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Das jüdische Echo · 1918-09-06 · 36 (6.9.1918) · p. Seite 430

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
36 (6.9.1918)
Date
1918-09-06
Page
Seite 430 (sequence 14)
Language
German
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430 Das Jüdische Echo Nr. 36 An einem stillen Morgen erschienen aui den Ästen Blutflecken, an denen Flaumfedern klebten . . . Obwohl das Schießen gar nicht den Schwalben galt! Oft mußte auch der Morgenpsalm, der geflügelte lichte Gedanke des Schwalbenvolkes unter dem blauen Himmel verstummen . . . Piff-paff! Einige der Sänger des Herrn erzitterten plötzlich in der Luft und stürzten herab; Jagdhunde lasen sie im grünen Grase auf und trugen die Sterbenden zu ihren Herren . . . Aber die Jäger nahmen sie nicht an . . . Man meinte ja gar nicht die Schwalben: man übte sich nur im Schießen und probierte die Hunde ... Und die Gebete für die Seelen der toten Schwalben wuchsen und schwollen den ganzen Sommer lang an . . . Einer jeden toten Schwalbe galt zwar nur ein einziger Seufzer. Aus den vielen Seufzern wurde aber ein Klagelied. Ein Klagelied, so lang wie der Golus . . . Darum mehrten sich auch die Wunder und Zeichen . . . Gar vielen Schwalben war ein Wunder geschehen ... Sie hatten es wohl den frommen Verdiensten ihrer Vorfahren zu verdanken. . Es kam vor, daß eine Schwalbe, die herunterfiel, sich nur e i n Beinchen brach . . . Andere wurden nur an den Flügeln getroffen; sie verloren die Kraft und die Liebe zum Leben, aber nicht das Leben selbst . . . Und die Zahl solcher Wunderschwalben war während des Sommers gewachsen, und zugleich auch die Zahl derer, die bei jedem Unglück sagen: „Auch dies ist zu unserem Besten!“ . „Die Hauptsache ist, daß man am Leben bleibt! Wir verlassen unsere Zweige nicht. . . Und wenn wir nicht mehr in den Zweigen wohnen können, so springen wir eben im Grase herum . . . und leben wie die Feldmäuse . . . wie die kleinen Feldmäuse: auch sie sind Geschöpfe Gottes . . .“ „Das sind die ganz Frommen!“ sagten die Schwalben von denen, die so redeten. Andere sagten: „Sie sind Heilige!“ Und man ernährte sie auf Gemeindekosten . . . * * * Der Sommer geht aber zu Ende! Das Zwitschern klingt so traurig und bang. In unsere Sprache übersetzt, heißt es: „Es wird immer kühler . . .“ „Kühler werden die Tage, länger die kalten, unruhigen Nächte . . .“ „Und der Himmel wird immer grauer. Und auch die Sonne ist nicht mehr echt: es is^ nur eine Spiegelung der Sonne . . . Starre Stücke ziehen über den Himmel, — es sind Mormorblöcke oder vielleicht gar Eisbären . . . Sie schweigen unter dem Himmel und ballen sich zu einer Masse zusammen und verdecken den Himmel und das Licht . . . Und die Schwalben erheben ein ängstliches Gezwitscher. Sie sagen: Die Nahrung wird immer knapper... Die Blätter bekommen zwar einen goldenen Rand, werden aber immer schwächer und gebrechlicher: selbst die leichteste Schwalbe können sie nicht mehr tragen . . . Und die feinen Zweige verdorren und brechen ab . . . Und das Gezwitscher klingt von Zweig zu Zweig, von Baum zu Baum, von einem Ende des Waldes zum andern: „Wir müssen uns beraten... Laßt uns eine Versammlung abhalten!“ Und hunderte und tausende von zitternden Flügeln beginnen zu rauschen . . . Und die Versammlung der Schwalben steigt in die Höhe . . . Sie steigt immer höher und höher, man sieht sie nicht mehr, tausende winzige Punkte schweben unter dem grauen Himmel . . . Aus der Höhe sehen sie in die weite, weite Welt. Nach einer Weile läßt sich das ganze Heer von seiner Höhe herab. Die Schwalben zwitschern. Sie sagen: „Wir müssen fort, fort von hier! In weite Ferne! „Wiir müssen dem Frost und dem Schnee weichen! Wir brauchen Wärme und Licht!“ * * * Als die ganze Versammlung sich vor dem Fortfliegen zum letztenmal auf die Bäume niederließ, mußte sie noch eine Strafpredigt anhören . . . Die Verwundeten und Angeschossenen hielten ihnen die Predigt: „Wo wollt ihr denn hin? Kann man denn dem Tode entrinnen? Er ist in Gottes Hand! Ist es nicht ein sündiger Gedanke, der euch treibt? Fliegt ihr nicht auf den Flügeln des bösen Triebes? „Hier ist euer Heim! Hier in diesem Walde, wo ihr zum erstenmal die Augen geöffnet und die Flügel entfaltet habt; wo ihr singen gelernt, für eure Brut Nester gebaut, Alte betrauert und Tote beweint habt . . . Die Bäume blühten unter euren Liedern, und euer Morgen- und Abendgesang schwebt noch in der Luft . . . „Leichtsinnige Vögel seid ihr. ihr habt eure Seelen in den Flügeln und Füßen, doch nicht in den Herzen! „Und wenn ihr uns hier zurückläßt, wer wird euch dann in der Höhe, wo es keine Gesetze gibt, Moral predigen?“ Die Unversehrten hören aber nicht auf sie und fliegen fort . . . Deutsch von Alexander Eliasberg. Gemeindenu. Vereins-Echo (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus Gemeinden und Vereinen und von Parsonalnaohrlohten, die in diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höfliehst eingeladen.} Personalien. Dem Berliner Rabbiner des Synagogenvereins Moabit und Hansabezirk, Dr. Heinrich A. Cohn, der seit Anfang dieses Jahres als Armeerabbiner im Westen tätig ist, wurde vom Oberkommando das Eiserne Kreuz verliehen. Kanonier Rudolf Schaal, Mitglied des jüdischen Turnvereins, erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse. Gllickwunsch-Äblösimg 1918 zugunsten der Notstandsaktion für Palästina. Paul Grünbaum und Frau 10.—, Dr. Schönemann und Frau 10.—, Hermann Mahler 2.—, Elisabeth Mahler 2.—* Familie Naß 5.—, M. Schumer 5.—, Emil Botie 2.—, David Horn 5.—, Rosl und Frieda Scherr 2.—, Heinrich Tobiasch 2.—, Tina Kohn 2.—, Geschwister Scharr 1.—, Nani Blumenfeld 1.—, J. Herzberg 50.—, Jacob Fränkel 3.—», E. Troller 10.—, Golda Wiener 5.—, Isidor Fett 10.—, B. Goldberg 5.—, A. Wimpfheimer 20.—, Dr. R. Straus 5.—, Max Lieber 10.—, Dr. Elias Straus und Frau Dr. R. Straus 20.— Ernestine Mayer 5.—, Justus Hommel 10.—, Max Hofmann 10.—.

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