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Das jüdische Echo · 1918-09-20 · 38 (20.9.1918) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
38 (20.9.1918)
Date
1918-09-20
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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'X* Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder iden Verlag — Bezugspreis: ' Viertel). M. 1.—, Halbj M. 2.—, Ganzj. j M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf. — Verlag j des „Jüdischen Echo“: München, HerjzogMaxstr4 — Redaktion: Helene (Hanna Cohn, Nummer 38 Anzeigen: Die viergespaltene f Nonpareille - Zeile oder deren Raum’ 40 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— } Anzeigenannahme: Verlag des j „Jüdischen Echo“, München, Herzog! Maxstraße 4. Fernsprecher: 53099. j Postscheckkonto: München 3987. | München / 5. Jahrgang 20. September 1918 fllpo **■ is*» W- Id«?1 , l SSV r i' Kl** **'*>£V' «y ■ Unser neuer Rabbiner. i.N Wir wissen ncch nicht, wer es sein wird. Wir wollen auch nicht über die einzelnen als Kandidaten genannten Personen sprechen, noch auch den oder jenen empfehlen. Nicht wer es sein wird, sondern was für ein Mann der neue Rabbiner — nach unserer Ansicht — sein soll, darüber wird im folgenden einiges gesagt werden, weniger als abschließendes Urteil mit dem Anspruch auf unbedingte Richtigkeit, denn als Anregung zum Selbstdenken. Wird dies erreicht, scheint uns schon viel erreicht. Denn das größte Übel der bisherigen Wahlübung dünkt uns die geringe Anteilnahme der Gemeindeangehörigen an der Wahl zu sein, ihre Gleichgültigkeit gegenüber der Frage, wie beschaffen der Mann sein wird, der nun auf Jahre, Jahrzehnte hinaus ihr Oberhaupt sein soll. Die Gleichgültigkeit und die unzulängliche Vorstellung der meisten Gemeindeangehörigen über die Eigenschaften, die der Rabbiner einer Großgemeinde wie München haben sollte, entsprechen einander; die geringere innere Anteilnahme an der Wahl dem geringen äußeren Anteil: Wähler sind nicht die Gemeindemitglieder, sondern der (verstärkte) Gemeindeausschuß. Der Einfluß der Außenstehenden ist gering. Das Interesse wäre größer, wenn das Recht größer wäre. Aber schließlich gilt auch hier der Satz: ein Volk erobert sich das Recht, dessen es würdig ist, kraft seiner politischen Reife. Es muß in München wohl hieran fehlen . . . Um so klarer ist die Aufgabe jedes jüdischen Politikers: es gilt zu arbeiten, um das jüdische Bewußtsein zu klären und zu festigen. Dieser Aufgabe dient das „Jüdische Echo“, und dienen auch zu einem bescheidenen Teile die folgenden Zeilen! n. Probegastspiel! Eines Freitags abends steht ein neuer Herr auf der Kanzel und präsentiert sich den „andächtigen Zuhörern“. Er zeigt ihnen zweierlei: seine äußere Erscheinung, — Antlitz. Haltung, Statur — und seine Rednergabe — also auch etwas Inneres? Man kann es so nennen, wenn man der Meinung ist, daß eine Predigt, eine kunstvoll einstudierte Rede auch etwas vom inneren Menschen sagen müsse. Die Predigt ist aus. Man geht nach Haus wie nach einer Vorstellung. „Als handle es sich um das Engagement eines Künstlers, der einem künftig in müßigen Feierstunden angenehme Erbauung liefern soll. Dann hebt die Kritik an: „Gut sieht er aus“, „Eine würdige Haltung“, „Ein priesterlicher Bart“, „Und gar nicht jüdisch sieht er aus“, „Ein vorzüglicher Redner“, „Ein sonores Organ“.. Stimmen des Volks. Der Verwaltungsausschuß nimmt sie zur Kenntnis. Vielleicht gestattet er noch einigen anderen Kandidaten eine Probevorstellung. So wählt die jüdische Gemeinschaft ihr geistiges Oberhaupt. Gewählt wird ein gutaussehender Herr, der gut predigen kann und im übrigen — worüber Erkundigungen eingezogen sind — alle sonstigen Voraussetzungen zu einem guten Beamten mitbringt: Ein bestandenes Examen, gute Familie, unbelastetes Vorleben, kurz — ein braver Bürger; in der Gesinnung nicht zu konservativ, nicht zu radikal und — kein Zionist. Dies sind immerhin auch geistige Qualitäten. So hat denn die Gemeinde ihren neuen Rabbiner, zweifellos einen tüchtigen Beamten. III. „Ja, braucht es denn mehr“ wird da gefragt. Die meisten verneinen die Frage, wir aber bejahen sie. Was soll der Rabbiner sein? Beamter oder Führer? Angestellter der Kultusgemeinde mit vorgeschriebenen rituellen Funktionen oder Berater, Leiter, Anreger seiner Gemeinde in allen Fragen des jüdischen Lebens? Jüdische Gelehrsamkeit, volle Beherrschung des jüdischen Wissensstoffes muß als selbstvertändliche Vorbedingung bei der Wahl des Rabbiners verlangt werden. Kann auch heute nicht, wie in alten Zeiten, bei der Wahl des Rabbiners das entscheidende Gewicht darauf gelegt werden, ob er als „Lamdon“ sich in Talmud- und Responsen-Literatur gründlich auskennt, so muß doch verlangt werden, daß die Grundlagen des jüdischen Wissens auch dem modernen Rabbiner vollkommen vertraut sind. Er muß als Mann der jüdischen Wissenschaft auf allgemeine Anerkennung Anspruch erheben dürfen, auch wenn er selbst nicht wissenschaftlich produktiv hervortreten sollte. Nie kann im jüdischen Leben jemand auf Autorität Anspruch machen, der sich nicht als Thora-Gelehrter legitimieren kann. Zudem erfordert ja schon die Erfüllung der dem Rabbiner gesetzmäßig zugewiesenen Aufgaben genaue Kenntnis der jüdischen Gesetzesliteratur (z. B. Ehegesetze, Reinigungsvorschriften usw.). Das persönliche Wirken des Rabbiners im Kreise seiner Gemeinde ist aber weiter abhängig von seiner Fähigkeit, sich das Vertrauen der Gemeindeangehörigen zu erwerben, ihnen als Freund menschlich nahezukommen, ihnen Anregung und Rat in allen seelischen Nöten zu spenden. Wenn auch die jüdische Religion keinen Priester- und

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