Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 35 (30.8.1918)
- Date
- 1918-08-30
- Page
- Seite 415 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 35 Das Jüdisch« Echo 415 Frankreich. Die Haltung der Regierung zum Zionismus. Das Jüdische Korrespondenz-Bureau im Haag berichtet: Der medizinischen Expedition der amerikanischen Zionisten wurde in Paris ein feierlicher Empfang bereitet. Baron Edmund Rothschild fungierte als Präsident der Begrüßungsversammlung, die im Saale des jüdischen Konsistoriums stattfand. Die Vertreter der Stadt Paris und aller großen jüdischen Organisationen Frankreichs füllten den Saal. Andre Tardieu, der hohe Kommissär für die amerikanisch-französischen Kriegsangelegenheiten, richtete folgende Ansprache an die Expedition: „Sie wissen, mit welch freundlichem Interesse die französische Regierung dem Fortschritt des zionistischen Ideals folgte. Die französische Regierung hat Proben dieses Interesses seit dem Frühjahr 1916 gegeben, sobald die Verbesserung der Situation in Palästina uns gestattete, die Zukunft zu erwägen. Ich brauche Sie übrigens kaum an die öffentliche und offizielle Erklärung zu erinnern. welche der Minister für auswärtige Angelegenheiten. Pichon. im verflossenen Jahre veröffentlichte. Wenn es ein Volk gibt, das von Natur aus die Eignung besitzt, die jüdische Sache und das jüdische Ideal zu verstehen, so war es sicherlich immer die französische Nation. Als hoher Kommissär Frankreichs in den Vereinigten Staaten hatte ich selbst oft Gelegenheit, mein Interesse der Aktivität der amerikanischen Zionisten zu widmen. Ich hatte selbst das Vorrecht, in Washington den Präsidenten des Provisorischen Komitees für Zionistische Angelegenheiten kennen zu lernen und mit ihm zu arbeiten. Richter Brandeis ist ein von uns hochgeachteter Freund. Sie nähern sich dem Ende Ihrer langen Reise. Wir wünschen Ihnen eine glückliche Überfahrt nach Palästina. Wir wünschen Ihnen eine erfolgreiche Arbeit in dem Lande, in das Sie Ihr Herz führt, auf diesem alten und geheiligten Boden, wo die jüdischen Freiwilligen in diesem Augenblicke gegen den gemeinsamen Feind kämpfen.“ Außerdem hielten Baron Edmund Rothschild, der Oberrabbiner Haguenau, Mourier und das Mitglied der Palästinakommission, Prof. Sylvain Levy, Ansprachen. Fräulein Seligsberg und Herr Hubbard dankten namens der Expedition. Die französische Presse brachte ausführliche Berichte über den Empfang. Aus aller Well. Antisemitismus in Dänemark. In der Ausgabe vom 11. August 1918 der Kopenhagener Zeitung „Politiken“ auf Seite 5 unter der Überschrift „Skandalöse Szenen in der Preisregulierungskommission“ liest man über einen ungeheuerlichen antisemitischen Angriff des bekannten konservativen Führers und Universitätsprofessors der Nationalökonomie L. V. Birk auf den bekannten Großindustriellen Stockholms Direktor Max Baltin. Direktor Max Ballin, selbst Mitglied der Preisregulierungskommission, wurde in seiner Rede durch einen Zwischenruf Prof. Birks unterbrochen, der ihn mit einem Zuchthäusler verglich. Ballin, auf die persönliche Polemik eingehend, nannte Birk einen Lügner und Ehrabschneider. Professor Birks wörtliche Erwiderungen lauteten: „Das solltest du nicht sagen. Denke daran, daß du zu einem weisen Mann sprichst, und daß du selbst ein Jude bist.“ Auch in weiteren Zwischenrufen behielt Birk das „du“ gegenüber seinem' Gegner bei. Dies ist derselbe Prof. Birk, übrigens in wissenschaftlicher Beziehung eine Null, aber ein sehr bekannter Politiker, der jüngst den Finanzminister Edward Brandes anrempelte und in der „Nationaltidende“ in einem Artikel gegen die Fremden loszog, wobei er weniger die 3000 in Kopenhagen wohnenden Schweden und Norweger meinte, als die paar Hundert russischer Juden. Hinrichtungen in der Ukraine. Die englischen Zeitungen berichten, daß das deutsche Kriegsgericht in Cherson elf Juden wegen des Versteckens von Getreide zum Tode verurteilt habe. Rabbi Ginsburg, der ihnen vor dem Tode Trost zusprach, starb selbst vor Kummer. Sabbatai Zewis Grab. Der jüdische Historiker J. J. Grunwald, der im österreichischen Heere in Albanien dient, hat bei Berat das Grab von Sabbatai Zewi entdeckt. Über ihm erhebt sich ein einfacher Grabstein mit der Inschrift Cerigi Mehemed (sein mohamedänischer Name). Gemeinden* u.Vereins-Echo (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus Be* melnden und Vereinen und von Porsonalnaohrlohten, die In diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höfllohst eingeladen.) Jüdischer National-Fonds. Zahlungen sind zu richten an Elisabeth Mahler, München, Postscheckkonto Nr. 10121. Nationalfonds-Spende. Heinrich Schwab- Garten. Die zionistische Ortsgruppe dankt FrL Marta Feuchtwanger für ihre ersprießlichen Dienste und pflanzt auf ihren Namen einen Ölbaum. M. 6.—. Notstandsaktion. Geschw. Stiefelzieher anläßlich der Genesung ihres Bruders 5 Mk. Goldenes Buch Blau -Weiß München. Fünf Mün,chener Blau-Weiße danken Sidney Haskel. 5 Mk. Jüdischer Turn- und Sport-Verein München. Die leichtathletischen Wettkämpfe finden bei jeder Witterung Sonntag, den 1. September d. J.. nachmittags 2.30 Uhr am Sportplatz 1860 (Grünwalderstraße) statt. Offene Konkurrenzen: Dreikampf (lOOm-Lauf, Weitsprung. Kugelstoßen): 100, 200 u. 400 m Vorgabelauf, 800 m-Maltauf, Hochsprung, Weitsprung, Kugelstoßen, Handgranatenwerfen, 4X100 m-Stafette, sowie Wettkämpfe für Damen. Mädchen und Knaben. Der Turnrat. Verein Bne-Jehuda. Voranzeige: Dienstag, den 10. Sept. 1918: Referat von Frl. stud. Gertrud Löwenstein über „Nationalismus und Zionismus“. Jüdischer Wanderbund „Blau-Weiß“. Im Monat September finden keine Fahrten statt wegen Jomtofirn. Die Heimabende für jeden Zug und Gruppe werden jedesmal im „Echio“ bekannt gegeben. Am 1. September ist das Sportsfest des Turnvereins, zu dem möglichst alle kommen sollen.