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Das jüdische Echo · 1918-06-28 · 26 (28.6.1918) · p. Seite 299

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
26 (28.6.1918)
Date
1918-06-28
Page
Seite 299 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 26 Das Jüdische Echo 299 Aber die Not die im Laufe des Krieges über die palästinensische Bevölkerung hereingebrochen ist ergreift jedes jüdische Herz am stärksten, denn hier handelt es sich um Menschen, die sich aus eigner Wahl auf einen mühevollen und gefährdeten Posten gestellt haben, um nicht nur sich selbst sondern auch uns, dem gesamten Volke eine neue Heimat zu schaffen, und die nun für uns alle die wir dieser Heimat mit Sehnsucht entgegensehen mitleiden. Wer jemals auf das Neue, das in Palästina werden soll, mit Sehnsucht geblickt hat in wem sich jemals für diese Pioniere, die hinausgezogen sind, das Neue aufzubauen, ein Gefühl der Dankbarkeit und des Stolzes geregt hat, der muß verstehen, daß es seine Pflicht ist, die Existenz dieser arbeits- und opferfrohen Menschen zu erhalten und ihr Werk zu erhalten, das der Grundstein für ein künftiges jüdisches Zentrum ist. Der Mut und die Willenskraft, mit der sie im Laufe des Krieges ihre Siedlungen gegen ein oft übermächtiges feindliches Schicksal verteidigt haben, ihre Umsicht und Tatkraft bei der Erhaltung ihrer eigenen Existenzen und der jener zahlreichen Juden des Landes, die aus Gründen religiöser Pietät nach Palästina gingen, hat viel dazu beigetragen, auch der nichtjüdischen Welt Vertrauen zu dem jüdischen Werke zu geben und zu den Regierungserklärungen zu führen, die wir heute als ein Unterpfand einer bevorstehenden mächtigen Entwicklung der Palästinakolonisation in Händen halten. Die Hilfe, die heute von Deutschland aus gespendet wird, kommt vor allem den galiläischen Juden zu Gute, deren Zahl sich durch die Züge der seiner Zeit aus Judäa Geflüchteten erheblich vermehrt hat. Für das von den Engländern besetzte Gebiet stehen Mittel aus den Ententeländern zur Verfügung, mit deren Hilfe man darangeht, die zu Grunde gegangenen kolonisatorischen Schöpfungen neu aufzubauen. Das im türkischen Besitz befindliche Gebiet dagegen ist vor allem auf die Hilfe aus Deutschland angewiesen , und es1 ist aus vielen Gründen aus Gründen der Menschlichkeit und der politischen Klugheit — sehr zu wünschen, daß diese Hilfe ausreicht, um auch hier das Bestehende zu erhalten, Vernichtetes neu aufzubauen und einem unter englischer Herrschaft gesundenden Judäa ein unter dem Einfluß der Mittelmächte gleichfalls existenzfähiges Galiläa und Samaria zur Seite zu stellen. Ein von führenden Männern geleitetes Flüchtlingskomitee, welches das Vertrauen der jüdischen Bevölkerung genießt, sorgt für die Verteilung der eingehenden Mittel, und aus Briefen, die der Schriftleitung dieses Blattes aus Damaskus, zugingen, geht hervor, daß diese Mittel dazu dienen, zahlreiche Menschen, die in Gefahr stehen, auf den Straßen zu verhungern, am Leben zu erhalten, und zahlreiche andre — Männer und Frauen ■ ■ vor dem moralischen Untergang zu bewahren. Das Hilfswerk wäre viel leichter zu bewältigen, wenn nicht der Wert des türkischen Papiergeldes außerordentlich gesunken wäre; doch darf die Rücksicht auf den niedrigen Kurs nicht die Veranlassung zu irgendeinem Mißtrauen gegen die richtige Anwendung der gespendeten Summen sein. Die gegebenen Beträge gelangen absolut sicher nach Palästina; sie werden erst nach Konstantinopel geschickt, von wo sie Dr. Artur Ruppin nach Palästina überweist. An der Spitze des Damaskus- Hilfskomitees steht der Bürgermeister von lei Awiw, Herr Disengoff. Die Bedürftigen richten gerade jetzt, da die politische Lage ihnen die Hilfe aus England und Amerika vorenthält, ihre bangen Blicke nach Deutschland und hegen die Hoffnung, daß die Stammesgenossen in Deutschland in der Stunde größter Gefahr sie und ihr mit Selbstaufopferung geschaffenes Werk nicht im Stich lassen werden. (Spenden für das Hilfswerk für Palästina sind zu richten an Herrn Jak. F r ä n k e 1. Postscheckkonto 9318.) Protest gegen die Pogrome in Galizien. Die Berichte über die Pogrome in Galizien haben in Holland, vor allem unter den Tausenden von Ostjuden, die während des Krieges hier eine Zufluchtstätte fanden, tiefe Erregung ausgelöst. Die zionistische Vereinigung „Kadimah“ und die „Sozialistisch-zionistische Vereinigung“ Haag-Scheveningen gaben der allgemeinen Stimmung Ausdruck, als sie für den 11. November eine große Protestversammlung in „De Burcht“, dem größten Saal Scheveningens, einberiefen. Lange vor Beginn der Versammlung war der Saal bis zur letzten Ecke gefüllt. Hunderte konnten keinen Einlaß finden. In atemloser Spannung folgte die Versammlung den Ausführungen der Redner. Ingenieur S. Kaplansky, der Führer des Jüdischsozialistischen Verbandes „Poalei Zion“ und das Mitglied des holländischen Herrenhauses H. H. v. Kol hatten sich der Versammlung als Redner zur Verfügung gestellt. Senator H. H. v. Kol gehört zu den populärsten Führern der holländischen Sozialdemokratie. Er ist Mitglied des internationalen sozialistischen Bureaus. Der Präsident der Z.V. „Kadimah“, Jacques Buchenholz, umschrieb den Zweck der Versammlung mi’t einigen wenigen, aber markigen und eindrucksvollen Worten. „Eine Pogromwelle geht über Galizien. In tiefem Schmerz haben wir uns versammelt, um unseren unterdrückten, um ihre Freiheit kämpfenden Brüdern einen Gruß, ein Wort des Trostes und der Solidarität zu senden. Ein Wort des Protestes soll von hier gegen die schändlichen Anschläge auf Freiheit und Leben unserer Brüder ausgehen. Wir sind keine Feinde des polnischen Volkes. Wir fordern lediglich Gerechtigkeit und eine menschenwürdige Behandlung der Juden in Galizien und Polen. Die Zeiten sind vorbei, wo man uns Juden schlug und marterte und unseren Schmerzensschrei ersticken durfte“. „Ich habe“, so begann H. v. Kol seine Rede, „keinen Augenblick gezögert, die Einladung der Zionisten anzunehmen. Ich fühle mich verpflichtet, gegen die Greuel, welche die Polen an den Juden in den letzten Wochen begangen haben, zu protestieren — als Mensch, weil jeder, der solchen Schandtaten gegenüber schweigt, mitschuldig wird, — als Sozialist, denn die Juden sind unsere besten, treuesten und wackersten Mitkämpfer. Wer die Situation, in welche der Krieg die Juden gebracht hat, betrachtet, schaut ein Bild des tiefsten Elends, der entsetzlichsten Not. Schwer drückt die Last des Krieges auf der Welt. Aber kein Volk der Erde leidet so schwer und so ungerecht wie das jüdische. Im Krieg haben die Juden „ihre Pflicht erfüllt“ — wie man so sagt. Sie sterben zu Zehntausenden für ihre Unterdrücker. Was wird der Friede den Juden bringen? Dieser Krieg wird um das Selbstbestimmungsrecht der Nationalitäten geführt. Kommt ein Friede des Aus- )

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