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Das jüdische Echo · 1918-10-11 · 41 (11.10.1918) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
41 (11.10.1918)
Date
1918-10-11
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten .6,1 .r?®-. parierte **•••«« »«ft Äfitfc: il»torf»r,U£ [♦♦MMMIMMWi icra großen jal-rU)felliuiget g^|^B fl MD| «hAsnUl!*«: g. Las«*, 3 «n»*iä» rmannTMt HflndieQ UH SHr1 Erscheinungszeit: Jeden Freitag. {Bezug: Durch die Postanstalten oder des „Jüdischen Echo“: München, Herzog Maxstr 4 — Redaktion: Helene Hanna Cohn, Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 40 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Anzeigenannahme: Verlag des „Jüdischen Echo“, München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 53099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 41 München / 5. Jahrgang 11. Oktober 1918 «*■ Was uns not tut? Anläßlich des Jugendtages in Berlin veröffentlicht der „Nationaljüdische Jugendausschuß“ (Palästinalressort) folgenden Aufsatz: Schon in Palästina hatte ich das Bedürfnis, einmal zu meinen Qesinnungsgenossinnen in der Diaspora zu sprechen. Denn soweit ich diejenigen, die nach Palästina kommen, kennen lernte, hatte ich immer das Gefühl, daß man in der Diaspora nicht im Klaren ist, was uns in Palästina not tut. Seitdem ich jetzt wieder in Europa bin, und nachdem viele sich an mich mit Anfragen wandten, ist dies Bedürfnis in mir stärker geworden. Und trotzdem mußte ich jedesmal, wenn ich die Feder in die Hand nahm, um meinem Wunsche gerecht zu werden, diese schnell zurücklegen, so einfach und selbstverständlich schienen mir die Dinge, über die ich sprechen wollte. Und ich hätte aus diesem Grunde diesem Wunsche wahrscheinlich nie nachgegeben, wenn ich dazu nicht direkt aufgefordert worden wäre. I. Was haben die meisten Mädchen, die nach Palästina kamen, mitgebracht? Die besten unter ihnen sehr viel Idealismus, sehr viel Hingabe, einen starken Willen, der Sache des Volkes zu dienen und ihr das ganze Leben zu widmen, aber absolut keine Vorbereitung dazu. So sehr ich die große innere Kraft dieser Mädchen immer bewunderte, taten sie mir doch auch immer herzlich leid. Denn trotz der großen moralischen Kraft und den unglaublichen Anstrengungen dieser Mädchen, waren die Resultate ihrer Arbeit meist sehr erbärmlich. Und kein Wunder. Mädchen, die in der Stadt aufgewachsen sind, die fast nie praktisch beschäftigt waren, fast nie durch ihrer Hände Arbeit sich ernährt haben, die keine Handfertigkeit besitzen, standen, in ganz neue und sehr schwere Verhältnisse versetzt, vor großen, praktischen Aufgaben. Und trotz der großen Schwierigkeiten und trotz der absoluten Unkenntnis dessen, was zu leisten war, traten sie an die Arbeit. War es Mut, war es „Chuzpe?“ Weder dies noch jenes. Es war vielmehr einerseits die heilige Einfalt, die große Naivität der meisten Idealisten, die die Wirklichkeit nicht sehen, und andererseits die Notwendigkeit, Brot zu erwerben. Alle waren aber tief überzeugt, daß sie etwas Großes leisten, indem sie das müßig-parasitäre Leben des Golus verlassen haben und an produktiver schaffender Arbeit in Palästina Teil nahmen, und dieser Glaube machte sie glückselig und gab ihnen den Mut und die moralische Kraft, ihr schweres Dasein mit Freude und Leichtigkeit zu tragen. Und schwer, fürchterlich schwer mußte doch das Leben für sie sein. Schon die ungewohnte physische Arbeit den ganzen Tag hindurch, dann besonders im Sommer, die große Hitze, die die Arbeit selbstverständlich noch sehr erschwert, das häufige Fieber, die Rückkehr zur anstrengenden Arbeit, bevor man sich einigermaßen erholt hat, das ungewohnt schlechte Essen, das Fehlen von Fleisch, an das man in den Golusländern so gewohnt ist, das ewige eintönige und fade Gemüse, sehr schlechte und enge Wohnungsgelegenheiten, meistens mit ein paar fremden unbekannten Mädchen zusammen, oft Mangel an den nötigsten Kleidungsstücken, deren Wert sich sehr schwer vom kleinen Lohn absparen läßt, und über alles die Unsicherheit in der Arbeit, das nie Fertigwerdenkönnen, das nie der Arbeit Gerechtwerden. Und trotz all dieser und: noch anderer unzähliger Schwierigkeiten waren sie so glücklich, wie ich es noch nirgend auf Erden sah, und zwar weil sie ihren Willen durchgesetzt hatten. Und trotzdem taten sie mir furchtbar leid, und nicht der Schwere ihres Lebens wegen, nein, denn diese machte sie ja glücklich: sie glaubten, ihre Bedeutung, ihr Wert sei gleich der Schwere, die sie tragen. Ich bedauerte sie nicht ihretwegen, sondern der Sache wegen, unserer Sache wegen. Was hätten diese Mädchen bei ihrem starken Willen, bei ihrer Ausdauer, Arbeitslust, Anspruchslosigkeit leisten können, wenn sie richtig ausgebildet gekommen wären, und1 was haben sie in Wirklichkeit geleistet? Was war die Hauptaufgabe und die Hauptbeschäftigung der Mädchen? Zu allererst, wie überall auf Erden, die Beschäftigung im Haushalte. Da die meisten Arbeiter unverheiratet und ohne jeglichen Familienanschluß dastanden, war die erste Aufgabe der Frau, eine Art Heimstätte oder Arbeiterküche für diese zu schaffen und zu versorgen. Die ersten arbeitenden Mädchen betrachteten es als ihre heilige Pflicht und widmeten sich ihrer Arbeit mit viel Liebe. Aber trotz der großen Mühe, die die Mädchen sich gaben, war die Organisation der meisten Küchen immer sehr schlecht. Es fehlte und fehlt noch heute an jeglicher Einrichtung, durch die man Arbeit spart oder erleichtert. Die Mädchen arbeiteten meistens in den Küchen von 6 Uhr morgens bis 11 Uhr abends, ohne daß sie dabei ie richtig fertig wurden. Es war selten sauber, das Essen meist geschmacklos, schlecht und besonders in den ersten Jahren oft angebrannt oder durch Rauch verdorben. Das Menu bestand aus einer Suppe und einem Brei. In der Suppe blieb jedes Bestandteil meist für sich, das heißt, das Fett schwamm oben, die Graupen unten, das Wasser

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