Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 31 (2.8.1918)
- Date
- 1918-08-02
- Page
- Seite 359 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 31 Da» .Jüdlscb« Echo 359 tionen des Kaufmanns. Das, was er kauft und verkauft, die Art, wie er die Ware anpreist, die Festsetzung des „gerechten“ Preises — hier setzt er sich mit der Adam Smithschen Theorie, die das freie Spiel wirtschaftlicher Kräfte als den besten Mechanismus zur Schaffung gerechter Preise proklamiert, in negativem Sinne auseinander — das Verhältnis zur Konkurrenz, zu den Angestellten, die eigene Lebenshaltung, alles wird einer eingehenden Betrachtung unterzogen und im Sinne wahrer Kulturwirtschaft revidiert. Leicht ist die Aufgabe, die hier dem Kaufmann gestellt ist, nicht, aber wiederum glaubt der Verfasser durchaus nicht, daß, wie mancher einwenden wird, sein wirtschaftliches Fortkommen dadurch in Frage gestellt oder unmöglich gemacht wird. Das Prinzip, die Schwächen des Publikums rücksichtslos auszunützen, hat sich auch als praktisch nicht immer erfolgreich erwiesen, und der Handel in seiner Gesamtheit käme zweifellos auch wirtschaftlich weiter, wenn er in Jaroslaws Sinne orientiert wäre. — Die Worte, die er an den Schluß seiner Ausführung setzt: ..Wer nicht beizeiten will, wird über kurz oder lang müssen“, haben schneller und gründlicher eine Bestätigung durch die Verwirklichung erfahren als er selbst es gedacht hat. Die Ausschaltung des freien Handels in unserer Kriegswirtschaft wäre nicht nötig gewesen, wenn die Kaufmannschaft mehr im Geist der Verantwortung für das ganze Volk gearbeitet hätte. Man muß sich dieses Buch nicht etwa als eine lange oder gar langweilige Moralpredigt vorstellen. Der Verfasser hält sich nie lange bei der Forderung selbst auf, sondern geht sehr schnell auf die Methode der Ausführung über. Seine Schreibweise, die eine gründliche Spezial- und weitgehende Allgemeinbildung verrät, ist in hohem Grade anschaulich und fesselnd und macht die Lektüre des Buches durchaus genußreich. Er. S. Rumänische Schreckens« herrschaft. (Bericht eines Augenzeugen.) Das „Kopenhagener Zionistische Bureau“ hat wiederholt über das Schreckensregiment berichtet, das die rumänischen Militärbehörden nun schon seit vier Monaten in Beßarabien führen. Bei der strengen Absperrung, durch die auch die kleinsten ■Städte und Ortschaften Beßarabiens isoliert und fast völlig von der Außenwelt getrennt sind, gelangen die Nachrichten über die Schreckensszenen, die sich dort abspielen, nur spärlich zur Kenntnis der Öffentlichkeit. Durch die Mitteilungen eines österreichischen Offiziers erfuhr man von den Untaten der Rumänen gegen die jüdische Bevölkerung in Jedinzi. Das „Kopenhagener Zionistische Bureau“ ist nunmehr in der Lage, den Bericht eines Augenzeugen, einer angesehenen jüdischen Persönlichkeit, über diese Vorgänge zu veröffentlichen. In dem Bericht werden u. a. die folgenden Begebenheiten erzählt: Außer Verhöhnungen, Schlägen und Züchtigungen mit Riemen wird die Bevölkerung auch systematisch ausgeplündert. Das Verweilen der Rumänen während zweier Monate hat das Städtchen gänzlich ruiniert. Die Ausplünderung ist offen organisiert und geschieht gründlich und schamlos. Die Rumänen nehmen alles: Wein, Mehl, Fleisch, Zucker, Seife, Reis u. a. m. Sie nehmen teilweise ganz ohne Entgelt, teilweise zahlen sie etwa ein Zwanzigstel vom Kostenpreis. Besonders leiden die Weinhändler. Die Rumänen verbringen Tage und Nächte in Gelagen und Orgien und nehmen Wein, bald bei einem, bald bei dem anderen. Für den Eimer besten Weins mit Gefäß zahlen sie bestenfalls 5 rumänische Lei 5 Franken, während der Wein netto 70—80 Rubel kostet. Für einen Sack Weizenmehls, der die Händler 100 Rubel kostet, zahlen die Rumänen 20 Rubel. Zucker wird im Städtchen mit 2 Rubel 50 Kopeken für das Pfund bezahlt; die Rumänen bezahlen 8 Rubel für ein Pud (40 Pfund). Requisitionen werden in allen Geschäften und Konsumgenossenschaften gemacht und alles, was sie selbst nicht brauchen, befördern sie nach Rumänien, wobei sie die Einwohner zwingen, die Produkte auf eigenen Fuhrwerken zu fahren. An einem einzigen Tage, am 5. April, als der Kapitän Demitriu mit seiner Garnison den Hof verließ, nahm er 150 Fuhren mit verschiedenen Eßwaren mit, darunter 800 Säcke besten Weizenmehls. Ein schrecklicher Vorfall ereignete sich am Mittwoch, den 3. April. Am Dienstag wurden sieben jüdische Viehhändler verhaftet und 15 Ochsen beschlagnahmt, indem man die Händler beschuldigte, daß sie beabsichtigt hättop, das Vieh aus dem Städtchen auszuführen. (Die Ausfuhr jedes lebenden Inventars und von Eßwaren war unter Drohung des Erschießens verboten.) Die Händler aber behaupteten, daß sie die Ochsen in das Städtchen zum lokalen Verkauf gebracht hätten. Die Vorsteher der Gemeinde ahnten, was die Unglücklichen erwartete, und versuchten unter Entsendung einer Deputation alles zu ihrer Befreiung. Es war aber alles vergebens. Zu dieser Zeit kam der Oberst Morusi ins Städtchen; er befahl, die Händler zu befreien und ihnen die Ochsen zurückzugeben. Auf die Frage des Obersten, ob die jüdische Bevölkerung mit dem Kommandanten zufrieden sei und keine Beschwerden hätte, antworteten die Mitglieder der jüdischen Deputation, daß die Bevölkerung sie in dieser Frage nicht bevollmächtigt haben, aber falls es dem Obersten gefällig sei, würde morgen eine amtliche Abordnung zu ihm kommen. Diese ausweichende Antwort wurde durch die Gegenwart des Kommandanten diktiert, vor dem sie nicht wagten, ihre Beschwerden darzulegen. Am nächsten Morgen aber, am 7. Tage des Pessach-Festes, ganz früh, vor dem Gebet, ging eine Abordnung zum rumänischen Obersten, um Recht und Schutz zu suchen. Die Abordnung bestand aus Vertretern sowohl der jüdischen als der christlichen Bevölkerung. Ihnen haben sich auch Passanten angeschlossen, festlich gekleidete Juden, die sich auf dem Wege zur Synagoge befanden. Der Oberst befand sich auf dem Marktplatze, wo er eine Parade abnahm. Von dort aus fuhr er ab, ohne die Abordnung zu empfangen. Sobald der Oberst das Städtchen verlassen hatte, wurde die ganze Abordnung von rumänischen Soldaten umzingelt. Es begann eine unbarmherzige Mißhandlung. Manchen gelang es zu fliehen. Die übrigen 22 Personen aber, 16 Juden und 6 Russen, wurden gewaltsam zurückgehalten; die Hände wurden ihnen auf dem Rücken festgebunden und so sollten sie zur Abschlachtung geführt werden. Die 6 Vertreter der russischen Bevölkerung fielen auf die Knie und versuchten zu beweisen, daß sie bloß über ihre Bodenbedürfnisse sprechen wollten. Man erbarmte sich ihrer und ließ sie frei. Die anderen aber wurden unter