Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 37 (13.9.1918)
- Date
- 1918-09-13
- Page
- Seite 439 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 37 Das Jüdisch« Echo 439 Komitees, sprach namens der jüdischen Bevölkerung Worte tiefster Anerkennung: für Dr. Weizmann und Major Ormsby-Gore. Major Ormsby- Gore hielt eine von tiefem Enthusiasmus getragene Rede über das jüdische Volk und seine große Zukunft. Dr. Weizmann berichtete über die Tätigkeit der zionistischen Palästina - Kommission. Großen Eindruck machten seine Erklärungen über die günstige Entwicklung der Beziehungen zwischen den jüdischen und den arabischen Führern. Eine Konferenz des „Hapoel Hazair“ in Palästina. Das Kopenhagener Zionistische Bureau berichtet: In der Farm Hulda hat vor kurzem die 8. Konferenz der jüdischen Arbeiter-Organisation „Hapoel Hazair“ in Palästina stattgefunden. Zur Konferenz erschienen Vertreter aus verschiedenen Teilen von Judäa, sowie eine größere Anzahl von Freunden der Arbeiterbewegung und Gästen. Die erste Sitzurw genehmigte das folgende Programm: 1. Die gegenwärtige politische Lage, Referent Herr Sprinzak; 2. Bericht über die Tätigkeit des Zentralkomitees; 3. die nächste kolonisatorische Arbeit, Referent Herr Elieser Joffe; 4. Organisationsfragen. In seinem Referat wies Herr Sprinzak auf die großen politischen Änderungen hin, die in Palästina seit der letzten Konferenz in Dagania unter dem türkischen Regime vorgegangen sind. Der Redner besprach mit begeisterten Worten die Deklaration der englischen Regierung, die gegenwärtig die Zustimmung der ganzen zivilisierten Welt besitze, und wies auf den fortschreitenden Sieg des zionistischen Gedankens innerhalb der Judenheit hin. „Wir begrüßen herzlichst die neu ins Land gekommenen jüdischen Elemente. Diese jungen Juden werden nach dem Kriege das Land nicht verlassen, sie werden zum Pflug greifen, die Sümpfe trocknen und das Land einem neuen Leben zuführen. Mit Freuden begrüßen wir die Gründung der jüdischen Arbeiter-Armee im Amerika, die den Zweck hat, Arbeitselemente nach Palästina zur Belebung des Bodens zu entsenden. Im Hechaluz liegt unsere Zukunft. Der Gedanke muß in unserem Volke allgemein werden: Nur durch Arbeit wird unser Land zu neuem Leben auferstehen.“ Nach dem Referat entwickelte sich eine lebhafte Diskussion über die Beziehungen des „Hapoel! Hazair“ zum Sozialismus. Herr Elieser Joffe wies in seinem Referat darauf hin. daß die Arbeiterfarmen reformiert werden müßten. Die Farmen müssen den jüdischen Arbeiter nicht nur zu einzelnen Arbeiten befähigen, sie müssen ihm auch eine grundlegende Vorbereitung für alle Arbeitszweige der Landwirtschaft gewähren. Herr Saslawskv fordert die Ansässigmachung der jüdischen Landarbeiter auf eigenem Boden. Herr Schkolnik fordert den Ausbau der Arbeitergruppen. Lebhafte Debatten riefen die Organisationsfragen hervor, die schließlich mit der einstimmigen Annahme verschiedener Resolutionen endeten. Herr Twerski unterzog die Tätigkeit der lokalen Vorsteher verschiedener Institutionen einer scharfen Kritik. Am Schlüsse der Konferenz ergriff Herr Joffe das Wort zu einer bemerkenswerten Erklärung. Der Redner wies auf die schweren Folgen des Weltkrieges hin, unter denen nunmehr die ganze Menschheit seufze, „Die ganze Menschheit sehnt sich nach Frieden. Es ist aber nicht zu sehen, welche politische Macht gegenwärtig Mut und Kraft besitzen sollte, die kämpfenden Parteien zur Besinnung zu mahnen, um der Welt den Frieden wiederzugeben. Das jüdische Volk, das ideale Friedensvolk habe jetzt die Aufgabe, als der berufene Friedensvermittler aufzutreten.“ England. Dr. D. Jocheimann, der spiritus rector der nun eingegangenen Jewish Territorial Organisation, ist zu einem der Vorstandsmitglieder des Jewish Board of Deputies ernannt worden, und zwar an Stelle des bekannten englischen Assimilantenfiihrers Luden Wolf. Dr. Jocheimann genießt im höchsten Maße das Vertrauen der jüdischen Massen des Eastend. Aus aller Welt. Die Einkünfte des Zionismus. Als Jahresbudget für 1918/1919 hat die amerikanisch-zionistische Organisation den Betrag von 3 Millionen Dollar bewilligt. Dieser Betrag ist 60mal so groß wie der des Einkommens der. *amerikanischien Zionisten noch vor fünf Jahren war, und sechsmal so groß wie das Einkommen der gesamten zionistischen Weltorganisation zurzeit des letzten Kongresses. Im Hinblick auf die Steigerung der Eingänge auch in anderen Ländern darf die zionistische Organisation im nächsten Jahre mit einem Einkommen von ca. 20 Millionen Mark rechnen. \ ■ i i ' Literarisches Echo „Und das Krumme wird gerade“ von S. J. Agnon. Aus dem Hebräischen von Max Strauß, Jüdischer Verlag Berlin 1918. Das innere Titelblatt dieses Buches bezeichnet es als die „Geschichte eines Menschen mit Namen Menascheh Chajim, aus der heiligen Gemeinde Buczacz (fest gründe sie der Höchste, Amen), der von seinen Gütern herabsank, und die Armut (der Barmherzige bewahre uns) ließ ihn weichen vom Wege seines Herrn, und er warf einen Makel auf Israel und war gescholten und verstoßen und umhergetrieben, und verstörte doch nicht das Leben anderer, und wurde mit Namen und Andenken begnadet, wie es in diesem Buche des längeren erklärt wird. Das hat verfaßt und hat es aufgeschrieben S. J. Agnon.“ Schon diese Vorrede verrät den eigentümlich archaisierenden Stil dieses Buches, das sich wie. ein altes Volksbuch liest und doch der schöpferischen Phantasie eines Zeitgenossen entsprungen ist. Freilich konnte das nur ein Dichter schreiben, in dem noch alle Quellen reinen Volkstums ungeschwächt strömen, der unbeschwert durch Zeitanschauungen und Zeitstimmungen aus dem Geräusch des Städtchens Buczacz und den Stimmen seiner Bewohner heraus die Stimme der Ewigkeit hört.. Die Übersetzung paßt sich dem eigenartigen Stil des hebräischen Originals mit künstlerischer Einfühlungsgabe an. Hebräisches Quartettspiel. 12 Quartette, 48 Blatt, Preis 3 Mk. Jüdischer Verlag Berlin. Dieses Quartettspiel ist ein sehr origineller Versuch, den Kindern „spielend“ das Hebräische beizubringen. Auf den gut und modern gezeichneten Kärtchen