Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 31 (2.8.1918)
- Date
- 1918-08-02
- Page
- Seite 358 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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358 Das Jüdische Echo N' 31 Ideal und Geschäft. Es sind in der letzten Zeit immer wieder Stimmen aufgetaucht, die den skrupellosen Händlergeist, der jetzt im kaufmännischen Leben herrscht, zurückführen wollen auf die verhältnismäßig starke. Beteiligung von Juden. Jüdische Namen begegnen uns, wenn von Kriegslieferanten, Schiebern, Wucherern die Rede ist, — und sie vor allem prägten sich dem Gedächtnis ein; die anderen Namen scheinen nur dekorative Größen zu sein, die man vernachlässigen zu können glaubt, wenn es gilt, Urteile zu fällen, Schlüsse zu ziehen und Forderungen zu erheben. Da erscheint es an der Zeit, auf ein Buch hinzuweisen, das, zwei Jahre vor dem Krieg erschienen, von einem Kaufmann für Kaufleute geschrieben, Zeugnis gibt von einem anders gearteten jüdischen Geschäftsgeist — das Buch von Benno Jaroslaw: „Ideal und Geschäft“ (verlegt bei Eugen Diederichs in Jena). — Es könnte befremdend wirken, diese Schrift gerade als ausgesprochen jüdisch in Anspruch zu nehmen, denn es ist darin mit keinem Wort von jüdischen Dingen die Rede. Aber der Geist, in dem sie geschrieben ist, ist so eminent jüdisch, daß es keines weiteren Berechnungsnachweises mehr bedarf.— ln Jaroslaw sind zwei Geistesrichtungen vereint, die der Nichtjude und natürlich auch der Jude, der gewöhnt ist, sich selbst und seine Arbeit durch die Brille der Konvention zu sehen, die eine verständnislose Umgebung geprägt hat — zwar beide als jüdisch anerkannt, aber als einander ausschließend. — Man könnte da als Typen etwa Vater und Sohn Ehrental in Gustav Freytags „Soll und Haben“ anführen: der eine wird als tüchtiger, erfolgreicher Kaufmann, aber auch als habsüchtiger, raffinierter Ausbeuter gezeichnet, der andere als reiner Idealist, der aber dem praktischen Leben völlig fernsteht und zu den Menschen und Dingen um sich herum keinerlei Beziehungen hat — von einem zum anderen führt keine Brücke des Verständnisses. In Jaroslaw ist die positive Seite beider Richtungen verkörpert; er hat den starken Wirklichkeitssinn des erfahrenen Kaufmanns, der sich über Dinge und Menschen nicht leicht täuscht, aber auch das feine Gewissen des Ethikers und den Glauben an die Entwicklungsmöglichkeit der Menschen in moralischer Richtung. Der Kaufmann hat vielfach die Auswirkung seines höheren Menschentums außerhalb oder ans Ende seiner eigentlichen Berufstätigkeit gesetzt. Sie ist daher abhängig von seinem wirtschaftlichen Erfolg und von dem Grade der Elastizität, die er sich aus dem harten Kampf ums Dasein ins Alter hinübergerettet hat. Jaroslaw stellt nun in seinem Buche — es ist eine Sammlung von Vorträgen, die er jungen Berufsgenossen hält die Forderung, daß Ideal und Geschäft nicht neben einander hergehen oder gar divergieren dürfen, sondern daß das eine sich im anderen dokumentieren muß. Er will die ideale Forderung ins Leben umsetzen, an einer Stelle wo man gewohnt war, sie ganz auszuschalten. Die Schwierigkeit, seine Aufgabe durchzuführen, fängt schon an bei der mangelnden Disposition des Publikums, zu dem er spricht. Kaum einer von den jungen Leuten ist aus Begeisterung Kaufmann geworden. Diesen Beruf umgibt nicht der Nimbus, der die Jugend anzieht. Wer ihn — wenn er ihn überhaupt aus freier Wahl ergreift — anderem vorzieht, tut es aus Zweckmäßigkeitsgründen. Woran liegt das? In erster Lime daran, daß die aktiv gerichteten Ideale, die in unserer Zeit alleinige Geltung behauptet haben, im kaufmännischen Beruf selten gepflegt werden können. Der Gedanke an die kulturfördernden Aufgaben des Kaufmanns war immer vorhanden, ist aber durch die tatsächlichen Erscheinungen des kaufmännischen Lebens oft getrübt worden. Wie oft ist gerade der Kaufmann, der allzu viele und falsch gerichtete Bedürfnisse geweckt und gestillt hat, der Sklaven-, Mädchen-, Opiumhändler und der gerade im modernen Wirtschaftsleben so häufig erscheinende Kaufmann, der das Publikum blufft anstatt bedient, ein die wahre Kultur hemmender Faktor gewesen. Diesem Typ stellt nun Jaroslaw einen anderen entgegen, den Kaufmann als Volkserzieher: ein Begriff, der in seinem ganzen Umfang aufgefaßt — wie Jaroslaw es tatsächlich tut — allerdings eine vollständige Umformung aller Praxis fordert, — und für den sucht er seinen Hörer zu gewinnen. Was soll dieser mit der Reform anfangen? Zunächst bei sich selber. Jeder soll für seine Person die Gefahren, die man als die spezifischen des Standes ansehen kann, erkennen und überwinden. Mit eben diesen Gefahren steht ja die Wertschätzung des Standes im engsten Zusammenhang. Wie die Tapferkeit die eigentliche Tugend des Soldaten, die Unbestechlichkeit die des Richters ist, so muß die Ehrlichkeit die des Kaufmanns sein. Gerade die Kapitel des! Jliroslawschen -Buches, die diesen Punkt behandeln, sind bezeichnend für die unbestechlich scharfe Denkart des Verfassers. Halbwahrheiten, wie „ehrlich währt am längsten“, läßt er nicht passieren. Der skrupellose Kaufmann kann, wen er nur geschickt ist. erfolgreicher sein, als der rechtliche. Die Geschäftsmoral als Erwerbsfaktor aufgefaßt, genügt ihm nicht. Einer ähnlich scharfen Prüfung unterwirft er alle Funk- Hohlsaum Plissöe, Feston und alle einschlägigen Arbeiten. Stoflknopf-Fabrikatlon. Spezialität: Eichelknöpfe und Doppelknöpfe. Rasche Bedienung! E. Dalimayer, Sonnenstrafle 9/n. Büro-Möbel Flach-, Steh-, Sitz- und Roll-Pulte Rolljalousieu. Äktenschränke, BücherschrHnki Stühle, Sessel, Hocker Privat-Kontor-Einrichhmgen S. GUTMANN, München, Dienerstr.14/1.