Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 38 (20.9.1918)
- Date
- 1918-09-20
- Page
- Seite 458 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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458 Das JflcHsch* Echo Nt 38 brochenen ließen sie ihn heimkehren. Da ertrug ich es auch hier nicht länger und ergriff aufs neue den Wanderstab. —“ Ahasver schwieg. Hoch und klar standen über uns die Sterne. Aus der Tiefe der schlummernden Stadt klingelte jammernd ein Messeglöckchen. Er war in Sinnen verloren und fand lange Zeit nicht den Mut, an das Letzte und Tiefste zu rühren: „Dann ging ich nach Deutschland. —“ Er zuckte zusammen, in seinen Augen begann wieder düstere Glut zu schwellen. „Deutschland war wie ein eiserner Pfeil, der unbeirrt auf ein Ziel zufliegt: auf den Feind. Ein Magnet war der Schaft dieses Pfeiles und zog alles an sich, was in den Herzen und Sinnen des Volkes lebte, verwandelte alles in eine eiserne Waffe, die sich gegen den Feind kehrte. Ein einziger Wille und ein einziges Bewußtsein lebte in dem schwirrenden Pfeil: der Wille, den Feind zu vernichten, das Bewußtsein von der eigenen Kraft. Wo ich in Deutschland an die Türen meiner Kinder klopfte, da wiesen sie mich von der Schwelle, wollten keine Gemeinschaft mit mir. Sie wollten nicht an den alten Fluch erinnert werden. Mit zitternden Nerven klammerten sie sich an den Pfeil, und der Wahn, mit ihm verschmelzen zu können, machte sie trunken vor Glück. Ich wagte es nicht, sie aus ihrem Taumel zu reißen. Sollte ich ihnen zeigen, wie der Pfeil sich bereits schüttelte, um alles Fremde von sich abzustreifen, daß seine haarscharfe Spitze sich bereits wendete, um sich zu richten gegen alles, was den glatten Stahl, mit fremdem Stoff beschweren will? Schon sah ich den Pfeil sich wenden und entfloh in Sorge und Schmerz. Nun, da ich wieder einmal zurückgekehrt bin, in die alte Heimat, fühle ich auch hier den Boden beben unter dem Schritte des Krieges. Jung ist mein uralter Schmerz, neu meine alte Sehnsucht nach Erlösung.“ „Herr!“ schrie er plötzlich auf und stieß die blutende Stirn gegen das Gestein, „Herr, muß denn Ahasver weiterwandern bis ans Ende der Tage?“ Noch einmal stöhnte er auf, dann raffte er seinen Hut vom Boden, hüllte sich in seinen Mantel und in düsterer Größe, mit dem blutenden Wundenmal auf der Stirn verschwand er hinter der Ecke der Klagemauer. Chana. Gemeindenu.Vereins-fche (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus Gemeinden und Vereinen und von Personalnachrlohten, die in diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höflichst eingeladen.) Personalien. Rudolf Schaal, Mitglied des Jüdischen Turn- und Sport-Vereins, wurde, nachdem er erst kürzlich das Eiserne Kreuz II. Klasse erhalten hatte, zum Unteroffizier befördert. Der Oberarzt Dr. Ernst Urstadt wurde zum k. b. Stabsarzt der Landwehr befördert. Der k. b. Militärverdienstorden 4. Klasse mit Schwertern wurde verliehen den k. b. Leutnants der Reserve Adolf Mann, Christoph Steinlein, Otto Farnbacher (Augsburg), Ernst Levy, Otto Beer, Max Schidlo, Ernst Sachs, Hermann Hecht, Paul Haas (Nürnberg), Fritz Sänger und Albert Loch. Im Verein Bne Jehuda sprach am 27. August Herr Dr. Schönemann-München über das Thema .Nationales Judentum und Weltkrieg . Der Redner ging von den Befürchtungen aus, die zu Beginn des Weltkrieges mit nationaljüdischem Denken verbunden wurden. Die Imperative des Krieges haben aber niemals mit den jüdischen Pflichten kollidiert. Im Gegenteil: die erhöhte Bedeutung des Nationalismus überhaupt und das gesteigerte Interesse an Bestand und Förderung der kleinen Nationen insbesondere, haben auch die jüdische Nation öffentlich zur Anerkennung gebracht und die damit verbundenen Fragen zur weltpoltischen Diskussion gestellt. —■ Nach einer eingehenden Kritik der früher, teilweise sich jetzt noch geltend machenden Einwände gegen den jüdischen Nationalismus ging der Redner zur Beantwortung d'er Frage über, welche Aufgaben die Gegenwart und die Zukunft den national gesinnten Juden stellt und stellen wird. Der Aufgabenkomplex zerfällt in zwei Teile: einen innerpolitisch-kulturellen und einen außerpol,itisch-völkischen. Die wesentlicheren Aufgaben, die für uns jetzt ganz im Vordergrund stehen müssen, sind die kulturellen und von diesen wieder die Erziehungsaufgaben. — Durch das Vermitteln jüdischer Kulturwerte: durch die ganz intensive Beschäftigung mit der jüdischen Geschichte, Literatur und Sprache muß in der Jugend jüdisches Bewußtsein und jüdisches Selbstbewußtsein geweckt, wachgehalten und gestärkt werden. Das gesteigerte Verlangen nach jüdischer Bildung macht die Lösung des jüdischen Schulproblems zu einer der dringlichsten Aufgaben. Pflege und Wahrnehmung aller jüdischen Interessen bedeutet jüdisch-politisches Leben. Je mehr die jüdische Gesamtheit in diesem Sinne politisiert wird, desto mehr erhöhen sich wiederum die Ansprüche. Was die Alten ersehnten und wünschten, verlangen die Jungen. Die Alten ersehnten das wahrhaft jüdische Leben, die Jugend will es selbst leben und wird es selbst leben — im Lande der Väter, wo die alte jüdische Kultur unter der alten Sonne neu und echt erstehen wird. Darum muß die Jugend — Träger und Bürge für unsere Zukunft — im Mittelpunkt unserer nationalen Interessen stehen, muß ihre Pflege und Erziehung in wahrhaft jüdischem Sinne die erste und vornehmste Aufgabe sein. Die sehr lebhafte Aussprache nach dem Vortrag gab Herrn Dr. Schönemann nochmals Gelegenheit die erschreckende Verantwortungslosigkeit so sehr vieler Juden zum Inhalt ernster Ausführungen zu machen. Damit beantwortete er auch die Frage, warum das Ziel, nicht schon erreicht sei. Infolge der vorgerückten Stunde mußte die Diskussion leider abgebrochen werden. 0* Verein Bne Jehuda. Dienstag, den 24. d. Mts., Sukkoth-Unterhaltung im Augustiner- Restaurant (Roter Saal), Neuhauserstr. 16. Gäste willkommen. Nationalfonds-Spenden. Alfons Minikes gratuliert Herrn und Frau Grünbaum herzlich zur Geourt ihres zweiten Jungen: 2.— M. Hermann Mahler desgl 2.— M. Helene Naß für verlorene Wette 1.—. M. Jakob Reich und Frau gratulieren Herrn und Frau Grünbaum zum Sohn 2.- M. c QoJdnes Buch. Richard Fränkel r> , ” meo Harburger dankt allen Freunden und Bekannten für die freundlichen Wünsche: 5.— M.