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Das jüdische Echo · 1918-07-12 · 28 (12.7.1918) · p. Seite 322

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
28 (12.7.1918)
Date
1918-07-12
Page
Seite 322 (sequence 2)
Language
German
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322 Das Jüdische Echo Nr. 28 Blau*Weiß und Ägudas Jisroel- Wanderbünde. Daß Einigkeit stark macht, ist eine solche Binsenwahrheit, daß man sich fast scheut, es nochmals auszusprechen. Aber es gibt Worte, die jeder im Munde führt und die doch keiner im richtigen Falle anzuwenden weiß. Denen muß man sie immer aufs neue, und zwar auf ihren besonderen Fall angewandt, wiederholen. Bedauerlicherweise hat kein andres Volk auf der Welt es so notwendig wie wir Juden, sich die Mahnung der Einigkeit ins Gedächtnis zurückzurufen, denn Uneinigkeit ist jederzeit die Quelle gewesen, aus der uns Verfolgung, Not und Untergang entsprang, aus der wir nationale Ohnmacht und geistige Unfruchtbarkeit schöpften. Am Eingang der meisten unsrer tragischen Volksschicksale steht die Denunziation von Juden durch Juden, vor unsren verpaßten Gelegenheiten zur Konsolidierung unsrer Volkskräfte steht die Eifersucht der Parteien. Nicht einmal in diesen Tagen, in denen das Gebot der Einigkeit lauter zu den Völkern spricht als je zuvor, vermögen wir unsre Uneinigkeit als das Urübel unsrer Existenz zu verstehen und es zu überwinden. Bei den Völkern, unter denen wir leben, sehen wir, daß die Frage: Sieg oder Untergang? immer mehr mit der Frage: Einigkeit oder Zerfall? zusammenfällt. Niemals wäre das deutsche Volk imstande gewesen, sich gegen eine Mauer von Feinden zur Wehr zu setzen, wenn sich nicht alle, auch die widerstrebendsten Volkselemente, zu einer Einheit verbunden hätten. Niemals wird Rußland die Früchte seiner Revolution pflücken können, wenn sich nicht die heute auseinanderstrebenden Kräfte zu einer Einheit verbinden. Niemals wird man Deutschland und Österreich überwinden können — wenn es nicht den Gegnern gelingt, sie in Zwiespalt zu stürzen. Die Frage der Einigkeit bei den Völkern ist nicht nur eine Frage politischer Macht — nur ein einiges, unbeschadet aller Vielfältigkeit der Strömungen im tiefsten Wesen und Willen einiges Volk ist auch imstande, seine Volkskultur fortzuentwickeln und an der Erhöhung der Menschheit mitzuarbeiten. Nicht ein in Parteikämpfe gespaltenes, sondern ein von einem gemeinsamen Willen beseeltes Deutschland, nicht ein von Nationalitäten- und Klassenkämpfen zerrissenes, sondern nur ein von gemeinsamem Streben erfülltes Rußland wird in einem künftigen Bunde der Völker deutsches bezw. russisches Wesen und deutsche bezw. russische Ideen von Menschlichkeit und Wahrheit durchzusetzen vermögen. Aber was nützt es, daß wir uns über das, was den Völkern Europas frommt, klarwerden, wenn wir nicht einsehen, daß das, was wir für sie als richtig und notwendig erkannt haben,, auch für uns gilt? Uns bedrohen heute von außen so große Gefahren wie nur jemals: in Rußland und Galizien geht man mit blanker Waffe auf die Juden, die im Laufe des Krieges bereits Unsägliches gelitten haben, los; in Polen treibt man durch wirtschaftlichen Boykott Tausende von Juden, in Wien und Prag stößt die bürgerliche Gesellschaft die Juden aus; und in Deutschland darf eine einflußreiche Presse, dürfen Reichstagsabgeordnete und Privatleute ihre jüdischen Mitbürger ungestört aufs gröblichste beschimpfen. Aber das sind nur die äußeren Gefahren, innerlich steht es noch' schlimmer: Tag um Tag gehen dem Judentum Menschen verloren, die auf dem Wege über die bewußte Assimilation zur Mischheirat und Taufe gelangten. Tag um Tag lösen sich Söhne und Töchter orthodoxer Familien von den jüdischen Traditionen los und verlieren dann — wenn sie nicht gerade auf dem Wege des jüdischen Nationalismus wieder zu ihrem Volke zurückfinden — oft mit ungeahnter Geschwindigkeit jeglichen Zusammenhalt mit dem Judentum. Tag um Tag muß eine Schar junger, zum Bewußtsein ihres Judentums gelangender Menschen erkennen, daß niemand — weder die orthodoxen noch die liberalen jüdischen Kreise — etwas dazu getan hat, den Zusammenhang der in die verschiedensten Länder und Kulturen aufgeteilten Juden zu wahren und die schöpferische Kraft des jüdischen Geistes lebendig zu erhalten. Das einzige Mittel zur Abwehr der äußeren und inneren Feinde heißt: Einigkeit. Nur ein einiges Gesamtjudentum kann wirksam gegen die Gewalttaten im Osten protestieren; nur ein einiges deutsches Judentum wird nicht allein dem Ansturm des Antisemitismus standhalten, sondern sich gegen jene Elemente in seinen eigenen Reihen, die dem Antisemitismus hier und dort einen Schimmer von Berechtigung geben, wirksam zur Wehr setzen können; nur ein einiges bayerisches Judentum z. B. kann dem traurigen Schauspiel ein Ende machen, daß der Wille der Behörden zur Abänderung eines veralteten Judengesetzes an dem Hader der jüdischen Parteien scheitert. Und vor allem kann nur ein einiges Judentum die Herzen Aller für den Empfang der neuen Geistesschätze bereiten, die von einem erneuten Voikszcutrum ausgehen werden. Was wir statt dessen sehen, ist ein zerklüftetes deutsches Judentum, dessen einzelne Teile einander mit Mißtrauen und Eifersucht betrachten und bereit sind, jedes wirklich iüdische Werk zu zerstören. Tut sich eine Schar von Menschen zusammen um eine durch Länder und Meere ungetrennte Einheit des Judentums herzustellen — gleich sind andre zur Stelle, um dieses Beginnen als „unpatriotisch“ zu verklagen. Tun gewisse Kreise Schritte, um in Palästina dem Volke einen Kristallisationspunkt zu schaffen — flugs stellt man die „Frankfurter Zeitung“ dazu an, dieses Werk als das Unterfangen einiger unbefugter Eigenbrödler hinzustellen. Ja, über die Grenzen Deutschlands wird diese Uneinigkeit hinausgetragen: will sich in Polen das unterdrückte Volk zu einer starken Forderung seines Rechtes aufraffen — stracks s cHreiDmascHinen Reparaturen und Reinigungen aller Systeme schnell, fachgemäß, preiswert. Erstklassige Farbbänder u. Kohlepapiere sowie alle Zubehöre. Reinljolö Sd)ul3 Lindwurmstraße 1 (Ecke Sendlingertorplatz). Alleinvertrieb der TRIUMPH- und JOST - SCHREIBMASCHINEN Fernruf 54018. Kanu hei ansern Inserenten VERLANGEN SIE TELEPHON 9319 Beratung uni Vermintuno von Verslcherungcu Grimistr. 4/I. E. CAAN.

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