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Das jüdische Echo · 1918-08-09 · 32 (9.8.1918) · p. Seite 371

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
32 (9.8.1918)
Date
1918-08-09
Page
Seite 371 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 32 Das Jüdisch« Echo 371 machte Sache, daß die Juden zur Pionierarbeit nicht taugen, und daß das Land den anderen gehört. Und wieder anderen ist das Bild lebendig geworden, hat sich ihnen aber wie ein Alpdruck aufs Herz gelegt: ein jüdisches Palästina? darf man denn so etwas zulassen? wird uns selbst das — Qott behüte — nicht schaden? Aber manche hat der Traum auch an die Arbeit geschreckt, diese sind hingegangen und haben — Schekel gesammelt, ein wenig Hebräisch gelernt, sich in Debatten ein wenig erhitzt und sich sehr viel besser gefühlt als die andren; und haben bei jeder Gelegenheit versichert, daß „die da draußen“ es schon schaffen würden. Ja, einige wenige sind sogar weiter gegangen, sich sorgsam zu erkundigen, ob das „da draußen“ etwa gar für sie selbst in Betracht käme, wie es dort mit dem Einkommen und dem Klima, dem Komfort der Häuser und den geistigen und ästhetischen Anregungen bestellt sei, sie haben sogar eine Probereise hinüber gemacht. Und sind wieder gekommen und haben mit den andren weiter darüber debattiert, ob man dieses Palästina unterstützen oder es bekämpfen, an die Möglichkeit seines Werdens glauben oder den törichten Traum begraben solle. Während wir so auf Kongressen und Versammlungen, in Zeitungsartikeln und Protesten zu diesem Palästina von Fleisch und Blut „Stellung genommen haben“, sind über die Erde jenes Landes einige geschritten, die aus den fernsten Fernen der Welt gekommen sind, weil die Heimat sie gerufen hat und sie dem Rufe ohne Besinnen folgten; für die es keinen andren Beruf im Leben gab als das Wohnen in diesem Lande, das Bauen in diesem Lande; deren ganzes Wesen und Wirken aus der Liebe zum Lande floß. Und die tausendmal lieber für Palästinas Himmel, Palästinas Erde und die Gemeinschaft der palästinensischen Gefährten hungerten, fieberten und ihr Blut vergossen als daß sie anderwärts ein müheloses und behagliches Leben geführt hätten. Ja, in denen der Gedanke an eine Wahl zwischen dem einen oder dem andren niemals auftauchte, weil es für sie nur den einen Weg gab und keinen andren. Während wir gegrübelt und gezweifelt haben, ob eine Erfüllung wünschenswert und möglich sei, sind jene hingegangen und haben mit jedem Atemzug ihres Lebens bezeugt, daß die Erfüllung bereits da ist. Nichts bindet Menschen so fest wie eine große gemeinsame Liebe, und das Häuflein derer, die in Sonnengluten und Sternennächten gemeinsam dem Lande ins Antlitz gesjchaut, die vom Schweiße der Arbeit bedeckt neben einander dem Boden seine Frucht abgerungen, gemeinsam um ihren Besitz gekämpft und geblutet haben, die Freude über das vollbrachte Tagewerk und funkelnden Nachthimmels zu gemeinsamem Reigen und gemeinsamem Lied verbunden hat, die endlich; mit den Gefährten und für sie gestorben sind, haben sich zu einer Brüderschaft zusammengeschlossen, darin neben den Lebendigen die Toten weiterleben und mit jenen in unvergänglicher Freundschaft verbunden sind. Den Lebendigen genügte es nicht, das Bild jener Toten im eigenen Herzen zu bewahren auch den andren wollten sie die Schatten zugesellen, damit die Seienden an der Erinnerung an die Dahingegangenen ihre Liebe, ihren Stolz, ihre Tatkraft stärkten. So entstand das Buch »J i s k o r“, das den Heldenbüchern des jüdischen Volkes einen neuen Band anfügt. Von ihren Genossen und Freunden gezeichnet bald in großen Umrissen, bald' im kleinen Ausschnitt einer einzelnen Lebensepisode — treten die Wächter und Arbeiter, die im Lande Israel fielen, vor uns hin. Einer, ein Barfüßer aus Odessa, der wegen Ungehorsam aus Mikweh Israel entlassen wurde, weil er bei der Kunde von einem Überfall auf Gedera hinlief, um Hilfe zu leisten. Einer, der als angesehener Kaufmann mit seiner großen Familie aus Poltawa fortzog, um 10 Piaster täglich im Weinkeller schaffte, und einen, der Tage mitten in dieser Armut und Entbehrung als seinen „glücklichsten Tag“ empfindet. Einer, der mit dem Rabbinatsdiplom und einem kleinen Siddur, der ihn nie verläßt, in der Tasche, davongeht, um Arbeiter in Erez Israel zu werden. Einer, den mitten in den Pogromtagen das Bewußtsein der Heimatlosigkeit aufschreckt. Einer, den die Kunde eines Überfalles in Galiläa, die er für eine Jerusalemer Zeitung drucken soll, von der Setzmaschine fort an die Stätte der Gefahr reißt. Einer, den die Wände des Jaffaer Gymnasiums erdrücken, bis er es durchsetzt, auf die einsame Wacht in Galiläas zauberischen Nächten zu ziehen. Einer, der sich in Amerika in strenger Selbstzucht reiches Wissen und einen gestählten Körper erwirbt, um das heiße Herz nach Palästina zu tragen. Und mancher andere noch, den Sehnsucht nach Erdhauch, nach Bewährung in der Gefahr, nach Freiheit — persönlicher und geistiger — und eine übermächtige Liebe zur Heimat nach Erez Israel treibt. „Komm“, sagt einer dieser Gefallenen zu seinem Freunde, mit dem er durch die Vorstadt Warschaus geht, „fahr mit mir zusammen nach Haus“. Und -der andere fragen nicht erst, wo dieses „zu Haus“ ist. Sie sind alle tot, die lebensprühenden Jünglinge und Männer dieser Erinnerungsblätter, alle gestorben im Kampfe mit Räubern oder im Kampfe mit der Arbeit, gestorben für Volk und Heimat. Und das „Jiskor“-Buch ist wie ein neues Blatt im Memorbuch des Judenvolkes, darin seine Märtyrer verzeichnet stehen. Nur daß die Namen des Memorbuches auf einem düsteren Hintergründe von Furcht, Not und einem zermalmenden Schicksal stehen und umklirrt sind von Seufzer und Weinen. Während die Gräber derer, die im „Jiskor“ verzeichnet sind, sich gegen einen sonnenleuchtenden Himmel oder eine silberne Sternennacht erheben und noch widerhallen vom Lachen, vom Singen und Tanzen jener-, die unter den Hügeln liegen und ihr Lebenslied so machtvoll in die Luft der Heimat hinaussangen, daß es noch heute in den Weingärten, Orangenhainen und Ackerfurchen von Erez Israel hängt und als ein Heldenlied über die Schlachtfelder Europas, auf denen Tausende willenlos dahingeschlachtet werden, hinübertönt zu uns, die darüber debattieren, ob ein jüdisches Palästina möglich und ob es vorteilhaft für uns ist. — Das Volksschullehrergesetz in Bayern. Von S. D i n g f e 1 d e r . München. Mit Zuschrift vom 27. Juli 1918 (Nr. 18 521) übermittelte das Kgl. Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schulangelegenheiten der Verwaltung des Israelitischen Lehrervereins den Entwurf eines Volksschullehrergesetzes. Dieses Gesetz, um welches die Lehrervereinigungen Bayerns seit Jahrzehnten kämpfen, erhebt die Volksschullehrer von Gemeindezu Staatsbeamten. In die verwickelten Fragen, die sich aus

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