Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 42 (18.10.1918)
- Date
- 1918-10-18
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag, jBezug: Durch die Postanstalten oder /den Verlag — Bezugspreis: /Viertel). M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Ganzj. J M.4.—, Einzelnummer 10 Pf. —Verlag j des „Jüdischen Echo“ : München, Herzog Maxstr 4 — Redaktion: Helene Hanna Cohn, Nummer 42 m mmm Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 40 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Anzeigenannahme: Verlag des „Jüdischen Echo“, München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 53099. Postscheckkonto: München 3987. München / 5. Jahrgang 18. Oktober 1918 wauwBamiBüJimiiMLM—— Der national-jüdische Jugendtag. Gleich vorweg müssen wir feststellen: Diese Jugendtagung war keine Jugend-Tagung. Zunächst „Jugend“? „Jugend war freilich das Objekt der Besprechungen, die aber redeten waren zum größten Teil nicht Jugendliche, — die eigentliche Jugend kam fast nur als Opposition zu Wort — und was sie sprachen war zu wenig zur Jugend _ gesprochen. Schon in einem äußeren Sinn: Die Versammlung bestand nur zum kleinen Teil aus Jugend: insbesondere von den ungefähr 2000 Teilnehmern der Volksversammlung machte die jüdische Jugend höchstens ein Drittel' aus. Aber auch in einem geistigen Sinne. Die Worte waren vielfach nicht der jugendlichen Geistesart angemessen. Die besten gerade fanden das Ohr der Jugend nicht. Jugend will einfache Worte, will Wärme, will fortgerissen sein. „Tagung“? Wenn sonstige Bewegungen „Tage“, „Tagungen“, „Kongresse“ veranstalten, so bedeutet dies eine innere Einkehr, eine Ruhepause der Bewegung zum Zwecke der Besinnung nach innen und der Demonstration nach außen; die anerkannten Repräsentanten der Bewegung geben sich, der Anhängerschaft und der weiteren Öffentlichkeit Rechenschaft über das in gemeinsamer Arbeit Erreichte und über das gemeinsame Programm der Zukunft; die notwendige Gährung und Klärung ist vorhergegangen. Diese jüdische Jugendtagung aber gebärdete sich zeitweise wie die chaotische Geburtsstunde der nationaljüdischen Jugendbewegung und unvermittelt prallten die Gegensätze aufeinander, als ob sie zum ersten Male sich träfen. Dias Endergebnis war — keine Resolution. Man ging voneinander mit der „Hatikwah“. Dies bedeutet ein Negatives aber auch ein Positives. Sieghaft brach durch all das Chaos der starke Wille der-', nationaljüdischen Bewegung zu nationaler Wiedergeburt, das durchaus real gerichtete Palästinasehnen. Diesem Palästinawillen entsprach auch das einzige wirklich reale Ergebnis der Tagung: Die Gründung der Hechaluz. Ein hocherfreuliches Ereignis! In dem Drang nach Palästina, zurück zum Landbau auf dem Mutterboden scheint ein großer Teil der nationaljüdischen Jugend einig. Freilich steckt auch hierin viel Unreifes. Es wird sich mancher auf die Landwirtschaft stürzen, der nach Vorbildung und Abstammung dafür nicht paßt. Aber ungeachtet aller Bedenken — die Palästinasehnsucht der naionaljiidischen Jugend Deutschlands ist wertvolles Kapital. Es gehörig zu nützen, wird Sache der Parteileitung sein. Problematisch, beängstigend ungeklärt blieb dagegen die geistige Grundfrage der Galuth- Jugendbewegung: Die Erziehungsfr!age. Ein rein formaler Nationalismus stellte sich mit fast unvermittelter Schroffheit der Richtung entgegen, für die eine jüdische Jugendbewegung ohne spezifisch jüdische geistige und ethische Inhalte nichts ist, als ein Abklatsch irgendwelcher anderer völkischer Jugendbewegungen, Assimilationserscheinung mit nationaljüdischem Stempel. Daß Hebräischlernen unbedingtes Erfordernis sei, darüber war man sich schließlich doch einig. Das ist freilich wenig genug. Wir zweifeln nicht, daß der rein formale Nationalismus, der frisch darauf los lebt in der Hoffnung, es werde sich schon etwas Jüdisches dlabei bilden, eine Verirrung ist, aber wir zweifeln auch nicht, daß das oben bezeichnete Problem in tiefstem Grunde unlösbar ist. Die Rückkehr zum Judentum in der Diaspora ist nicht zu verwirklichen. Der Westjude, sei er gesetzestreu, sei er Zionist, wird niemals ein volljüdisches Leben führen können. Was im Galuth möglich ist. ist nur Vorbereitung für ein jüdisches Leben in Erez-Israel. Aber Vorbereitung heißt Arbeit. Es muß gearbeitet werden! In dieser Resolution — wenn sie auch nicht ausdrücklich gefaßt wurde —' waren gewiß alle Teilnehmer des nationaljüdischen Jugendtages einig.*) Süddeutscher zionistischer Gruppenverbandstag. Am 13. Oktober fand1 in Nürnberg im Luitpoldhaus der erste süddeutsche zionistische Gruppenverbandstag statt. Die große Teilnehmer zahl — es waren die gleiche Anzahl auswärtiger Gäste wie Einheimische — war ein Beweis für das rege Interesse, welches der Tagung entgegengebracht wurde. Die Versammlung wurde von dem Vorsitzenden der Nürnberger Ortsgruppe, Dr. Meinhold Nußbaum, eröffnet, welcher die Wahl des Herrn Jakob Fränkel, München, zum Vorsitzenden für die Tagung beantragte. Als erster Referent sprach Herr Dr. Nußbaum, Nürnberg, über das „Arbeitsprogramm des Gruppenverbandes und der Ortsgruppen für das Jahr 1918/19“. Er führte aus, daß die Haupttätigkeit in der Palästinaarbeit zu suchen sei, daß aber auch entsprechende Arbeit für das Galuthjudentum zu tun sei; nachdem der Zionismus die Verkörperung des jüdischen Volksgedankens ist, so daß alle Fragen, die das jtidi- *) Einen Bericht über die einzelnen auf der Tagung gehaltenen Referate behalten wir unserer nächsten Nummer vor.