Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 30 (26.7.1918)
- Date
- 1918-07-26
- Page
- Seite 346 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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346 Das .Jüdische Echo Nr. 30 Ein Schulbeispiel. Um ein Schulbeispiel1 handelt es sieb hier, wie in der Öffentlichkeit jüdische Angelegenheiten durch Juden behandelt werden. Um ein Schulbeispiel gleichzeitig für die Art, wie man es n i c h t machen sollte. Seit dem Erlaß eines ganzen Bouquets von Regierungserklärungen ist der Zionismus in ein neues Stadium gerückt: aus einer Verheißung ist er zu einer politischen Tatsache und dem Beginn einer jüdischen Tat geworden. Die ganze Welt rechnet mit ihm als einer künftigen nationalen Macht. In Deutschland fand die Anerkennung der bestehenden Tatsachen ihren Ausdruck in der Gründung des Pro Palästina-Komitees, dem die verschiedensten Kreise der deutschen Politik nahestehen. Für die Gegner des Zionismus eine peinliche Erkenntnis. Was ist zu tun? Man muß versuchen, wenn nicht die maßgebenden politischen und Regierungskreise, so die Juden selber vor einer Bewegung zu warnen, die da „droht“, endlich einmal eine Lösung in das schier unlösbare und unhaltbare Judenproblem zu bringen. Das jüdische Publikum liest die „Frankfurter Zeitung“ — kann man es nicht durch diese zu beeinflussen suchen.? Man gewinnt also die Redaktion zur Aufnahme eines antizionistischen Aufsatzes, mindestens eines solchen, der dem Zionismus die Berechtigung abstreitet, im Namen derer zu sprechen, für die angeblich Palästina allein in Betracht kommt: die Ostjuden. Die Ostjuden sind so weit weg, das Publikum in Deutschland weiß so wenig von ihnen — weshalb ihm nicht einreden, daß sie dem Zionismus ablehnend gegenüberstehen? Aber wie erklärt man diese Ablehnung? nun, am besten aus ihrer orthodoxen Gesinnung heraus. Und so erlebt man das heitere Schauspiel, daß die „Frankfurter Zeitung“, Kämpferin für jeglichen Fortschritt, für alle Entwicklung von innen heraus, das von den führenden liberalen Juden für das Organ gehaltene Blatt, darin sich ihr eigener Geist am besten ausprägt — das gesamte Judentum auf den Standpunkt der Orthodoxie festlegt und gleichsam offiziell bescheinigt, daß jede Evolution der jüdischen Lehr# gleichbedeutend sei mit Sakrileg. Man schüttelt den Kopf. Aber damit kann es doch nicht sein Bewenden haben. Die „liberalen“ Leser der „Frankfurter Zeitung“ werden es sich doch gewiß nicht gefallen lassen, öffentlich in der deutschen Presse in ein Licht gesetzt zu werden, das sie als Abtrünnige des Judentums erscheinen läßt. Also wird wohl demnächst ein weiterer Aufsatz folgen müssen, der den Zionismus vom reformatorischen Standpunkt totschlägt und zugleich den Orthodoxen die Berechtigung bestreitet, im Namen des gesamten Judentums zu sprechen. Vielleicht erscheint dieser Aufsatz in der „Kreuzzeitung“. — Dann müssen sich ja auch noch diejenigen Orthodoxen melden, die — organisierte und überzeugte Zionisten sind und der antizionistischen Orthodoxie die Legitimität ihres Anspruchs, als Vertreterin der gesamten Orthodoxie zu gelten, bestreiten. (Man denke an die Aufsätze von Unna und Wohlgemut im „Jeschurun“. von Adolf Fränkel im „Jüdischen Echo“ und den Blättern der Agudas Jisroel, die den Zionismus vom orthodoxen Standpunkt aus rechtfertigten.) Und am Ende meldet sich noch gar irgendein „aufgeklärter“ jüdischer Nationaler aus dem Osten und erklärt der Mitwelt, daß nur das nationale, für den Fortbestand der Diaspora kämpfende Judentum den wahren Ring besitze. Der Zionismus sieht dem Schauspiel zu und lächelt im Bewußtsein, daß diese ganze Debatte vielleicht noch vor einigen Monaten Zweck gehabt hätte, daß aber inzwischen die Tatsachen bereits über diesen Streit um die Legitimation hinweggeschritten sind und die Regierungen sich an Erklärungen gebunden haben, deren Folgen nicht mehr abzuwenden sind. Nein, es ist nicht richtig, der Zionismus lächelt nicht. Er schämt sich des orthodoxen Artikels in der fortschrittlichen „Frankfurter Zeitung“ und des gesamten kläglichen Schauspiels, den das Judentum in dem Augenblick, in dem es um die ganz großen Erfüllungen geht, der Mitwelt wieder einmal bietet. Psychologie <Jes Äntizionisten. Von Dr. Max N o r d a u , Madrid. (Schluß.) Die Antizionisten versuchen in Wort und Schrift, in Zeitungen und Versammlungen, die nichtjüdische öffentliche Meinung gegen uns aufzuhetzen. Sie intrigieren gegen uns bei den uns günstig gestimmten Regierungen und bemühen sich, ihnen von Entscheidungen zu unseren gunsten abzuraten. Dies ist ein Verhalten, das seitens sonst ehrenhafter Menschen unverständlich wäre, wenn ihre Psychologie uns nicht den Schlüssel zum Verständnis liefern würde. Eines der Lieblingsmomente der Antizionisten ist, daß wir Zionisten Ghettomenschen sind und daß wir beabsichtigen, Palästina zu einem neuen Ghetto für das jüdische Volk zu machen, während sie den Staub des Ghettos von ihren Schuhen geschüttelt haben und als freie Menschen in freien Ländern leben. Diese armen Teufel sehen nicht, wie hoffnungslos sie selbst im Ghetto eingemauert sind. Diese „freien Menschen“ fühlen sich in ihren Ländern so unsicher, daß sie vor ihrem eigenen Schatten zittern und beständig von der schrecklichen Furcht getrieben werden, das Volk, in dessen Mitte sie wohnen, könne über sie herfallen, wenn sie es am wenigsten vermuten, sie ihrer Rechte berauben und sie ausweisen. In ihrem Gefühl, in ihrer Einbildung leben sie im Mittelalter, ungefähr im elften Jahrhundert, und ihr ständiger Albdruck ist, daß ein jüdisches Palästina, eine jüdische Nation in einem palästinensischen s chreihmaschineii Reparaturen Reinigungen aller Systeme schnell, fachgemäß, preiswert. Erstklassige Farbbänder u. Kohlepapiere sowie alle Zubehöre. Reinl)Olb Sd)ul3 Lindwurmstraße 1 (Ecke Sendlingertorplatz). Alleinvertrieb der TRIUMPH- und JOST - SCHREIBMASCHINEN Fernruf 54018. föttfelsöadj TOitdjen 2 6cfjittcrftra§e 48 empfiehlt fämtü^e Slrti&el 8ur Jrjaar», 3Jtunbs, 3af)tta uttb Krankenpflege, mebijin. 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