Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 32 (9.8.1918)
- Date
- 1918-08-09
- Page
- Seite 375 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9072829-9102973-9138399--02247-9075069- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 32 Das Jfldtsche Echo 375 Hierzu schreibt die „Frankfurter Zeitung“: „Es wäre entschieden besser, wenn man die judenfeindlichen Erscheinungen mit anderen kriegspsychotischen Erinnerungen vor der Welt verbergen könnte. Aber die Kundgebung der österreichischen Judenschaft beweist, daß das Übel schon über die Grenze dessen hinausgegriffen hat, was man schamhaft verbergen kann, daß man vor einer wohlorganisierten Kampagne steht, die man nur im Licht der Öffentlichkeit erfolgreich bekämpfen kann. Tatsächlich hat man es mit dem alten Haßmittel gewissenloser Obrigkeiten zu tun, die Verbitterung von sich auf den bewährten Prügelknaben. den Juden, abzulenken. In Österreich ist allerdings namenlose Erbitterung aufgehäuft gegen die Behörden, die man für das vollste Versagen des Ernährungsdienstes und für alle traurigen Kriegsvorgänge verantwortlich macht. Es ist begreiflich, daß die Stellen, gegen die sich diese Verbitterung wendet, den Versuch machen, sie von sich abzulenken. Aber es ist unverantwortlich, daß namhafte Prediger von den Kanzeln herunter direkt gegen die Juden aufreizen, daß man namentlich in der Armee der judenfeindlichen Stimmung mehr als freien Lauf läßt.“ Rußland. Eine sozialistische Organisation gegen den Antisemitismus. In Petersburg wurde vom Jüdischen Preßbureau in Stockholm zufolge eine „Zwischenparteiliche sozialistische Organisation zum Kampfe gegen den Antisemitismus“ begründet. Der Organisation traten Vorsteher der russischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei (Menschewiki- Internationalisten), der Bund, die Poale-Zion und die Vereinigten jüdischen Sozialisten bei. Das leitende Komitee der Organisation entfaltet eine rührige Propaganda durch Verbreitung von Literatur und Veranstaltung von Volksversammlungen. Das Komitee begann seine Tätigkeit mit einem Manifest, in dem darauf hingewiesen wird, daß in den Siegesmonaten der Revolution die Pogromhelden nicht wagten ans Tageslicht zu kommen, daß nur jetzt, in den Tagen des schweren Bürgerkrieges, in den Tagen der Enttäuschung und der Ermüdung, die Diener des gestürzten zaristischen Regimes wieder auf dje Szene getreten sind. Dieses schwarze Gesindel drohte die revolutionären Errungenschaften des Volkes im Blute entsetzlicher Pogrome zu ersticken, es suche Racheakte an unschuldigen Menschen zu vollziehen, es bedrohe das Leben, die Ehre und den Besitz des jüdischen Volkes. Das Komiteie fordert alle Arbeiterorganisationen und alle demokratischen Gruppen sowie alle ehrlichen Bürger, die der Sache der bürgerlichen, politischen und nationalen Freiheit in Rußland ergeben sind, auf. das Komitee in seiner schweren und verantwortungsvollen Arbeit zu unterstützen. Polen. Jüdische Handwerker in Polen. Zurzeit ist unter den jüdischen Handwerkern in Polen eine starke Bewegung im Gange, um den Zusammenschluß der jüdischen Handwerkervereine in ganz Polen in einem lebenskräftigen Verbände zu erreichen. Unter der Führung des Warschauer jüdischen Handwerkervereins wurde ein Arbeitsplan entworfen, der unter anderem folgende Punkte enthält: Erweiterung der Rechte der Handwerkerveremi- £nngen, Organisation des Einkaufes von Rohmaterialien nach dem Kriege. Schaffung von billigem Kredit und von Darlehenskassen für die Handwerker, Entfaltung einer starken Werbetätigkeit unter den jüdischen Arbeitern, um sie zum Anschluß an die Vereine zu gewinnen. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Schaffung billigen Kredits für die Handwerker. Amerika. Der iüdische Arbeiterkongreß. Aus New York wird dem Jüdischen Korrespondenzbureau im Haag berichtet: Am 6. Juni wurde hier der jüdische Arbeiterkongreß eröffnet, der zur Erörterung der Palästinafrage einberufen worden war. 250 000 jüdische Arbeiter in Amerika und Kanada waren durch 380 Delegierte vertreten. Der Kongreß faßte folgende Resolutionen: „Palästina soll zu einer unabhängigen international garantierten neutralen jüdischen Republik erklärt werden. Die Souveränität soll bis zur Bildung einer iiididischen Mehrheit im Lande an die Völkerliga, die auch das jüdische Volk enthalten muß, oder an eine internationale Kommission in der auch eine vom jüdischen Volke gewählte jüdische Vertretung Sitz haben muß, übertragen werden. Der erste jüdische Arbeiterkongreß für Palästina nimmt mit tiefer Freude die Erklärung Englands auf eine nationale Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina entgegen und begrüßt freudig die Zustimmung von Frankreich, Italien und der internationalen sozialistischen Konferenz, der englischen Arbeiterpartei, der amerikanischen Federation of Labour und den anderen großen politischen Körperschaften. Der Kongreß ist überzeugt, daß der Friedenskongreß im Namen aller Völker das Recht des jüdischen Volkes proklamieren wird, Palästina als sein nationales Heim aufzubauen. Die in dem Kongreß vertretene iüdische Arbeiterschaft erklärt sich bereit, alle Kräfte anzuspannen und keine Opfer in der Arbeit zu scheuen, welche die Weltgeschichte und die jüdische Geschichte von ihr fordern. Der großen Bedeutung: des Augenblicks bewußt, verpflichten wir uns zu arbeiten für die nationale Befreiung unseres Volkes und die Sicherung eines selbständigen jüdischen Lebens in Palästina. Palästina soll auf den Grundlagen voller bürgerlicher, religiöser und politischer Freiheit und Demokratie und voller örtlicher Selbstverwaltung und personaler Autonomie jeder nationalen Gruppe aufgebaut werden. Außerdem forderte der Kongreß die Einberufung eines allweltlichen jüdischen Arbeiterkongresses und die Erklärung des Bodens und der natürlichen Reichtümer Palästinas zum nationalen Eigentum des jüdischen Volkes. Der Kongreß erklärte seine tiefste Sympathie für die Kriegs- und Friedensziele der Entente. Die Tagung übertraf durch die große Anzahl der vertretenen jüdischen Arbeiter den Ernst der Verhandlungen und die Bedeutsamkeit ihrer Beschlüsse alle Erwartungen. Sie machte auf die jüdische und nichtjüdische Öffentlichkeit großen Eindruck. Die medizinische Expedition der amerikanischen Zionisten ist in Liverpool angkommen. Sie zählt 43 Personen, darunter 15 Ärzte und Zahnärzte, 20 Pflegeschwestern, Verwaltungspeirsonal usw. Zur Ausrüstung der Expedition gehört ein Spital