Nr. 42 heiligen Lade. Das Morgegebet wird verrichtet. Unmittelbar nach Schluß des Gebetes wird die Trauung vollzogen. Die Braut wird von dem Rabbiner aus der Frauensynagoge abgeholt. Unterdes stieg der Bräutigam zur Emporbühne „Almemor“ in der Mitte der Synagoge und erwartet die Braut; sobald sie erscheint, berührt er ihr Kleid und stellt sie zu seiner Rechten. Die Mütter des Brautpaares stehen zu beider Seiten. Ein Tallith wird über das Paar gebreitet und der Trauungsakt geht vor sich. Der Bräutigam zog, von den Männern geleitet, in sein Heim; erwartete die Braut am Tore, die unter Musikspiel mit den Frauen in ihr neues Heim einzog. Am Tore erfaßte der Bräutigam die Hand der Braut und legte sie an den oberen Pfosten der Tür, womit er sie als Herrin des Hauses einführte. Am Abend begann im „Brauthause“ das allgemeine Fest; die Hauptmahlzeit war Sabbat; am Sabbatausgange ist alles im „Judentanzhaus“ versammelt; es herrschen Jubel und Freude. War doch schon tagsüber die ganze Gemeinde auf den Beinen und die Musik verskummte dicht. Nur der Siabbatvormittag'-Gottesdjien'st bildete eine! /Unterbrechung der Festlichkeit. Aber auch dieser war besonders feierlich. Denn dem Bräutigam zu Ehren wurden besondere Lieder gesungen. Er machte Spenden für Jugendunterricht und Ausstattung von Bräuten und widmete ein reichgesticktes Seidenband zur Umhüllung der Thora. Bei der Heimkehr aus der Synagoge überreichte er seiner Gattin Mantel, Gürtel und Hut, um sie als Teilhaberin seines Vermögens öffentlich anzuerkennen. Im Judentanzhaus tanzte die Jugend1 die ganze Nacht und erst am Sonntag mittag war die Feier zu Ende. Das junge, glückliche Paar mußte bald nach Kostnitz übersiedeln, woselbst Meir das Rabbinat angenommen hatte. Nicht lange blieb er hier. Man berief ihn nach Nürnberg, wo er mehrere Jahre segensreich seines Amtes waltete. Schon lange begehrte ihn das altehrwürdige Rothenburg zum Rabbiner, wo eine berühmte, wohlhabende Gemeinde blühte, deren Führer keinen sehnlicheren Wunsch hatten, als Rabbi Meir für sich zu gewinnen. Mit Freuden folgte Rabbi Meir dem Rufe, obzwar Rothenburg eine weitaus kleinere Stadt war als Nürnberg; als jüdische Gemeinde war es nicht minder berühmt. Es übte auf Meir einen eigenen Reiz aus, und namentlich die Rücksicht auf seine Familie, er hatte Söhne und Töchter, bewog ihn das gesunde und herrlich gelegene Städtchen, ai der Tauber als Amtssitz zu wählen. Auch Martha, seine Gattin, bedurfte des Aufenthaltes in würziger Luft. Und Rothenburg bot das in reichlichem Maße. Auf einem mäßigen Hügelrücken, hinter dichten Buchenwäldern gelegen, war und ist Rothenburg ein Kleinod deutscher Vergangenheit. Vom Städtchen Steinach aus. einer uralten jüdischen Gemeinde, gelangt man auf der Straße Würzburg-Münchien hierher' in jd»as, „Jerusalem an der Tauber“, wie es in den Zeiten der Kreuzzüge genannt wurde, wegen sleiner Jerusalem ähnlichen Lage auf langgestrecktem Bergesrücken. Die Hauptstadt des Heiligen Landes ist gefallen, Rothenburg aber steht in seinem unbeschreiblichen Reize bis heute. (Fortsetzung folgt.) Gemeindenu.Vereins-Echo (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus Gemeinden und Vereinen und von Personalnachrlohten, die in diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höfliohst eingeladen.} Personalien. Dr. Isaac Heinemann aus Frankfurt a. M. wurde als Dozent an das Breslauer Rabbiner-Seminar berufen. Derselbe wird Talmud, Religions- Philosophie und Homiletik lesen. In Heinemann hat das Seminar eine vorzügliche Wahl getroffen; sein Scheiden aus seinem alten Wirkungskreis wird in Frankfurt a. M. sehr bedauert. Wie uns aus Ansbach berichtet wird, soll Rabbiner Dr. Pinchas Cohn in nächster Zeit bereits Warschau verlassen, um seinen Rabbinatssitz in Ansbach wieder einzunehmen. Wiesbaden. Der jüdische Wanderbund „Blau- Weiß“ hat vor einigen Wochen sein eigenes Heim bezogen. Wöchentlich finden dort Kurse in jüdischer Geschichte, Literatur und hebräischer Sprache statt. Die Beteiligung bei den Wanderungen wächst zusehends. Die Zahl der Wanderer beträgt 120. Ein Eltern- und Freundesrat wurde gegründet. Nationalfonds-Spenden: Elisabeth Mahler dankt Familie Bornstein-Wiesbaden und Familie B. T?awlhallmcuer /^ofUe^ovont München TheaänevÜrAÖ. Gr