Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1918-07-12 · 28 (12.7.1918) · p. Seite 329

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
28 (12.7.1918)
Date
1918-07-12
Page
Seite 329 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9072829-9102973-9138380--02197-9075019
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 28 Das Jüdisch« Echo 329 der letzten Monate zu seinen Gunsten erklärt. Unter ihnen sind: Prof. Dr. Tobler, Prof. E. Hoffmann-Krayer, Karl Morti, August Forel, Paul Ragaz u. a. Die iüdisch-ottomanischen Untertanen in Griechenland. Die griechische Regierung hat sich entschlossen, das Gesetz, das den Handelsverkehr mit Untertanen feindlicher Staaten verbietet, nicht auf die in Griechenland lebenden Juden ottomanischer Staatsangehörigkeit zu erstrecken. Die hieraus den Angehörigen fremder Staaten erwachsenden Vorteile sind: die Auszahlung der ihnen zukommenden Beträge durch Versicherungsgesellschaften bei Brandschäden, was in Anbetracht der in letzter Zeit vorgekommenen Feuersbrünste von großer Bedeutung ist; die Streichung ihrer Namen von den schwarzen Listen; die Nicht-Einziehung ihres Immobilienbesitzes. Rechtsanwalt Dp. Anton Goldscheider. Das Wirken und die Bedeutung von Menschen, die nach ihrer Veranlagung und ihrem inneren Empfinden nicht gerne in der Öffentlichkeit hervortreten, wird naturgemäß immer nur von wenigen richtig gewürdigt werden können. Ein Mensch von dieser Art war der am 5. Juli 1918 im Blütenalter von 33 Jahren im Dienste des Vaterlands dahingegangene Rechtsanwalt Dr. Anton Goldscheider in München. Ausgezeichnet durch hervorragende Gaben des Geistes, unermüdlich fleißig von Jugend auf, von einem Pflichtgefühl, das keine Rücksicht gegen sich selbst kannte, von vornehmster, treuester Gesinnung und seltener Bescheidenheit, durfte von ihm noch manche Leistung auf juristisch-literarischem Gebiete erwartet werden. So, wie er nach seiner innersten Neigung seinem juristischen Beruf mit seiner ganzen Persönlichkeit hingegeben war, so gab er, nachdem er einmal unsere zionistische Idee als richtig erkannt hatte, seine ganze Seele diesem Ideale hin. Er hat, wo er nur immer dazu Gelegenheit hatte, für den Zionismus gewirkt und so mancher, den wir als Gesinnungsgenossen in unseren Reihen begrüßen konnten, wurde durch seine Überzeugungskraft für unsere Bewegung gewonnen. Mit den tiefsten Problemen des Zionismus beschäftigte er sich bis in seine letzten Tage hinein in gründlichster Weise. Das Hinscheiden dieses hervorragenden, dem Judentum treu ergebenen Menschen, reißt in den Kreis seiner Angehörigen, ganz besonders aber auch in den Kreis seiner Freunde eine unersetzliche Lücke. Die zionistische Bewegung hat an ihm einen ihrer edelsten, zuverlässigsten Mitkämpfer verloren. Dr. L. A. Feuilleton Der Tempel Salomos.1) Von Dr. E. Brandenburg. (Schluß.) Soviel über Herkunft und Ableitung des Grundrisses, die immerhin entwicklungsgeschichtlich interessant sein dürften, aber noch nicht vollständig den großen Eindruck erklären, den der Tempel unstreitig auf Mit- und Nachwelt gemacht hat. Ü Erschienen in der „Frankf. Ztg.“ vom 17. März. Der muß, wenigstens soweit er die äußere Wirkung anbelangt, einen anderen Grund gehabt haben, sonst wären ja wohl die ägyptischen Heiligtümer ebenso berühmt geworden, was aber nicht geschehen ist. Sowohl letztere als auch die Kultgrotten bei Jerusalem waren Bauten der Fels-Architektur, d. h. aus dem lebenden Gestein herausgearbeitet. Von ihnen sah man also nur den Eingang, sonst nichts. Eine harmonische Außenwirkung kam bei diesen Schöpfungen der Fels-Architektur vollständig in Fortfall. Da konnte man im Innern des Felsen die Räume anlegen, wie man wollte. Auch die Innenwirkung wird, in Anbetracht des Fehlens von Fenstern und der damaligen Beleuchtungsmöglichkeiten, nur eine sehr beschränkte gewesen sein. Hiram aber erkannte in genialer Weise, was man daraus machen konnte, und übertrug zum erstenmal den Grundriß aus dem Innern des Felsens auf die freistehende Architektur. Die gleiche Grundmauer umfaßte jetzt Quer- und Längs-Cella, d. h. Vorhalle und den eigentlichen Tempel zusammen und zwang sie so in die gleichen harmonischen Maße, so daß ein großer und schöner Bau entstand. Auch die Raumwirkung der Längs- Cella wird durch die bei Ezechiel erwähnten Fenster eine ganz andere geworden sein als in den unterirdischen, nur durch Öllampen oder Fackeln erleuchteten Grotten. So wurde Hiram und indirekt auch Salomo, weil er es verstand, einen solchen Architekten zur Ausführung seines grandiosen Planes zu berufen, zum Schöpfer des heutigen „Kirchenschiffs“ mit Vorhalle. Das ist das unbestreitbare Verdienst dieses nicht nur prunkliebenden, sondern auch kunstsinnigen Fürsten und seines großen Baumeisters. Wir können auf Grund der betreffenden Stellen in der Bibel annehmen, daß der Tempel eine offene Vorhalle, 10 Ellen tief und 20 Ellen breit (gleich der Ouer,Cella), die mit Säulen geschmückt war, hatte. Von dieser aus führte eine 10 Ellen breite Doppeltür in das Heilige, d. h. in den eigentlichen Hauptraum (gleich der Längs-Cella), der 40 Ellen lang und ebenso breit wie die Vorhalle war. An dieses stieß durch eine dünne Wand getrennt, in der sich die 6 Ellen breite Tür befand, das Allerheih>ste, das wieder die gleiche Breite von 20 Ellen hatte und genau so tief war, also einen quadratischen Raum bildete. Der ganze Innenraum des Tempels (die eigentliche Längs-Cella unseres Schemas) war mithin 60 Ellen lang und 20 breit. Wie schon gesagt, bedingte die Grundmauer dieselbe Breite der Ouer-Cella gleich der Vorhalle, während sie bei den ägyptischen Vorstufen des Schemas: Quer-Cella und Längs-Cella, oft erheblich breiter als die Längs-Cella war und so zu ihr in gar keinem Verhältnis stand. Wie weit diese Form mit dem ähnlichen Grundriß des kurz vor 1200 erbauten Anu-Adad-Tempels zusammenhängt, der wohl ein anderer Sprößling aus der gleichen Wurzel ist, würde hier zu weit führen. Für den Salomonischen Tempel ist der Anu-Adab- Tempel aber kaum vorbildlich gewesen. Eher könnte dies bei der Innenausstattung des Tempels von Jerusalem der Fall gewesen sein, der auf östliche Vorbilder zurückzuführen ist; denn Cherubime mit Menschen- und Löwenköpfen und Palmlaubwerk (Ezechiel 42, 18 ff.) finden wir als stehende Typen in der Kunst Mesopotamiens. So ist der Tempel Salomos in seinen einzelnen Bestandteilen allerdings nicht original zu nennen. Der Grundriß geht auf ägyptische, die Ausschmückung auf babylonische Schöpfungen zurück; denn schließlich kein einziges der großen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.