Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 26 (28.6.1918)
- Date
- 1918-06-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Bayerische Blätter für die jüdischen Ängelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis: Viertel). M. 1.—, Halb). M. 2.—, Ganzj. M.4.—,Einzelnummer 10 Pf. — Verlag des „Jüdischen Echo“ : München, Herzog Maxstr.4. — Redakt ion: Helene Hanna Cohn, Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 40 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Anzeigenannahme: Verlag des „Jüdischen Echo“, München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 53009. Postscheckkonto: München 3987. ANZEIGEN-ANNAHME: MÜNCHEN, HERZOG MAXSTRASSE 4 Hummer 26 München / 5. Jahrgang 28» Juni 1918 RABBINER DR. WERNER mz*& Eine schmerzliche Kunde durcheilte am vergangenen Sabbat früh unsere Gemeinde: Rabbiner Werner gestorben! Bis zum letzten Tag war er anscheinend rüstig und gesund seinen Obliegenheiten mit unermüdlichem Eifer nachgekommen; Freitag abends waltete er noch seines Amtes beim Gottesdienste. In der Nacht ist er plötzlich einem Schlaganfall erlegen. Ein herber, kaum ersetzlicher Verlust! Die jüdische Gemeinde hat ihr Oberhaupt verloren, das sie in vorbildlicher Weise leitete; die Judenheit Bayerns und darüber hinaus die des ganzen Reichs verliert in ihm einen Führer von hervorragenden Eigenschaften. Coßmann Werner ist geboren am 17. Dezember 1853 zu Rogasen (Provinz Posen). Nach Absolvierung des Posener Gymnasiums widmete er sich den theologischen und philosophischen Studien auf den Universitäten Leipzig und Breslau. Auf dem Rabbinerseminar in Breslau bereitete er sich für die rabbinische Laufbahn vor. Schon hier erregte die Begabung des jungen Rabbinats-Kandidaten Aufsehen. Noch nicht 26 Jahre alt wurde er Rabbiner in Danzig. Dort hat er seinem Wirken ein bleibendes Denkmal gesetzt, indem es ihm glückte, die bis dahin getrennten fünf Gemeinden Danzigs zu vereinigen. Dieses anerkennenswerte Werk gelang dem Mann, der sich vor anderen auszeichnete durch die Kunst der Menschenbehandlung, durch Liebenswürdigkeit und Konzilianz, durch seine unvergleichliche Gabe, die Menschen von der Richtigkeit dessen, was er selbst für recht und gut fand, zu überzeugen. Als im Winter 1894 Rabbiner Dr. P e r 1 e s in München starb, konnte die Münchner Gemeinde keinen würdigeren Nachfolger an ihre Spitze berufen als Dr. Werner. Mehr als 23 Jahre ist er hier tätig gewesen. Das lebendige Bild seines Wirkens steht vor unser aller Augen. Daß er mit hingebungsvollem Eifer und nie ermüdender Treue die Obliegenheiten seines Amts erfüllte, war bei ihm eine Selbstverständlichkeit. Kraft seiner stark ethischen Veranlagung, kraft seiner jüdischen Überzeugung, daß „Jude sein“ heißt: mehr als andere Menschen für ein Leben der Sittlichkeit und Pflicht verantwortlich sein, war er durchdrungen von der höchsten Auffassung seines Amts: Ais Führer und Lehrer seiner Gemeinde fühlte er sich, tief verpflichtet, was er in Worten kündete, durch Tat und Lebensführung in die Wirklichkeit umzusetzen und — als ein an weit sichtbarer Stelle Stehender — auch breiteren Kreisen ein lebendiges: Vorbild wahrhaft religiösen und sittlichen Menschentums zu sein. So war er Zeit seines Lebens mehr als bloßer Beamter und tat stets mehr als seine Pflicht. Wenn er öffentlich sprach — sei es als Prediger im Gottesdienste, auf dem Friedhofe, unter dem Trauhimmel, sei es als Redner oder Debatter in Sitzungen und Versammlungen, sei es als Lehrer auf dem Katheder, es war meist etwas besseres als das berufsmäßige Reden, wie es nun einmal zu den Verrichtungen seines Amts gehörte. Rabbiner Werner gab in der Rede seine ganze Persönlichkeit. Dies fühlte der Hörer. Dies machte seine Rede so hinreißend, daß auch der Widerwillige sich gepackt fühlte; wenige heute auf der Kanzel kommen ihm hierin gleich. Und dann: Rabbiner Werner als Wohltäter! Hier ist sein größtes Lob, daß man in der Öffentlichkeit vieles was er tat, nicht weiß. Ja, daß man vieles, was man weiß, in der Öffentlichkeit nicht sagen darf. W a s er gab, w i e er gab, wem alles er gab — es wissen es all die Armen, die verschämten Bedürftigen, die ganz besonderen Anlaß haben, ihn zu betrauern, und alle die, die ihm bei seinem Wohltun zur Seite standen. Ich sehe ab davon, daß er zahlreiche humanitäre Bestre-